Winterhude

Bestohlene Mieterin hat Sachen wieder

Ein Jahr nach „kalter Räumung“ ihrer Wohnung kämpft Katja B. um Schadenersatz

Winterhude. Alles war bis unter die Decke gestapelt, Möbel, Kleidung, Hi-Fi-Anlage, Schmuck – der Anblick war für Katja B.* eine Erleichterung. Vor mehr als einem Jahr hatte der Vermieter den gesamten Besitz der PR-Beraterin aus Winterhude versteckt. Nun hat sie ihr Eigentum endlich zurück. Aber selbst das mögliche Happy End ihrer Geschichte war „wie in einem schlechten Film“, sagt Katja B.

Rückblende. Ende August 2016 verreist Katja B. für einige Tage, lässt die Tür ihrer Wohnung in Winterhude einrasten – als sie zurückkommt, sind alle Schlösser ausgetauscht. Erst mithilfe der Polizei gelangt sie später in die Wohnung, aber ihr gesamter Besitz ist verschwunden. Sie erstattet Strafanzeige, aber es geschieht nicht viel. Die Polizei sieht die Angelegenheit als Privatstreitigkeit, zivilrechtlich ist der Vermieter zunächst nicht zu greifen. Hintergrund der Räumung: Der Sohn der Eigentümerin hatte die Wohnung seit 2009 an Katja B. untervermietet, mit einem befristeten „Kettenmietvertrag“. Ob die Befristung in diesem Fall gilt, ist umstritten. Laut Gericht wäre die Wegnahme der Sachen aber auch bei endendem Mietvertrag unrechtmäßig.

Das Abendblatt berichtet erstmals im November 2016. Bei der Justiz heißt es, man wolle sich nicht treiben lassen. Erst im Sommer 2017 kommt Bewegung in die Sache. Zehn Monate nach dem mutmaß­lichen Einbruch durchsuchen Beamte zwei Objekte, finden jedoch nur einen Aktenordner. Erstmals signalisieren Anwälte der Vermieterfamilie, dass es unter Umständen zu einer Rückgabe komme.

Zuvor hatte der Vermieter nur einmal angegeben, dass das Eigentum von Katja B. „nicht auf dem Sperrmüll“ sei. Im Oktober liegt dann plötzlich ein Umschlag im Briefkasten einer der Anwälte von Katja B. Darin ist ein Schlüssel zu einem mietbaren Lagerraum am Flughafen. Dort entdeckt Katja B. ihren Besitz, es sind noch Pralinen, Pfandflaschen und das Abendblatt vom 30. August 2016 darunter. Der Vermieter hat alles in Kisten werfen lassen, offenbar musste es schnell gehen. Beim Mieterverein zu Hamburg heißt es, ein so krasser Fall einer „kalten Räumung“ und ein so dreistes Vorgehen des Vermieters sei „sehr, sehr selten“. Katja B. hat sich einen neuen Hausstand kaufen müssen; zivilrechtlich will sie weiter gegen den Vermieter vorgehen.

In einer Klage fordert sie etwa Schadenersatz von der Gegenseite. Kurz vor Weihnachten ist ein Gerichtstermin anberaumt, zu dem der Vermieter geladen ist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ob Anklage erhoben wird, ist noch offen.

*Name geändert