CCH

Asbest-Alarm verzögert den Neubau des Kongresszentrums

Projektleiter Hellmut Körner beim Besuch der CCH-Baustelle. Der Abriss des Bauteils Ost ist bis auf Restarbeiten abgeschlossen

Projektleiter Hellmut Körner beim Besuch der CCH-Baustelle. Der Abriss des Bauteils Ost ist bis auf Restarbeiten abgeschlossen

Foto: Roland Magunia / HA

Arbeiter entdecken bei Abriss weiteres Asbest. Vor 2020 wird Kongresszentrum nicht fertig, einen konkreten Termin gibt es nicht.

Hamburg.  Die Neueröffnung des CCH (Congress Center Hamburg) muss nach Abendblatt-Informationen auf das Jahr 2020 verschoben werden. Eigentlich sollte der revitalisierte Gebäudekomplex, der teilweise neu erbaut wird, im September 2019 wieder in Betrieb gehen. „Wir haben aktuell eine Bauverzögerung von drei Monaten.

Wir können zu diesem Zeitpunkt noch keinen neuen Eröffnungstermin nennen, erst muss mit den beauftragten Unternehmen ein neuer Zeitplan vereinbart und mit der HMC abgestimmt werden“, sagte Projektleiter Hellmut Körner dem Abendblatt. Im Zuge des Abbruchs des Vorfahrtbauwerks und des Bauteils Ost sei es ab Anfang August zu mehreren Unterbrechungen der Arbeit gekommen. Das 1973 eröffnete CCH wurde wegen der Bauarbeiten am 31. Dezember 2016 geschlossen.

Intensive Untersuchungen

Schuld an den Verzögerungen ist das gesundheitsgefährdende Material Asbest, das in den im Beton eingegossenen Distanzhülsen erst während der Bauarbeiten entdeckt wurde. „Es gab im Vorfeld der Revitalisierung des CCH mehrere Gutachten zum Thema Asbest, das im Gebäude verbaut war. Doch von diesen asbesthaltigen Teilchen war nichts bekannt“, sagte Körner.

Die für den Bau verantwortliche CCH Immobilien GmbH und die Behörde für Wirtschaft, Innovation und Verkehr (BWVI) reagierten sofort: „Es wurden in enger Abstimmung mit dem Amt für Arbeitsschutz und der Umweltbehörde intensive Untersuchungen zum Gefährdungspotenzial durch verschiedene Gutachter und Labore vorgenommen.

15 Veranstaltungen verlegt

Dabei wurde bestätigt, dass weder beim Abbruch noch beim Zerkleinern des Materials eine Gefährdung der Gesundheit durch freigesetzte Asbestfasern gibt, da es sich um fest gebundenes Material handelt“, sagte Körner. Natürlich sei das verbaute Asbest unter höchsten Arbeitsschutzmaßnahmen ausgebaut worden, damit die Arbeiter keinen gesundheitlichen Schaden nehmen.

Die Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC) als Betreiber des CCH musste nach Abendblatt-Informationen 15 Veranstaltungen verlegen, die bereits gebucht waren für den Zeitraum September bis Dezember 2019 und im ersten Quartal 2020. Davon betroffen sind mehrere große Medizinkongresse mit bis zu 7000 Teilnehmern. „Wir haben mit allen betroffenen Veranstaltern gesprochen und ihnen Alternativlösungen in den Messehallen angeboten. Diese werden nun geprüft“, sagte HMC-Sprecher Karsten Broockmann.

Mehrkosten durch die Bauverzögerung

Sollten der HMC durch den verschobenen Eröffnungstermin Einnahmeeinbußen entstehen, weil die Veranstalter nicht auf die Messehallen ausweichen, müssten diese dem Vernehmen nach von der CCH Immobilien übernommen werden. Durch die Bauverzögerung werde es auch Mehrkosten geben, räumte Projektleiter Körner ein. Dabei dürfte es sich nach Abendblatt-Informationen um einen Millionenbetrag handeln.Allerdings soll die festgelegte Gesamtsumme von 194 Millionen Euro für die Revitalisierung des CCH nicht überschritten werden.

Wegen der Schwierigkeiten beim CCH-Abriss dürfte sich auch der Umbau des Dag-Hammarskjöld-Platz und der Marseiller Straße, die verfüllt und zu einer rund einem Hektar großen Grünfläche umgestaltet wird, verzögern. Eine Fertigstellung ist nicht vor 2020 möglich.

Eine weitere Herausforderung für Projektleiter Körner war die Entsorgung des mit Asbest belasteten Bauschutts. Insgesamt sind es rund 50.000 Kubikmeter. „Die Umweltbehörde hat uns mitgeteilt, dass das Material nicht wie sonst üblich verwendet werden darf.“ Bei der Menge ist jedoch auch keine Entsorgung auf einer Sondermülldeponie möglich. Deshalb wird der Bauschutt nun im Bereich des neuen Vorplatzes des CCH als Füllmaterial verwertet. Es soll mit einer Betonitdecke überzogen werden. „Damit wird eine Gefährdung der Umwelt dauerhaft ausgeschlossen“, sagte Körner.

Stadt hat große Erwartungen

Er schaut nun nach vorn: „Die Bauarbeiten laufen, es sind etwa 100 Arbeiter im Einsatz. Der Bauteil Ost ist bis auf Restarbeiten bereits abgerissen“, sagte Körner. Parallel sei bereits mit vorbereitenden Arbeiten für den Neubau begonnen worden. Nach der Revitalisierung sollen Kapazitäten für bis zu 12.000 Personen in 50 Sälen zur Verfügung stehen. Die drei Gebäudeteile werden durch einen Glasgang – der den Namen Belvedere tragen wird – miteinander verbunden.

Die Stadt hat große Erwartungen an das neue CCH. Die Zahl der Kongressteilnehmer soll kontinuierlich von zuletzt 200.000 auf 300.000 pro Jahr gesteigert werden. Inhaltlich heißt es: Es soll eine klare Ausrichtung auf große Kongresse mit internationalen Teilnehmern geben.