Othmarschen

Der lange Weg zur Ehrung von Siegfried Lenz

Straße soll nach Schriftsteller benannt werden. Doch welche – darüber gibt es keine Einigkeit

Othmarschen. Im Herbst 2014 starb Siegfried Lenz in seiner Wahl­heimat Hamburg. Der berühmte Schriftsteller („So zärtlich war Suleyken“, „Deutschstunde“) hatte die Stadt landesweit repräsentiert wie nur wenige andere Künstler. Lenz und Hamburg, das war für viele ein fester Zweiklang. Doch die Stadt tut sich schwer, ihren Ehrenbürger mit der Benennung einer Straße zu würdigen.

Zwar steht Lenz schon länger auf einer Liste mit Vorschlägen, zusammengestellt von Mitgliedern des Kulturausschusses in Altona. Doch ein möglicher Zeitplan für die Ehrung fehlt. Es gibt noch nicht einmal eine Straße, die dafür infrage käme. Dabei bemühen sich Altonas Kulturpolitiker schon seit Lenz’ Tod darum, eine passende Straße oder einen Platz zu finden. Lenz hatte über viele Jahrzehnte an der Preußerstraße in Othmarschen gewohnt und die Gegend auch literarisch verewigt – eine Benennung im Hamburger Westen ist damit für viele nur folgerichtig.

Die Idee, die Preußerstraße umzubenennen, wurde verworfen. Der Grund: Straßennamen nach Personen werden mittlerweile nur noch getilgt, wenn dem Namensgeber etwas Negatives nachzuweisen ist, und das ist bei Theodor Preußer – einem jungen Soldaten und Lebensretter­ – nicht der Fall. Davon abgesehen favorisieren Hamburgs Kulturpolitiker eine Neu- gegenüber einer Umbenennung, weil damit weniger organisatorische und finanzielle Umstände für die Anwohner verbunden sind. Doch auch der Vorschlag, den noch namenlosen Platz in der Mitte der Waitzstraße nach Lenz zu benennen, wurde nicht weiter verfolgt. Zu piefig für einen wie Lenz, so die einhellige Meinung.

Die Altonaer Kulturpolitiker haben in einem Arbeitskreis eine Liste mit 16 neuen Namensvorschlägen erarbeitet. Sie stammen vor allem von den Politikern selbst, aber auch aus der Bevölkerung. Neben Siegfried Lenz stehen unter anderen die Fotografin Leonore Mau, die Politikerin Frida Reimann, der frühere HSV-Trainer Ernst Happel und die Opernsängerin Sabine Kalter darauf. Der Fokus richtet sich jetzt auf Altona und Bahrenfeld. Für Straßenbenennungen eignen sich die Neue Mitte Altona und das Neubauprojekt Bahrenfelder Trabrennbahn. Allerdings sollen in Bahrenfeld vor allem Sportler geehrt werden.

Die Politiker sind sich weitgehend einig, dass nur eine Straße nach Lenz benannt werden sollte, die seinem Wirken halbwegs gerecht wird – also keine „mickrige Gasse“, wie die CDU-Kulturpolitikerin Kaja Steffens es ausdrückt. Im Fall des Ehrenbürgers Lenz könnte auch die Kulturbehörde tätig werden. Sie will laut Sprecher Enno Isermann erst mal abwarten, was die Diskussion in Altona ergibt. In der Neuen Mitte, findet Steffens, könnte auch eine Schule nach Lenz benannt werden.