Handelskammer

Altpräsides sagen Treffen mit neuer Kammerführung ab

Ex-Kammerchef Fritz Horst Melsheimer

Ex-Kammerchef Fritz Horst Melsheimer

Foto: Roland Magunia / HA

Offizieller Grund ist Bergmanns Wunsch auch eine öffentliche Diskussion der Altpräsides mit den neuen Kammerchefs zu führen.

Hamburg. Eigentlich wollte sich die neue Handelskammerführung unter Präses Tobias Bergmann heute mit den Altpräsides Peter Möhrle, Nikolaus W. Schües, Karl-Joachim Dreyer und Fritz Horst Melsheimer treffen, um über Differenzen zu sprechen und womöglich ihre Streitigkeiten beizulegen. Nun haben die Altpräsides das Treffen kurzfristig abgesagt. Offizieller Grund ist Bergmanns klar formulierter Wunsch – neben dem internen Treffen – auch eine öffentliche Diskussion der Altpräsides mit den neuen Kammerchefs zu führen.

„Ihr zwar höflich aber dennoch unmissverständlich aufgestelltes Junktim, unsere Position in einer öffentlichen Diskussion zu erläutern, widerspricht unserer klar formulierten Absicht, das Treffen vertraulich, sachorientiert und ohne Öffentlichkeit durchzuführen“, heißt es in dem Schreiben von Altpräses Karl-Joachim Dreyer an Tobias Bergmann und seinen Vize Torsten Teichert, das dem Abendblatt vorliegt. Deshalb stehe man für ein Treffen nicht mehr zur Verfügung – auch nicht in Zukunft. „Wir bedauern sehr, dass die Altpräsides zu einem direkten Dialog mit uns nun doch nicht bereit sind“, sagte Bergmann in einer ersten Reaktion. „Das ist kein gutes Signal für die Einigkeit der Kaufmannschaft. Wir halten unser Gesprächsangebot aber aufrecht“, so der amtierende Präses weiter.

In Spendierhosen durch die Stadt gelaufen

Nach Abendblatt-Informationen sollen die Altpräsides auch fassungslos darüber gewesen sein, dass der Bundesverband für freie Kammern (BffK) gemeinsam mit den aktuellen Plenarmitgliedern der Hamburger Handelskammer, Stefan A. Duphorn und Bernd Jakovlev, Strafanzeige gegen den früheren Präses Melsheimer und Ex-Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz wegen Untreue erstattet haben. Unter der Verantwortung der beiden habe die Kammer kulturelle, sportliche, karitative und parteipolitische Zwecke aus Mitgliederbeiträgen gefördert, was durch die Rechtslage nicht gedeckt sei, heißt es zur Begründung. „Der ehemalige Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz ist mit Spendierhosen durch die Stadt gelaufen“, behauptet BffK-Geschäftsführer Kai Boeddinghaus.

In der Anzeige, die dem Abendblatt vorliegt, werden Zuwendungen über rund 28.200 Euro aus dem Jahr 2016 aufgelistet, die nach Ansicht des BffK den Tatbestand der Untreue erfüllen sollen. Die größten Zuwendungen sollen an den Hamburger Kammerkunstverein (8400 Euro), die Stiftung für die Förderung der Hamburger Kunstsammlungen (4000 Euro) und den Wirtschaftsrat der CDU (1390 Euro) gegangen sein.