Hamburg

Fünf katholische Schulen gelten als nicht wirtschaftlich

Ernst & Young untersuchte die 21 Standorte im Auftrag des Erzbistums Hamburg

Hamburg. Das Erzbistum Hamburg macht die dramatische Finanzlage für die Schließung von bis zu acht der 21 katholischen Schulen verantwortlich. Grundlage für die Entscheidung, die bei vielen Eltern, Schülern und Lehrern auf Unverständnis und Empörung stößt und zu Protesten führt, ist eine detaillierte, von der Unternehmensberatung Ernst & Young erstellte Untersuchung der Wirtschaftlichkeit der Institutionen des Erzbistums. Aktuell beläuft sich die Überschuldung insgesamt auf 79 Millionen Euro, die bis 2021 auf 353 Millionen Euro emporschnellen könnte.

Die katholischen Schulen sind in den Augen der Unternehmensberater ein besonders großer Kostenfaktor. Ernst & Young haben für die 21 Stand­orte einen Investitionsbedarf in Höhe von 165 Millionen Euro ermittelt. Für die Instandsetzungen vorhandener Schulgebäude wurde ein Bedarf von 79 Millionen Euro errechnet, für notwendige Erweiterungen werden 86 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen erhebliche Rückstellungen für Pensionen.

Aus Sicht der Unternehmensberater arbeiten die 21 katholischen Schulen insgesamt nicht wirtschaftlich. Aus dem laufenden Betrieb erwirtschafteten die Schulen im vergangenen Jahr ein Minus von acht Millionen Euro, für das eine Steigerung auf 13 Millionen Euro bis 2012 prognostiziert wird.

Fünf Schulen sind laut Ernst & Young „wirtschaftlich nicht tragfähig“. Doch dieses Etikett tragen nur drei der Schulen, die schon zum Schuljahr 2018/ 19 keine neuen Schüler mehr aufnehmen dürfen: die Domschule (St. Georg), die katholische Schule Altona und das Niels-Stensen-Gymnasium (Harburg). Die Wirtschaftlichkeit der Grundschule St. Marien (Ottensen) und der Franz-von-Assisi-Schule (Barmbek), die auch von sofort an keine Schüler mehr aufnehmen dürfen, gilt dagegen als „ausgeglichen“. Bei St. Marien ist auch der Investitionsbedarf mit 1,2 Millionen Euro (10.000 Euro pro Schüler) eher niedrig.

Die Wirtschaftlichkeit der Stadtteilschulen Harburg und Neugraben gilt sogar als „stark negativ“, und deren Investitionsbedarfe sind mit 24,8 bzw. 26,4 Millionen Euro (38.000 bzw. 48.000 Euro pro Schüler) am höchsten. Trotzdem gewährt das Erzbistum beiden Schulen eine Schonfrist bis zum Schuljahr 2019/20, um nach Lösungen für eine Rettung zu suchen. Das Gleiche gilt für die Sophienschule in Barmbek, der wiederum eine ausgeglichene Wirtschaftlichkeit bescheinigt wird, allerdings liegt der Investitionsbedarf bei 9,1 Millionen Euro (36.000 Euro pro Schüler).

Das Schulgeld ist laut Ernst & Young zu niedrig, um die Finanzierungslücke zu schließen. In erster Linie sei die unzureichende staatliche Refinanzierung für die Misere verantwortlich. Hamburg erstattet seit 2011 den Privatschulen 85 Prozent der Schülerjahreskosten staat­licher Schulen. Der Anteil ist seit 2004 schrittweise von 65 Prozent angehoben worden. Nach Behördenangaben bedeutet das für einen Grundschüler aktuell 5510 Euro pro Jahr – rund 30 Prozent mehr als in Schleswig-Holstein. Aber: Basis der Berechnungen ist der kalkulatorische Schülerjahreskostensatz, der deutlich unter den tatsächlichen Kosten liegt, sodass nach Angaben freier Schulträger nur 70 bis 75 Prozent der realen Kosten erstattet werden.