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Wie hundefreundlich sind Hamburgs Gastronomen?

| Lesedauer: 7 Minuten
Betreiber Raffaele Ardente mit Hund Lucy in seinem Cafe Fele in Hamburg

Betreiber Raffaele Ardente mit Hund Lucy in seinem Cafe Fele in Hamburg

Foto: Roland Magunia

Vierbeiner sind in vielen Cafés und Restaurants gern gesehene Gäste. Leckerlis und Streicheln inklusive. Aber es gibt auch Kritik.

Hamburg.  Wer nicht ohne seinen Liebling unterwegs sein möchte, hat es in Hamburg gut: Die Cafés und Restaurants der Stadt zeigen sich hundefreundlich. „Hunde sind in Hamburgs Gaststätten überwiegend erlaubt“, sagt Ulrike von Albedyll, Landesgeschäftsführerin des Deutschen Gaststätten- und Hotelverbandes (Dehoga). Vielleicht liegt es auch daran, dass Hunde in der Hansestadt beliebt sind wie nie – 76.929 Hunde leben hier, Rekord. Darauf stellen sich auch die Gastronomen ein. Was dabei zu beachten ist.

Begrüßen Sie es, wenn Gäste in Restaurants ihre Hunde mitbringen können?

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„Darf es noch ein Napf mit frischem Leitungswasser sein? Möchte der Kleine denn auf einer Hundedecke liegen, und darf er einen Leckerli haben?“ So bemühen sich Hamburgs Gastronomen teilweise um ihre tierischen Gäste. „Hunde sind bei uns willkommen“, sagt Mitarbeiter Steven von Cöllns Austernstuben in Rathausnähe. Die Liebe zum Hund geht dort so weit, dass das Traditionslokal sogar eine Patenschaft mit den „Pet Shop Boyz“ hat, einem Geschäft für Haustierfutter und -zubehör. Und so bieten die Cöllns-Mitarbeiter Hunden selbstverständlich Leckerlis an. Gefühlt, sagt Mitarbeiter Steven, nimmt die Zahl an Hundehaltern, die auch bei ihrem Restaurantbesuch nicht auf ihren Vierbeiner verzichten wollen, zu.

Experte: Bald sind Hunde in allen Restaurants erlaubt

Und darauf stellen sich die Gastronomen ein, auch wenn es nicht jedem Gast gefällt, wenn es bei Regenwetter nach nassem Hund riecht, wenn zankende Dackel, Terrier und Co. bellen oder wenn der große Bernhardiner durch den Gastraum läuft.

„Bei nassen, frei laufenden Hunden, weise ich die Halter darauf hin, dass das nicht geht“, sagt Raffaele Ardente, Inhaber des Café Fele in Hoheluft-West. Ansonsten sind auch bei ihm Hunde willkommen, und nicht erst seitdem er selbst die viereinhalb Monate alte Mischlingshündin Lucy dabei hat. Ardente hat sehr viele Hundebesitzer unter seinen Gästen. Die einen holen sich morgens während der Runde durch den Park ihren Kaffee zum Mitnehmen, andere sitzen jeden Morgen mit Hund im Café. Beschwerden darüber gibt es keine. Und selbst wenn: „Ich kann und will das gar nicht verbieten.“ In Hamburg sei es sehr unkompliziert, mit Hunden in Cafés und Restaurants zu gehen. In Italien, sagt er, sei das anders: „Dort ist man gegenüber Haustieren noch nicht so offen wie hier.“

In der Küche sind Hunde tabu

Rechtlich gesehen sind Hunde in der Gastronomie erlaubt – solange sie im Gastraum bleiben und nicht in Bereiche vordringen, in denen mit Lebensmitteln gearbeitet wird. In der Küche oder in Lagerräumen sind sie also tabu.

Für Soziologen ist die Entwicklung in Deutschland nicht überraschend: „Dass sich jetzt auch zunehmend mehr Gastronomen offen gegenüber den Vierbeinern zeigen, ist eine logische Konsequenz, wollen Herrchen und Frauchen doch am Abend nicht auf ihren Liebling verzichten. Die Toleranz gegenüber dieser Entwicklung wird weiter zunehmen und es wird daher nicht lange dauern, bis Hunde in fast allen Restaurants selbstverständlich sind“, sagt Professor Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen.

Fest steht: Hundebesitzer haben ihren Liebling gern dabei, hundelose Gäste dagegen tun sich damit häufig schwer. Laut einer Umfrage des Online-Reservierungsportals Bookatable.de aus dem Jahr 2015, bei der 840 Gäste befragt wurden, stehen Gäste, die selbst keinen Hund haben, Vierbeinern beim Essen kritisch gegenüber: Ein gutes Drittel von ihnen findet, dass Hunde im Restaurant nichts verloren haben.

Wichtig ist die Erziehung

Worauf es ankommt, ist die gute Erziehung: Egal, ob Hundebesitzer oder nicht – 72 Prozent der Befragten verlangen eine gute Erziehung der Hunde, damit sie überhaupt mit ins Restaurant dürfen, die meisten tolerieren friedliche Vierbeiner. Wenig überraschend: Von den befragten Hundebesitzern würden 69 Prozent ein anderes Lokal aufsuchen, wenn Hunde nicht erlaubt sind. „Ob ein Gastronom Hunde gestattet oder nicht, bleibt natürlich ihm überlassen“, sagt Thomas Bergmann von Bookatable, „allerdings vergrault man von vorneherein die Hundebesitzer, wenn man die lieben Vierbeiner kategorisch ausschließt“.

Ausgeschlossen werden auch im Restaurant Tarantella in der Spielbank keine Hunde. Wenn Frauchen oder Herrchen es erlaubt, gibt es für den tierischen Gast neben einem Liegekissen sogar mal eine halbe Bockwurst.

Im Fischereihafen-Restaurant sind Wassernäpfe inklusive

Für die Mitarbeiterin im Fischereihafen-Restaurant ist ihr Lokal sogar das hundefreundlichste Restaurant der Stadt: Dort sind Wassernäpfe und Streicheleinheiten inklusive. „Wir versuchen darauf zu achten, dass Gäste mit sehr großen Hunden etwas abseits sitzen“, heißt es. Und im Basil & Mars in Rotherbaum werden Hundebesitzern und ihren Lieblingen möglichst Plätze mit genügend Raum angeboten. „Beschwerden über Hunde gibt es bei uns nicht. Wenn sie sich benehmen, klappt das ja auch gut“, sagt Gastronom Martin Lohr. Gut benehmen heißt: Sie sollten nicht herumlaufen, nicht bellen oder der Bedienung im Weg liegen.

Ulrike von Albedyll vom Dehoga: „Häufig werden die Hunde sogar zuerst bedient“, sagt sie und lacht. Ganz anders sehe es in asiatischen und arabischen Restaurants aus, deren Besitzer häufig ein anderes Verhältnis zu Haustieren haben. Dort seien Hunde meistens nicht so gern gesehen. Sie gelten als unrein.

Wie halten Sie es mit Hunden in Cafés und Restaurants? Mailen Sie uns Ihre Meinung lokales@abendblatt.de, oder per Post an
Hamburger Abendblatt, Großer Burstah 18–32, 20457 Hamburg

Warum Haustiere so beliebt sind

Haustiere als Kind- und Partnerersatz? Dazu hat die Stiftung für Zukunftsfragen neue Zahlen. Demnach leben in Hamburg 230.496 Kinder unter 14 Jahren, fast genauso hoch ist die Zahl von Hunden und Katzen. Hinzu kommen noch Hasen, Meerschweinchen, Vögel, Fische und Rep­tilien. Schätzungen zu Folge leben damit etwa 710.000 Haustiere in Hamburger Wohnungen und Häusern. Sie hören nicht mehr auf Waldi und Bello, sondern tragen Namen wie Emma, Frieda oder Theo.

Bundesweit wurden 2014 etwa 1,5 Milliarden Euro mehr für unsere Haustiere ausgegeben als noch zehn Jahre zuvor. Warum mögen wir unsere Haustiere so sehr?

Die Gründe reichen von der beruhigenden Wirkung über die fast durchgängig gute Laune der Tiere bis zur Strukturierung des Alltags. Hund und Katze helfen gegen Einsamkeit, schenken Zuneigung. Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt: „In den nächsten zehn Jahren wird sich in Hamburg die Kinder- und Enkel­losigkeit ebenso wie die Zahl der Singlehaushalte erhöhen, Haustiere werden noch häufiger zum besten Freund des Menschen werden.“

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