Sexueller Missbrauch

Polizei sucht an Hamburger Schulen nach Kinderporno-Opfern

Grundschüler im Unterricht (Symbolbild)

Grundschüler im Unterricht (Symbolbild)

Foto: Peter Steffen / dpa

Lehrer sollen dem Bundeskriminalamt nun bei der Identifizierung möglicher Opfer sexuellen Missbrauchs helfen.

Hamburg. Das Bundeskriminalamt (BKA) sucht derzeit an Hamburger Schulen nach Kindern, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Ausgewählte Lehrer sollen den Ermittlern nun dabei helfen, Opfer aus kinderpornographischen Videos zu identifizieren und sie aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien. Hintergrund sind bundesweite Ermittlungen in der Kinderporno-Szene, bestätigt BKA-Sprecherin Sandra Clemens dem Hamburger Abendblatt auf Anfrage.

Üblicherweise werden in laufenden Verfahren Bilder aus Kinderpornos zur Identifizierung der Opfer zunächst an die jeweiligen Landeskriminalämter und in einem weiteren Schritt an die Polizeidienststellen weitergeleitet. Wenn alle anderen Ermittlungen zu keinem Ergebnis führen, wendet sich die zuständige Abteilung des BKA mit einem Schreiben an die Schulbehörden der Länder.

"Da man davon ausgeht, dass jedes Kind schulpflichtig ist, erhoffen sich die Ermittler, mögliche Opfer über diesen Weg zu finden", sagt Ulf Wundrack, Sprecher der Hamburger Polizei.

Lehrer sollen Missbrauchs-Opfer identifizieren

Ein solches Schreiben sei am vergangenen Freitag auch an alle Hamburger Grund- und weiterführenden Schulen versendet worden. Darin wurden die Schulleiter aufgefordert, das weitere Vorgehen mit den Polizeibeamten zu klären.

"Sie als Schulleitung sollten nur Lehrkräfte zur Identifizierung hinzuziehen, die seit längerer Zeit unterrichten, viele Kinder der Schule kennen und die sich das Betrachten der Bilder persönlich vorstellen können", heißt es in dem Schreiben weiter. Die Lehrer sollen aber frei entscheiden, ob sie sich dazu in der Lage sehen, mit derartigen Bildern konfrontiert zu werden, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Hamburger Schuldbehörde.

Mit den Daten werde sensibel umgegangen, betont Albrecht. Nur ein kleiner, ausgewählter Kreis solle an den Schulen mit den Darstellungen sexueller Gewalt konfrontiert werden, um die Opfer möglicherweise zu erkennen. Die Schüler selbst sollen das Bildmaterial nicht zu sehen bekommen.

Welche der Schulen die Ermittler später konkret ins Auge fassen, ist der Behörde aber nicht bekannt. "Das ist Sache der Polizei. Wir müssen generell alle Schulen darüber informieren, dass sich das BKA bei ihnen melden könnte", sagt Albrecht weiter.

Letzter Schritt vor der Öffentlichkeitsfahndung

Der Weg an die Schulen gehört zu den letzten Schritten in den Ermittlungen bei sexuellem Missbrauch an Kindern. So könnten meist auch die Peiniger ausfindig gemacht werden, da die Spur zu den Tätern oft in das nahe persönliche Umfeld der Opfer führe.

"Bei einem konkreten Verdacht aber bislang unbekanntem Opfer ist dies ein übliches Vorgehen", sagt BKA-Sprecherin Clemens. Dies sei ein im Sinne des Opfers weniger belastendes Mittel, als etwa die Öffentlichkeitsfahndung.

Ebendiese hatte im Fall eines kleinen Mädchens erst im Oktober bundesweit für Aufsehen gesorgt. Das Bundeskriminalamt hatte im Fall der missbrauchten Vierjährigen bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) – eine öffentliche Fahndung mit einem Bildauschnitt aus einem im Internet veröffentlichten Kinderporno erwirkt, da man von einer akuten Gefahr für das Opfer ausging.

Das Vorgehen führte zu einem schnellen Ermittlungserfolg, das Kind konnte nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung ausfindig gemacht und der Täter verhaftet werden. Jedoch hatte das bislang seltene Vorgehen des BKA eine Debatte um den Opferschutz und die Verhältnismäßigkeit des Mittels entfacht, da das Mädchen auf sämtlichen Kanälen zu sehen war.