Hamburger Innenstadt

Venedigs Canal Grande als Vorbild für Hamburgs Altstadt

Das historische Nicolaifleet in der Hamburger Innenstadt

Das historische Nicolaifleet in der Hamburger Innenstadt

Foto: picture alliance / Arco Images GmbH

Die Innenstadt soll als Wohnraum wieder attraktiver werden. Dafür gibt es schon einige Ideen, die jetzt vorgestellt wurden.

Hamburg. Das historische Zentrum Hamburgs – die einst dicht bebaute und bevölkerte Altstadt – ist heute zu großen Teilen eine Ansammlung von Bürogebäuden und Parkhäusern, durchschnitten und begrenzt von mehrspurigen Straßen. Die Initiative „Altstadt für alle“ will neue Ideen für das stadtplanerisch vernachlässigte Quartier entwickeln und so die Innenstadt wiederbeleben. „Wir wollen Denkblockaden überwinden“, sagt Jörg Herrmann, Direktor der Evangelischen Akademie, die zusammen mit der Patriotischen Gesellschaft und der Gruppe „Hamburg entfesseln!“ die Initiative ins Leben gerufen hat. „Wir müssen die Funktionsaufteilung von Wohnen und Arbeiten aufheben“, sagt Frank Engelbrecht, Hauptpastor an St. Katharinen und Sprecher von „ Hamburg entfesseln!“

Heute leben nur noch 2200 Menschen in der Altstadt, vor dem Zweiten Weltkrieg waren es noch 15.000. „Die Rückeroberung der Innenstädte ist ein europaweiter Trend“, sagt Florian Marten, Sprecher von „Altstadt für alle“. Kopenhagen, Barcelona, Straßburg und Marseille lieferten positive Beispiele. „Die Altstadt muss wieder ein Lebensraum werden. Letztlich geht es um Wohnen, Wohnen, Wohnen“, sagt der Stadtplaner Prof. Dieter Läpple von der HafenCity Universität. Auf einem zweitägigen Workshop mit mehr als 300 Teilnehmern wurden erste Ideen zur Revitalisierung entwickelt.

Venedigs Canal Grande als Vorbild

Beispiel Nikolaifleet: Mit dem Alsterhafen zusammen war es einst die wirtschaftliche Schlagader Hamburgs, heute hat das Fleet wenig Bezug zur Umgebung und ist kaum wahrnehmbar. „Wir wollen den Wasserweg wieder erfahrbar machen“, sagt Engelbrecht. Ein Wassersteg am und auf dem Nikolaifleet könnte als Weg neue Perspektiven eröffnen. „Der Canal Grande in Venedig zum Beispiel ist in die Stadt integriert und ein zentraler Bezugspunkt. Das kann ein Vorbild sein“, so Engelbrecht. Der Pastor kann sich als ein Projekt vorstellen, während des Sommers einen Ponton in den Alsterhafen zu legen. „Dort könnte es zum Beispiel Kino am Fleet geben, und Besucher würden in einem Café zum Verweilen eingeladen“, so Engelbrecht.

Die Altstadt soll mehr belebt werden, zum Beispiel mit einem Ponton mit Kino und Café im Nikolaifleet – ein guter Plan?

Für Aufsehen sorgten Engelbrecht und seine Mitstreiter vor einem Jahr mit der Wiederaufnahme des Vorschlags, die Willy-Brandt-Straße vom Deichtor bis zum Rödingsmarkt zu untertunneln und die in zwei Teile gespaltene Altstadt wieder zusammenzuführen. Zwar gab es auf dem Workshop keine Mehrheit für die Idee des Tunnels – unter anderem weil befürchtet wird, dass der Verkehr noch weiter zunimmt –, aber das Ziel, die Trennwirkung der Schneise aufzuheben, ist geblieben. Jetzt wird daran gedacht, Fahrrad-Highways einzurichten und verstärkt Nord-Süd-Querungen zu bauen.

Kulturboulevard vom Deichtor bis zum Stintfang

Auch die Einführung einer City-Maut zur Begrenzung des Durchgangsverkehrs wurde diskutiert. Eine weitere Idee zur Wiederbelebung ist die Schaffung eines Kulturboulevards vom Deichtor über die Wallringe bis zur Kunsthalle und perspektivisch bis zum Stintfang. „Als erster Schritt hin zu einem Flanier- und Begegnungsraum könnte der Gehweg verbreitert werden, in dem die Park- und Abbiegespur auf der Ostseite umgewidmet wird“, sagt Marten. So würde für Fußgänger eine bequeme Verbindung geschaffen und der kulturelle Zusammenhang der „ Perlenkette“ betont. „Für diese Grundidee haben wir sehr viel Rückenwind. Als nächsten Schritt könnten sich die Kultureinrichtungen mit Vorschlägen einbringen“, so Marten.