Hamburg

Verkehr – schlechte Noten für Hamburg

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Jens Meyer-Wellmann

ADAC-Städtevergleich: Autofahrer unzufrieden, Klagen über Radler. Nur Busse und Bahnen schneiden gut ab

Hamburg. Die Hamburger sind deutlich unzufriedener mit der Verkehrssituation in ihrer Stadt als Bewohner anderer deutscher Großstädte. Das geht aus einer repräsentativen Onlinebefragung des ADAC in den 15 größten deutschen Städten hervor. Bei der Studie, für die Auto- und Fahrradfahrer, Fußgänger und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel befragt wurden, belegt Hamburg in der Gesamtwertung lediglich den elften von 15 Plätzen und schneidet damit weit unterdurchschnittlich ab. Am zufriedensten sind die Verkehrsteilnehmer in Dresden, Leipzig und Hannover.

Besonders Hamburgs Auto- und Radfahrer sind im Bundesvergleich sehr unzufrieden. Bei der Zufriedenheit der Autofahrer landet Hamburg lediglich auf Platz zwölf ebenso bei den Radfahrern. Die von den Autofahrern als besonders wichtig eingeschätzte „Zuverlässigkeit der geplanten Zielerreichung“ (beispielsweise Staufreiheit) wird in Hamburg negativ bewertet. Beim zweitwichtigsten Prüfpunkt, der Straßeninfrastruktur, liegt Hamburg nur knapp vor dem letzten. Am schlechtesten von allen 15 Städten schneidet Hamburg beim Thema Parken ab. Es gebe zu wenig Parkplätze in Hamburg, und diese seien zu teuer, so die Meinung der Befragten.

Nicht sonderlich gut steht es um das Klima zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern. So geben 34 Prozent der Radfahrer den Autofahrern für ihr Verhalten die Schulnote „Fünf“ oder „Sechs“. Genauso schlecht bewerten sie allerdings das Verhalten anderer Fahrradfahrer. Die Autofahrer bewerten umgekehrt das Verhalten der Radfahrer in Hamburg noch schlechter. 40 Prozent der Autofahrer gaben den Radlern für ihr Verkehrsverhalten die Note „Fünf“ oder „Sechs“. So auch die Fußgängr in Hamburg, 39 Prozent von ihnen geben den Radfahrern die Note „Fünf“ oder „Sechs“.

Für die Onlinestudie wurden laut ADAC 24.000 Menschen befragt und mehr als 9300 detaillierte Interviews geführt. Die Befragung wurde zwischen 22. Mai und 27. Juni 2017 durchgeführt. Dabei wurde jeweils ein Indexwert gebildet. Der Anteil der negativen Bewertungen (Noten „Fünf“ oder „Sechs“) wurde dafür vom Anteil der positiven (Noten „Eins“ oder „Zwei“) abgezogen. Insgesamt benoteten 31,4 Prozent der befragten Hamburger die Verkehrssituation als „sehr gut“ oder „gut“ – und 16,5 Prozent als „mangelhaft“ oder „ungenügend“, sodass Hamburg auf einen Indexwert von rund 15 kommt. Zum Vergleich: Spitzenreiter Dresden erreichte einen Indexwert von 31.

Bei der Teilbefragung der Autofahrer kommt Hamburg auf einen Wert von minus zwölf und landet bundesweit auf Platz zwölf der 15 größten Städte. Auch bei der Zufriedenheit der Radfahrer liegt Hamburg lediglich auf Platz zwölf – mit einem Indexwert von acht. In den Kategorien „Radwege­zustand“ und „Radwegebreite“ ist die Hansestadt Letzter im Städtevergleich.

Am zufriedensten sind Fußgänger und HVV-Nutzer

Leicht überdurchschnittlich schneidet Hamburg bei der Teilbefragung zum öffentlichen Personennahverkehr ab. Hier belegt die Stadt den sechsten Platz. Am wichtigsten waren den HVV-Nutzern Zuverlässigkeit von Bussen und Bahnen, Taktung und die Direktheit der Verbindungen. Auch wer zu Fuß unterwegs ist, hat wenig Grund zur Klage. Im Gegensatz zu den anderen drei Fortbewegungsarten hat man hier die höchsten Zufriedenheitswerte gemessen. Die Hamburger sind mit der Direktheit der Wege und dem Angebot an Überquerungsmöglichkeiten sehr zufrieden. Allerdings ist man in anderen Städten per pedes noch besser unterwegs. Im bundesweiten Vergleich kommt Hamburg nur auf Rang zehn.

„Gerade was das Verkehrsklima betrifft, sind die Ergebnisse für Hamburg ernüchternd“, sagte Hamburgs ADAC-Chef Ingo Meyer. „Der ADAC Monitor liefert uns ein genaues Bild darüber, was den Menschen wirklich wichtig ist und wo die dringlichsten Baustellen in der Verkehrspolitik noch warten.“ Die Studie könne als Instrument genutzt werden, um die Mobilität in der Hansestadt weiter zu verbessern.

Für CDU-Verkehrspolitiker Dennis Thering zeigt das Ergebnis „die verfehlte rot-grüne Verkehrspolitik schonungslos auf“. Es reiche nicht, „Radstreifen auf Hauptverkehrsstraßen zu pinseln“, sagt Thering. „Wer in Hamburg von A nach B kommen möchte, braucht viel Zeit, Geduld und starke Nerven. Der tagtägliche Stauwahnsinn, unkoordinierte Baustellen, massenhaft wegfallende Parkplätze und das rauer werdende Klima zwischen allen Verkehrsteilnehmern sind eine Belastung für Hamburg.“ Die Verkehrspolitik brauche einen „Neuanfang“.

Der Sprecher der Wirtschafts- und Verkehrsbehörde, Christian Füldner, sagte, die Studie bestätige die Einschätzungen des Senats. Gerade bei Baustellenmanagement, Förderung des Radverkehrs und Ausbau von Bus und Bahnen habe man zuletzt viel getan.

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