Prozess

Beifahrer stirbt bei Unfall – war es eine Wettfahrt?

Zwei Männer müssen sich vor dem Landgericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der furchtbare Unfall geschah im Oktober 2015.

Hamburg.  Der junge Mann auf dem Foto lächelt. Unbeschwert und freundlich sieht der 29-Jährige aus, Kopfhörer baumeln locker um seinen Hals, er wirkt entspannt. Das Bild fängt einen Augenblick ein, der so nie wieder kommen wird. „Er hatte doch sein Leben noch vor sich“, sagt die Mutter von Darius K. und umklammert das Bild. Nur mühsam kann die Frau ihre Tränen zurückhalten. Denn ihr Sohn ist tot. Er starb bei einem Autounfall, und vielleicht ist der 29-Jährige das Opfer eines Rennens zweier Fahrer geworden, die mit ihren PS-strotzenden Wagen ihre Kräfte messen wollten. In der Anklage, über die jetzt vor Gericht verhandelt wird, ist von einer Wettfahrt die Rede.

Darius K.s Mutter ist wie ihr Mann Nebenklägerin in dem Prozess, in dem sich zwei 30 und 32 Jahre alte Männer unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen. Schon einmal wurde der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt, das gegen den jüngeren Angeklagten, Alexander S., eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit Bewährung verhängte und gegen den 32-jährigen Xhulian Q. eine Bewährungsstrafe von neun Monaten. Sowohl die Angeklagten als auch die Staatsanwaltschaft gingen in Berufung, über die jetzt das Landgericht verhandelt.

Der furchtbare Unfall, bei dem das Leben von Darius K. ausgelöscht wurde, geschah am frühen Morgen des 17. Oktober 2015. Mehrere junge Leute hatten in einen Geburtstag hinein gefeiert, es wurde Alkohol getrunken. Dann wollte man zu einer Bar fahren. Xhulian Q. setzte sich in seinen BMW, Alexander S. war am Steuer seines 367 PS-starken Mercedes. Auf der Rückbank dieses Wagens saßen Darius K. sowie ein weiterer Mann, beide offenbar nicht angeschnallt. Dann, so die Anklage, forderte der BMW-Fahrer den Kumpel unter anderem durch mehrfaches Überholen zu einer Wettfahrt auf. Schließlich geriet der Mercedes auf regennasser Fahrbahn ins Schleudern. Laut Staatsanwaltschaft hatte er da mindestens Tempo 100 drauf. Der Wagen prallte gegen einen Lichtmast, der sich in die Fahrgastzelle bohrte. Der junge Mann hinten rechts erlitt so schwere Kopfverletzungen, dass er sofort starb. Der neben ihm sitzende andere Mitfahrer wurde lebensgefährlich verletzt.

In dem Berufungsprozess werden jetzt erneut Zeugen gehört

Alexander S. erklärt zum Prozessauftakt, dass er seine Berufung gegen das Amtsgerichtsurteil zurücknimmt und damit die Strafe von 15 Monaten mit Bewährung akzeptiert. „Alles, was passiert ist, tut mir wirklich leid“, sagt der 30-Jährige, die rechte Hand wie zum Schwur in Höhe des Herzens auf die Brust gedrückt und mit Tränen in den Augen. „Wenn ich es könnte, würde es das gern rückgängig machen.“ Aber die Staatsanwaltschaft bleibt bei ihrem Rechtsmittel. In der ersten Instanz hatte sie jeweils Freiheitsstrafen ohne Bewährung gefordert. Nun werden die Zeugen erneut gehört.

Als Erster schildert ein 24-Jähriger, dass er zwei Fahrzeuge beobachtet habe, die „ziemlich zügig unterwegs“ waren. „Sie haben wild die Fahrspuren gewechselt und sich gegenseitig geschnitten.“ Kurze Zeit später sah der 24-Jährige, wie der Mercedes in einen Lichtmast krachte. „Ich habe noch versucht, die Unfallopfer anzusprechen. Sie haben aber nicht reagiert.“ Der Prozess wird fortgesetzt.