Hamburg

Safer Sex mit Formblatt

Alexander Schuller

Sie wissen wahrscheinlich, dass wegen einiger wirklich übler Vorkommnisse seit ein paar Monaten auf der ganzen Welt leidenschaftlich darüber diskutiert wird, wie Menschen auch wirklich sichergehen können, ob der Wunsch nach körperlichen Zärtlichkeiten bei beiden nicht nur vorhanden ist, sondern überdies aus freien Stücken vollzogen werden könnte.

Die Schweden haben für diese komplizierte Problemstellung gerade eine verblüffend einfache Lösung gefunden, indem sie dieses Thema ins Strafgesetzbuch aufgenommen haben, Tenor: „Sex muss freiwillig sein. Wenn du unsicher bist, lässt du es. Ansonsten droht dir eine Anklage.“ Nach Ikea, Volvo und Kommissar Wallander könnte dieser juristische Eingriff in die Unterwäsche zum vierten Exportschlager aus dem Land der Elche werden – und selbstverständlich begrüßen wir diesen skandinavischen Vorstoß.

Aber wir würden die Rechtssicherheit gerne optimieren. Denn es dürfte schließlich ebenfalls bekannt sein, dass man sich manchmal, je nach Zustand, an Worte nicht mehr erinnern kann. Oder möchte. Deshalb arbeitet nach Informationen des Hamburger Abendblatts eine Kommission des Bundes­familienminsteriums bereits mit Hochdruck an einem Liebes-Formblatt, auf dem Menschen sich noch vor den eigentlichen Balzritualen per rechtsgültiger Unterschrift ihrer gegenseitigen Paarungswilligkeit an Eides statt versichern können.

Dieser Vordruck soll voraussichtlich ab Mai 2018 in einer Testphase zunächst in allen gastronomischen Betrieben sowie in Party-Locations ausliegen. Um Ausgrenzungen zu vermeiden, gibt es das Formblatt in den Ausführungen „Rosa“ und „Hellblau“ (für heterosexuelle Frauen und Männer), als „Weiß“ für intersexuelle Menschen und als „Regenbogen“ für Schwule und Lesben. Neben der „Einverständniserklärung fürs Liebesspiel“ (sie gilt jeweils für zwölf Stunden; Kontaktdaten und Nummer des Personalausweises bitte in Blockschrift!) können auf dem Formblatt weitere nützliche Persönlichkeitsmerkmale angekreuzt werden: Ob der Kaffee am Morgen danach nur mit Milch oder nur mit Zucker oder mit Zucker und Milch oder schwarz serviert werden soll, ob ein Frühstücksei als weiche, kernweiche oder hart gekochte Variante präferiert wird oder auch, ob eine Gluten-Unverträglichkeit besteht. Diese Angaben, heißt es aus dem Ministerium, seien jedoch freiwillig.