Wittenberg

Merkel fordert Eintreten für Religionsfreiheit

Zur Feierstunde des 500. Reformationsjubiläums kam die Kanzlerin nach Wittenberg

Wittenberg.  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum 500. Reformationsjubiläum den Wert der Religionsfreiheit für eine moderne und offene Gesellschaft unterstrichen. Überall dort, wo die Religionsfreiheit bedroht sei, nehme auch die Gesellschaft Schaden, sagte die Regierungschefin am Dienstag bei einem staatlichen Festakt in Wittenberg. Die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften forderte sie zum interreligiösen Dialog auf.

Unter den Gästen des Festaktes waren neben Mitgliedern der Bundesregierung und mehreren Ministerpräsidenten zahlreiche Abgeordnete vertreten. Als Repräsentant der Länder, die durch die Reformation beeinflusst wurden, sprach der ungarische Präsident Janos Ader ein Grußwort.

Merkel würdigte im Wittenberger Stadthaus die Bedeutung der Reformation, die Martin Luther (1483–1546) mit der Veröffentlichung seiner Thesen anstieß. Luther habe einen Stein ins Rollen gebracht, „der sich nicht mehr aufhalten ließ und die Welt für immer veränderte“, sagte die Bundeskanzlerin. Demokratie und das Recht auf Religionsfreiheit seien zwar nicht direkte Auswirkungen der Reformation, die noch sehr im Mittelalter verhaftet gewesen sei, sagte Merkel. Die Reformation sei aber treibende Kraft zur Entwicklung des Kontinents gewesen. Die Lehre heute laute: „Wer Vielfalt bejaht, muss Toleranz üben“, so die Kanzlerin.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nannte in einem Grußwort die Reformation ein „europä­isches Ereignis“ mit globaler Wirkung. Er wünsche sich, dass Wittenberg mit dieser Lehre auch heute ein „Motor für europäische Integration“ sein könne, so Haseloff. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte insbesondere die weltweite Resonanz des Jubiläumsjahres.