Hamburg

Rolf Zacher in Hamburg gestorben

Der Schauspieler (76), der auch Robert De Niro seine Stimme lieh, war das Ganovengesicht des deutschen Films

Hamburg.  Sein letzter großer Auftritt ist fast auf den Tag genau zwei Jahre her. RTL hatte ihn für die Trash-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ engagiert. Millionen Zuschauer beobachteten eine Woche lang einen skurrilen älteren Herren mit orangefarbener, getönter Brille, dem die Grillen im australischen Wald zu laut waren und der sich rührend um einen schüchternen jungen Sänger namens Menderes kümmerte, der die Show später gewann. Acht Tage lang gab Rolf Zacher den schrulligen Alten, dann stieg er aus. Der Schauspieler war damals 74, die Hitze und das wenige Essen setzten ihm zu.

Dass dieser Rolf Zacher viel mehr war als eine tattrige Marionette aus dem Privatfernsehen, geriet während des Dschungelcamps fast in Vergessenheit. Am Sonnabend ist er gestorben. Seine Lebensgefährtin Carola Blendermann sagt, Zacher sei friedlich eingeschlafen. Seit einem Jahr lebte der gebürtige Berliner in einem Hamburger Pflegeheim.

Er wird als Mann mit vielen Facetten in Erinnerung bleiben. Zacher war ein Star des Neuen Deutschen Films, er arbeitete mit den Regisseuren Rainer Werner Fassbinder und Michael Verhoeven. Zacher, der ewige Ganove mit dem zerknautschten Gesicht, spielte in Fernsehjuwelen wie „Berlin Alexanderplatz“, seine rauchige Stimme lieh er den US-Stars Nicolas Cage und Robert De Niro. Im Alter, als die guten Rollen rar wurden, war er sich auch für Formate wie das „Perfekte Promi-Dinner“ oder die ARD-Telenovela „Rote Rosen“ nicht zu fein. Vorausgesetzt, die Gage stimmte.

Geld konnte Zacher immer gebrauchen. Bevor er in den RTL-Dschungel zog, lebte er von 509 Euro Rente und wohnte in einem Opel Astra Kombi. „Ich habe wahnsinnig viel verdient in meinem Leben – alles weg“, sagte Zacher einmal. Er konnte mit Geld nicht umgehen, aber er haderte nicht mit seiner Schwäche. „Das Geld muss raus“, das habe er von seinem Opa gelernt.

Zunächst deutete nichts darauf hin, dass es das Flüchtlingskind eines Tages ins Filmgeschäft ziehen würde. Zacher war gelernter Bäcker und versuchte sich in unzähligen Jobs – als Barkeeper, Musiker, Kellner und Stand-up-Comedian. Das Geld für seine Theaterausbildung verdiente er sich als Rock-’n’-Roll-Tänzer in einem Lokal des Playboys Rolf Eden. Das Publikum liebte Zacher, weil er eine Type war. In Interviews konnte er so charmant wie unausstehlich sein.

Mitte der 60er-Jahre kaufte sich Zacher von einer seiner ersten Filmgagen einen roten Porsche, den er zu Schrott fuhr. Bei dem Unfall zog er sich eine Rückenverletzung zu. Um die Schmerzen zu betäuben, nahm er Heroin. Die Sucht hatte ihn jahrelang im Griff. In Hamburg geriet Zacher an einen Polizeispitzel und musste das erste Mal wegen Drogenbesitzes ins Gefängnis. Insgesamt zehnmal soll er verhaftet worden sein, zusammengenommen verbrachte er zwei Jahre seines Lebens hinter Gittern.

Seine letzten Jahre verbrachte er, genervt von Berlin, in Lübeck. Er bereue nichts, bekannte Zacher – nur, dass er seine 1972 geborene Tochter aus einer Ehe mit Gisela Getty nicht aufwachsen sah. Kurz vor seinem 75. Geburtstag sagte er: „Ich habe wunderbar gelebt.“