Schulschließungen

Hamburger Katholiken bitten Papst um Hilfe

Hamburger Katholiken bitten den Papst um Hilfe

Hamburger Katholiken bitten den Papst um Hilfe

Foto: picture alliance

Der Pontifex soll im Streit um Schließungen von acht Schulen vermitteln. Prominente Unterstützer für Genossenschaftsmodell.

Barmbek.  Wenn man so will, geht der Streit um die acht von der Schließung bedrohten katholischen Schulen jetzt in die höchste Instanz. „Sehr geehrter Heiliger Vater“ – so beginnt das Schreiben, in dem Mitglieder der Gemeinde St. Sophien in Barmbek sich hilfesuchend an Papst wenden – und unverblümt ihren Unmut über das Erzbistum Hamburg kundtun.

Vorwurf der „Intranzparenz“ und „Visionslosigkeit“

Von „Kurzschlussreaktionen“ und „Intransparenz“ ist die Rede, von „Visionslosigkeit“, „Kooperationsverweigerung“ und „maßloser Enttäuschung und Verärgerung“ über die „Bevormundung engagierter Gläubiger und Menschen, vor allem zu Lasten der Kinder“. Als Folge zu befürchten sei eine „neuerliche Austrittswelle“.

Seit Kurzem steht der offene Brief an den Oberhirten der katholischen Kirche im Internet, nachzulesen auf der Plattform www.change.org, wo Nutzer aus aller Welt Petitionen starten können. Das Bittgesuch aus Barmbek unterschrieben bis zum frühen Montagabend mehr als 700 Menschen.

Initiatoren wünschen „Unterstützung und Vermittlung“

Die Initiatoren schreiben, es gehe nicht darum, dass der Papst, die ebenfalls adressierte Bildungskongregation des Vatikans und die Deutsche Bischofskonferenz dem Erzbistum Hamburg finanziell helfen sollen. „Wir wollen unseren Bischof und Generalvikar auch nicht beim Papst und anderen Bischöfen denunzieren oder bloßstellen“, heißt es weiter. Vielmehr solle der Papst „informiert werden über die prekäre Lage und um Hilfe, Unterstützung und Vermittlung in dieser Krisensituation gebeten werden“.

Verfasst hatten die Petition der Theologiestudent Pascal Landahl, der Anwalt Markus Kehrbaum und eine Pädagogin. Sie sorgen sich insbesondere um die Sophienschule in Barmbek, für die neben zwei weiteren katholischen Schulen eine Art Gnadenfrist gilt, weil das Erzbistum prüft, ob sich diese Standorte etwa mit Unterstützung von Sponsoren doch weiterführen lassen.

Kritik an Erzbischof Stefan Heße

Unterstützung für den Bittbrief kommt von betroffenen Eltern. „Das Erzbistum rüttelt mit seiner Ankündigung an den Grundfesten unseres Gemeindelebens“, sagt Felix Vogelpohl, Sprecher des Elternrats der Sophienschule. Die Pfarrgemeinde habe nicht nur die eigene Grundschule im Blick. „Es geht es uns um den Erhalt aller acht bedrohten katholischen Schulen.“

Die Initiatoren der Petition um Landahl schreiben in ihrem Brief, sie fühlten sich von Erzbischof Stefan Heße „weder ernstgenommen noch gehört“. Die Bistumsleitung habe zwar einen Dialog zugesichert“, sagt Landahl. „Doch fast einen Monat nach der Verkündung der Entscheidung zu den Schulen ist leider nicht viel geschehen. Das Erzbistum hat vor allem abgewiegelt – ein Dialog findet nicht statt.“

Der Student und seine Mitstreiter zitieren in ihrem Brief eine These der deutschen Bischofskonferenz. Demnach stehen katholische Schulen für „eine Erziehung und Bildung um des Menschen willen und grenzen sich gegen ein funktionalistisches Bildungsverständnis ab“. Diese These werde im Erzbistum Hamburg „aus Sicht der Gemeindemitglieder, Kinder, Eltern und Menschen derzeit ad absurdum geführt“, heißt es in der Petition.

Kirche solle Vermögen „solidarisch einsetzen“

Der Papst spreche immer wieder von einer „armen Kirche“ und fordere zugleich eine „Kultur des Dialogs“, schreiben Landahl und seine Mitstreiter. Es sei aber „nicht mit der Lehre von Papst Franziskus vereinbar, dass für wichtige pastorale Entscheidungen ausschließlich ökonomische Argumente herangezogen werden“.

Auch wenn das Erzbistum Hamburg finanzielle Probleme habe, sei doch die „deutsche Kirche insgesamt nicht arm, sondern vielmehr die wohl reichste Kirche der Welt.“ Umso größer sei „die Verantwortung der Kirche, ihr Vermögen solidarisch und gerecht einzusetzen“.

Prominente Unterstützer für Genossenschaft

Derweil teilte die zur Rettung der bedrohten Schulen gegründete Genossenschaft am Montag mit, sie habe schon mehr als 1000 Unterstützer gewinnen können. „Der Zuspruch ist enorm und ermutigt uns“, sagte Ex-Staatsrat und CDU-Mitglied Nikolas Hill, einer der Initiatoren.

Mit dabei seien nun etwa Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der Aufsichtsratsvorsitzende der Hapag-Lloyd AG Michael Behrendt, der Geschäftsführer des ZEIT-Verlags Rainer Esser und die PR-Beraterin Alexandra von Rehlingen. Ziel ist es, möglichst schnell 10.000 Unterstützer zu gewinnen, die Genossenschaftsanteile in Höhe von je 1000 Euro zu zeichnen. Die zehn Millionen Euro sollen eine Art Betriebskapital für die Genossenschaft sein.

SPD und Grüne schlagen Moratorium vor

Am Donnerstag will die Schulgenossenschaft dem Schulausschusses ihr Konzept erläutern. Dort sollen auch Vertreter des Erzbistums erklären, welche Maßnahmen sie seit 2008 eingeleitet haben, als die Stadt ihnen drei Grundstücke gratis überließ, dafür aber davon ausging, dass Erzbistum werde sich um die Sanierung der Schulen auf diesen Grundstücken kümmern.

Die rot-grünen Regierungsfraktionen forderten die katholische Kirche am Montag auf, „in ernsthafte, ergebnisoffene Gespräche“ mit der Genossenschaft zum Erhalt der Schulen zu treten. Zudem schlugen die Fraktionen ein Moratorium vor, „damit bis zur Prüfung aller Alternativen mit der Genossenschaft keine irreversiblen Fakten geschaffen werden“.