Kurioses

Sauglücklich: Happy End für das Elbtunnel-Schwein

Vor einem Jahr sprang Viktoria aus einem Transporter auf die A7, wurde von der Polizei eingefangen. Was aus dem Schwein wurde.

Hamburg. Die Geschichte von Viktoria hätte ganz anders ausgehen können. Wahrscheinlich hätte sie nach dem Verkauf an einen niedersächsischen Schweinebauern noch drei bis vier Monate in seinem Mastbetrieb verbracht und wäre am Ende auf dem Grill eines Imbissstands oder als Wurst verarbeitet im Kühlregal einer Supermarktkette gelandet. Getötet und geschlachtet, so wie es jedes Jahr mehreren Zehnmillionen Schweinen in Deutschland ergeht. Niemand würde sich heute noch an sie erinnern.

Schwein sprang im Elbtunnel aus Transporter

Doch Viktorias Geschichte verlief anders. Am 8. März 2017 sprang das damals etwa drei Monate alte Schwein auf der Fahrt von Dänemark nach Niedersachsen im Hamburger Elbtunnel durch den Türspalt eines fahrenden Tiertransporters in die Freiheit. Hinter einer Leitplanke brachte sich das Tier in Sicherheit bis es schließlich von Polizeibeamten eingefangen und in einem Streifenwagen zur nächsten Wache gebracht wurde – nicht ohne, den Wagen zuvor sprichwörtlich "einzusauen". Deutschlandweit berichteten zahlreiche Medien über die spektakuläre Flucht des mutigen Schweins.

Ein Jahr später lebt die Geflüchtete unter ihrem neuen Namen Viktoria gemeinsam mit knapp 80 anderen geretteten Tieren auf dem Erdlingshof im niederbayerischen Kollnburg. Hier finden vor allem ehemalige Nutztiere wie Rinder, Schafe, Hühner oder eben Schweine ein Zuhause. So wie Viktoria.

Nach der "Ingewahrsamnahme" durch die Polizei war das Schwein zunächst dem Hamburger Tierschutzverein übergeben worden. Anhand der Ohrmarke wurde der Besitzer des Tieres ausfindig gemacht, der das Schwein zunächst zurückforderte. An der Süderstraße war man sich jedoch schnell einig, ein neues Zuhause für das Tier zu suchen – in dem die Schlachtung möglichst nicht das Ziel sein sollte. Der Besitzer stimmte am Ende zu.

Bayerisches Paar holte Viktoria in Hamburg ab

Birgit Schulze und Johannes Jung aus Niederbayern wurden über Facebook auf das Schwein aufmerksam und wendeten sich an den Hamburger Tierschutzverein. "Unser Plan war sowieso ein weibliches Schwein bei uns zu integrieren, daher hat das gut gepasst", sagt Birgit Schulze. Wenige Tage später holte das Paar die neue Bewohnerin in Hamburg ab. Im Kofferraum verbrachte Viktoria die rund 750 Kilometer lange Fahrt ins niederbayerische Kollnburg.

Dort – mit Blick auf die Berge des bayerischen Waldes – hat sich Viktoria inzwischen offenbar gut eingelebt und fühlt sich "schweinewohl", berichtet Schulze. Angst kenne das Schwein bis heute nicht. "Sie geht auf Menschen zu, stupst sie mit ihrem Rüssel an, lässt sich streicheln und freut sich über jedes leckere Mitbringsel." Zudem sei Viktoria äußert intelligent. "Wenn sie irgendwo hin will, dann schafft sie das auch – egal ob sie die Türklinke runterdrückt oder seitlich unter einem Tor durchrobbt", sagt Birgit Schulze.

Als einzige Bewohnerin des Erdlingshofs hat Viktoria inzwischen sogar ein eigenes Facebook-Profil und einen Account bei Instagram mit mehr als 400 Abonennten. "Viktoria ist damit eine Botschafterin für alle ihre ehemaligen Leidensgenossen", sagt Schulze. "Wir wollen mit ihrer Bekanntheit Aufklärung betreiben, dass auch Nutztiere genauso fühlen und leiden, wie beispielsweise Hunde oder Katzen. Hier zeigt sie den Menschen in ihrer liebenswerten, neugierigen und vorwitzigen Art, dass ein Schwein ein Lebewesen ist wie du und ich."

Bei guter Haltung stehen Viktoria noch viele weitere Jahre auf dem Erdlingshof bevor. Ihr zweiter Geburtstag an diesem Donnerstag wird daher auch groß gefeiert, sagt Schulze. "Da werden wir uns sicherlich etwas schönes für sie einfallen lassen."