Hamburg

Kampf gegen eklige Klumpen am Elbstrand

| Lesedauer: 5 Minuten
Katy Krause
Polizei und Feuerwehr warnen immer wieder davor, den Elbstrand bei Övelgönne zu betreten

Polizei und Feuerwehr warnen immer wieder davor, den Elbstrand bei Övelgönne zu betreten

Foto: © Michael Arning

Die weißen Brocken aus Fett und Fäkalien stammen aus der Kanalisation. Die Stadt sucht Lösungen, damit der Strand sauber bleibt.

Hamburg.  Es ist einer dieser kalten, aber schönen Winterabende. Auch die knackigen Temperaturen halten zahlreiche Besucher nicht vom Strandspaziergang an der Elbe ab. Eine Familie spielt mit ihrem Kind unterhalb der Querung zum Fähranleger Teufelsbrück. Nur wenige Meter davon entfernt liegen, fast unscheinbar zwischen angespültem Schilf, beige-weiße Brocken. Wer nicht genauer hinsieht, hält sie für Styropor oder einen Stein. Doch Achtung: Bloß nicht anfassen! Bei den Brocken handelt es sich um mit Fett verklumpte Fäkalien. Im vergangenen Sommer wurden davon so viele an den beliebten Elbstrand bei Övelgönne gespült, dass der Strandabschnitt zeitweise gesperrt werden musste. Ein einmaliges Phänomen? Von wegen.

Gerade Hundehalter, die regelmäßig am Elbstrand unterwegs sind, berichten dem Abendblatt von diesen Brocken am Strand, vor allem nach starken Regengüssen. Die Tiere entdecken die Brocken und fressen sie gern. Auch Anwohner in Övelgönne bestätigten dem Abendblatt erneut Funde am Strand. Zuletzt wieder im Januar.

Die Spur in die Tiefe

Doch woher stammen die Ekelbrocken? Die Spur führt in die Tiefe – und zwar in die Kanalisation. Denn nach der Strandsperrung im Sommer 2017 hatte eine Untersuchung des Instituts für Hygiene und Umwelt im Auftrag der Umweltbehörde ergeben, dass es sich bei den damaligen Brocken um Fettablagerungen handelt. Diese hatten sich durch starke Regenfälle gelöst und wurden über einen Notüberlauf aus der Kanalisation in die Elbe gespült.

Das Problem: Bei einem großen Teil des mehr als 100 Jahre alten Sielnetzes im städtischen Kerngebiet handelt es sich um ein Mischwassersystem. Sowohl das Abwasser aus den Haushalten als auch das Regenwasser werden durch ein Siel gen Klärwerk geleitet.

Klärwerk an seinen Grenzen

„Das Klärwerk kann aber nur in gewissen Maßen Wasser abnehmen“, erklärt Klaus Krieger, Bauingenieur bei Hamburg Wasser. „Bei Dauerregen oder starken Unwettern stoßen wir schon einmal an die Belastungsgrenzen des Abwassersystems.“ Damit das Wasser nicht aus den Kanälen wieder hochkommt, setzt in solchen Extremfällen ein Notüberlauf ein. Das oben schwimmende Fett gelangt so zusammen mit Fäkalien ins Elbwasser und wird später mit der Strömung als Brocken wieder angespült.

Doch nicht für alle Brocken am Elbstrand will das städtische Unternehmen Hamburg Wasser die Verantwortung übernehmen. Bei manchen Fäkalien könnte es sich auch um Schiffsabfälle oder um illegal entsorgte Gastronomiereste handeln, betont Krieger. Wie es im Sommer zu dem Problem kommen konnte, wird noch geprüft, genauso wie die Frage, inwieweit weitere Funde aus der Hamburger Kanalisation stammen könnten. Auch die genaue Ursachenforschung ist in vollem Gange. „Das Phänomen ist für uns in dieser Form neu“, erklärt Krieger.

Mehr Regenwasser in Sielen

Klar ist, dass der Druck auf das Hamburger Abwassersystem steigt. Die zunehmende Verdichtung und damit einhergehende Versiegelung des Bodens sorgt unter anderem dafür, dass deutlich mehr Regenwasser in den Sielen landet statt vor Ort zu versickern. Laut Hamburg Wasser steigt die versiegelte Fläche im Stadtgebiet pro Jahr um 300 Hektar. Gleichzeitig spült der Klimawandel durch die damit einhergehenden Unwetter mehr Wasser in den Untergrund – und sorgt vor allem für Spitzenbelastungen.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr belief sich allein die behandelte Abwassermenge auf rund 170 Millionen Kubikmeter. Fünf Jahre zuvor waren es noch knapp 140 Millionen Kubikmeter. Wobei besonders 2017 durch außergewöhnlich viel Regen auffiel. 12 Prozent mehr Wasser als in den Vorjahren verzeichnet das städtische Unternehmen.

Riesiges Speichersiel

„Wir machen ganz viel, um das Mischabwasser in den Sielen zu halten“, betont Krieger. Die Menge, die im Notfall ins Gewässer abgeleitet wird, sei in den vergangenen 24 Jahren um 80 Prozent auf 500.000 Kubikmeter pro Jahr gesenkt worden. Dafür hat das städtische Unternehmen kräftig investiert – unter anderem in ein riesiges Speichersiel Holztwiete, das sich unter dem Jenischpark verbirgt.

Es fasst 7200 Kubikmeter. Erst wenn das voll ist, setzt der Notablauf in die Elbe ein. 115 Millionen Euro flossen allein ins Elbe-Entlastungsprogramm. Seit den 90er-Jahren wurden insgesamt 670 Millionen Euro in verschiedene Programme zur Abwasserentlastung der Hamburger Gewässer investiert.

Allerdings landen laut Hamburg Wasser pro Jahr noch 500.000 Kubikmeter Abwasser in den Gewässern, und darauf kann eben auch Fett schwimmen, das dann als Fäkal-Brocken wieder am beliebten Elbstrand landet. Wobei jeder dazu beitragen könnte, dass es gar nicht so weit kommt. Denn Fett gehört nicht in den Abfluss. „Wer Essensreste so entsorgt, lockt Ratten an und schädigt die Leitungen durch Fettablagerungen auch auf dem eigenen Grundstück“, warnt Krieger.

Nichts anfassen

Wer die Brocken am Elbstrand entdeckt, wird eindringlich gebeten, sie nicht anzufassen und die Behörde zu informieren. Zuständig für die Reinigung des Elbstrandes ist das städtische Unternehmen HPA (Hamburg Port Authority), erreichbar unter der Telefonnummer 040/ 42 84 70.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg