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„Höhle der Löwen“ – Hamburger holen sich 450.000 Euro

| Lesedauer: 6 Minuten
Hanna-Lotte Mikuteit
Finn Fahrenkrug und Malte Steiert haben einen Deal mit Carsten Maschmeyer gemacht

Finn Fahrenkrug und Malte Steiert haben einen Deal mit Carsten Maschmeyer gemacht

Foto: Vox / Bernd-Michael Maurer / VOX / Bernd-Michael Maurer

Gründer der Restaurant-App Foodguide machen in der Investoren-Show einen Mega-Deal.Jetzt wollen sie in die USA expandieren.

Fast wäre alles schiefgegangen: Malte Steiert (24) und Finn Fahrenkrug (26) waren schon auf dem Weg zur Aufzeichnung der TV-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ (Vox). Im Zug nach Köln wollten die Gründer der Gastro-App „Foodguide“ noch an ihrem Auftritt feilen, der die Juroren am nächsten Tag von einem Deal in Höhe von fast einer halben Million Euro überzeugen sollte.

„Wir hatten uns überlegt, die Restaurantsuche in Paris zu zeigen“, erzählt Steiert. Im Prinzip war alles fertig. Dann die Schrecksekunde: Die Jungunternehmer hatten versehentlich alle Fotos für die Präsentation gelöscht. Den Rest der Nacht verbrachten sie damit, den Fehler zu beheben. „Wir haben das halbe Team aus dem Bett geklingelt, die Familie hat auch geholfen“, sagt Finn Fahrenkrug. Es hat rechtzeitig geklappt. Einen Deal hatte Foodguide damit allerdings noch lange nicht.

Der Foodguide ist „wie Tinder – nur für Essen“

Einige Tage vor dem Sendetermin am Dienstagabend sitzen Steiert und Fahrenkrug in ihrem Büro am Schulterblatt. Alle Arbeitsplätze sind besetzt, eine junge Frau hockt mit Laptop in einer Sofa-ecke. Die Stimmung ist locker-familiär. Seit im Juli die G-20-Proteste vor den Fenstern eskalierten und die Straße voller Trümmer lag, gilt Hausschuh-Zwang – der Straßendreck bleibt draußen. 20 Beschäftigte hat die Firma mit dem gekreuzten Besteck im Logo inzwischen. „Wir machen ein soziales Netzwerk für Essen, in dem Nutzer über selbst gemachte Fotos Gerichte miteinander teilen und Empfehlungen aussprechen können“, sagt Malte Steiert. „Wie Tinder – nur für Essen“ beschreibt er Foodguide, indem er die App mit der erfolgreichen Dating-Plattform vergleicht.

Das Herzstück von Foodguide ist ein Algorithmus, der anhand der Likes der Anwender deren persönliche Essens- vorlieben ermittelt und ihnen Vorschläge macht, welches Restaurant passen könnte. Mehrere Tausend Fotos sind inzwischen hochgeladen. Hat der Anwender sich entschieden, kann er sich über die App die Route zum Restaurant anzeigen lassen, gleich einen Tisch reservieren oder einen Bringservice bestellen.

Die Hamburger gründeten Foodguide bereits 2015

Malte Steiert denkt gern in großen Dimensionen. Vier Jahre ist es her, dass er die Idee für ein neues Gastro-Netzwerk hatte. Damals war er 20 Jahre alt, studierte Medienmarketing in Hamburg und war gerade von einem Auslands­semester aus Thailand zurückgekommen. „Es geht dort nicht einfach darum, satt zu werden, sondern man möchte das Besondere entdecken. Und dieses Erlebnis, wenn möglich, noch mit anderen teilen“, sagt er.

Zurück in Deutschland, startete der Wahlhamburger ein Blog im sozialen Netzwerk Instagram mit Fotos seiner Lieblingsgerichte. Die Resonanz war mäßig. Aber Steiert – Wollpulli, Jeans, die Haare mit einem Zopfgummi zurückgebunden – ließ nicht locker. 2015 gründete er zusammen mit dem Medieninformatiker Fahrenkrug Foodguide.

Eine Million Menschen nutzen die App bereits

Eine Million Nutzer hat die App nach Angaben der Gründer inzwischen auf ihr Smartphone heruntergeladen oder folgt ihm auf dem sozialen Netzwerk Instagram. 35.000 Menschen, im Schnitt 27 Jahre alt, Stadtbewohner und zu 75 Prozent weiblich, rufen Foodguide demnach jeden Monat auf. „Zum Wochenende gehen die Zahlen spürbar hoch“, sagt Finn Fahrenkrug. Es gibt Nutzer in allen deutschen Großstädten und auch in einigen Metropolen wie London, Paris, Amsterdam oder Kapstadt. Aber das soll nur der Anfang sein.

Um mit ihrer App zu expandieren, benötigen die smarten Tech-Start-up-Gründer Geld. Die Umsätze aus Provisionen von Restaurants, denen Foodguide Gäste vermittelt, sind noch sehr überschaubar. Im ersten Geschäftsjahr 2016 lagen sie gerade mal bei 100.000 Euro. Bereits vor einiger Zeit war Axel Springer mit fünf Prozent in die Innovation eingestiegen. Anfang des Jahres bewarben sie sich bei „Die Höhle der Löwen“. „Wir dachten eigentlich, wir passen nicht in die Show“, sagt Steiert.

Maschmeyer adoptiert die Foodguide-Gründer

Nach der nächtlichen Rettungs­aktion für die Präsentation lief es bei der Aufzeichnung zunächst gut. Das selbstbewusste Gründerduo bot 15 Prozent der Firmenanteile an – für stolze 450.000 Euro. Tech-Investor Frank Thelen attestierte den Hamburgern zwar: „Food mit Social, das ist ein Markt, der explodieren wird“, mokierte sich aber über die „Mickymaus-Gewinne“. Ein Löwe nach dem anderen sagte ab. „Das war schon ein dramatisches Gefühl“, sagt Malte Steiert.

Schließlich war nur noch der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer übrig. „Ich bin drin, wenn wir uns auf eine Bewertung einigen“, erklärte er und forderte für die knappe halbe Million ein knappes Drittel ihrer Firmenanteile, genauer: 31,6 Prozent. Maschmeyer: „Nicht verhandelbar.“ Da mussten sich Steiert und Fahrenkrug erst einmal beraten – dann schlugen sie ein. Denn Maschmeyer, das wurde klar, sieht sich nicht nur als Investor, sondern auch als Berater. „Jetzt habe ich vier Söhne“, sagte er in der Sendung.

2018 wollen die Hamburger in die USA expandieren

Und der Deal steht. Die Verträge sind nach langen Verhandlungen unterschrieben, die ersten beiden Tranchen der Summe geflossen. „Es war die richtige Entscheidung“, sagen die Foodguide-Macher. Neue Mitarbeiter wurden eingestellt, die App weiterentwickelt, die Präsenz ausgebaut. Restaurants seien zunehmend interessiert und bereit, Provisionen zu zahlen.

„Als nächstes Ziel wollen wir 2018 in die USA“, sagt Malte Steiert, der für einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Starting up USA“ bereits zwischen San Francisco und New York unterwegs war, um zu erkunden, wie es deutschen Gründern dort ergeht. Dabei traf er sich auch mit dem neuen Geschäftspartner Maschmeyer in dessen Haus in Los Angeles. „Wir wollen ein weltumspannendes Netzwerk bauen“, sagt der junge Gründer und denkt noch weiter. „Mit unseren Daten können wir Food-Trends vorhersagen. Damit werden wir auch interessant für die Industrie.“

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