Hamburg

Schwager mit 40 Messerstichen getötet – Prozessbeginn

Ein Mann soll den Lebensgefährten seiner Schwester getötet haben und ist wegen Mordes angeklagt. Er soll aus Neid gehandelt haben.

Hamburg. Ein Mann gerät mit dem Lebensgefährten seiner Schwester in Streit. Er verschafft sich gewaltsam Zutritt zu dessen Wohnung und bewaffnet sich mit zwei langen Brotmessern aus der Küche. Immer wieder sticht er damit auf seinen Schwager ein.

Als eine Klinge abbricht, holt der Angreifer zwei Keramikmesser und geht damit erneut auf seinen Kontrahenten los, obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt längst am Boden liegt. Das Opfer erleidet mehr als 40 Stichverletzungen an Oberkörper und Kopf sowie diverse Abwehrverletzungen an den Händen und stirbt trotz einer Notoperation an einer Luftembolie als Folge des Angriffs.

Angeklagter soll Freundin misshandelt haben

Beim Prozessauftakt vor dem Hamburger Landgericht am Donnerstag wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, „aus niedrigen Beweggründen einen Menschen getötet zu haben“. Er muss sich daher nun wegen Mordes verantworten. Darüber hinaus ist der 32-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, da er seine damalige Freundin mehrfach schwer misshandelt haben soll.

Laut Anklageschrift hat der Mann der Frau unter anderem auf einem Campingplatz in Grömitz „so stark gegen ihren Kehlkopf gedrückt“, bis sie das Bewusstsein verlor. An einem anderen Tag soll er ihr „ein Brotmesser in den Bereich der Leiste gestoßen“ haben.

Schwester flüchtet mit Säugling und Kleinkind

Am 27. Juni dieses Jahres kommt es schließlich zu dem Angriff auf den 41 Jahre alten Mann – „aus Neid und Wut, weil dieser eine glückliche Beziehung führte“, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Drei Monate vor der Tat ist ein gemeinsames Kind des Paares zur Welt gekommen. Die Schwester des Beschuldigten schafft es, am Tattag mit dem Säugling sowie ihrer fünf Jahre alten Tochter in die Wohnung einer Nachbarin zu flüchten.

Bereits vor Prozessbeginn ist die Stimmung unter den Anwesenden angespannt. Als die Besucher und die Pressefotografen in den Gerichtssaal gelassen werden, versteckt sich der 32-jährige Angeklagte hinter einem Aktenordner. „Zeig dein Gesicht“, brüllt ein Mann aus dem Publikum. Während der Verlesung der Anklageschrift zeigt der muskulöse Beschuldigte keine Regung. Er trägt ein weißes Hemd mit Krawatte unter einer dunklen Anzugweste. Seine Hände sind tätowiert, die Haare hat er zu einem Zopf gebunden.

Zunächst möchte er sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Sein Verteidiger gibt jedoch an, sein Mandant wolle sich im Laufe des Verfahrens schriftlich einlassen und sei danach auch bereit, Fragen zu beantworten.

Der Bruder des Opfers tritt als Nebenkläger im Prozess auf. Während der Verlesung der Anklageschrift starrt er den Angeklagten wütend an, seine Anwältin versucht ihn zu beruhigen. Am Ende des Prozesstages ermahnt die Richterin ihn sowie die weiteren Anwesenden, dass ein faires Verfahren gewährleistet werden müsse. „Aber er hat meinen Bruder getötet“, sagt der junge Mann leise.