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Neue Hamburger Soko stoppt PS-Protzer

Ein Polizist der Kontrollgruppe "Autoposer" kontrolliertden Motor eines illegal getunten Ford Mustang

Ein Polizist der Kontrollgruppe "Autoposer" kontrolliertden Motor eines illegal getunten Ford Mustang

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

„Autoposer“ rasen mit illegal aufgemotzten Wagen durch die Stadt. Die Polizei hat bereits 20 Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen.

Hamburg.  Am Anfang sind die sogenannten Autoposer bei einer Polizeikontrolle noch selbstbewusst, weiß Oberkommissar Tobias Hänsch. „Das ist original AMG, Digga“ oder „Hab ich so gekauft“, sind die häufigsten Ansagen, die er und seine Kollegen bei einer Kontrolle hören. Am Ende, weiß einer der neun Beamten der speziell gegen Autoposer aufgestellten Kontrollgruppe, fließen oft Tränen. Auch Sätze, wie „Erschieß mich, wenn du mein Auto wegnimmst“ fallen schon einmal.

Autoposer sind ein Phänomen, das mindestens so alt wie das berühmte Irmscher-Tuning ist. Es geht um Autos, die getunt und mit allerlei Styling-Schnickschnack ausgestattet sind. Oft sind es illegale Umbauten. Besonders an der Auspuffanlage wird gern manipuliert, damit der Sound auch dem letzten Schwerhörigen in der Umgebung klarmacht, was für ein toller Kerl da in einem tollen Auto sitzt.

Viele Menschen in der City leiden erheblich darunter

„Seit längerer Zeit gehen Beschwerden von Bürgern über Gruppen von Autofahrern ein, die durch ihr exzessives Verhalten auffallen“, sagt Polizeidirektor Ulf Schröder, der Leiter der Verkehrsdirektion. „Es geht um Dinge wie durchdrehende Räder, Hochjagen der Motoren und darum, auf kurzer Strecke zu beschleunigen, um völlig überflüssigen Lärm zu erzeugen“, sagt Schröder. Viele Menschen in der City litten erheblich darunter. „Wir haben festgestellt, dass wir in Hamburg eine Gemischlage zwischen Lärm und Rasen haben“, sagt der Polizeidirektor.

Verursacher seien meist jüngere Fahrer, die bewusst und gewollt Lärm erzeugten und rücksichtslos durch die Stadt rasten. Ihre Fahrzeuge wurden oft unerlaubt aufgemotzt. Im Visier der Ermittler sind auch ältere Sportwagenfahrer, die teure Fahrzeuge meist ohne technische Veränderungen haben. „Bei einzelnen Messungen haben wir bis zu 130 Dezibel gemessen“, sagt Schröder. „Zum Vergleich. Ein startender Düsenjet verursacht 120 Dezibel.“

Nicht nur Geschwindigkeit fiel auf. Auch die Lautstärke.

Die bisher sichergestellten Fahrzeuge stehen in einer Halle der Verkehrsstaffel Süd in Harburg. Einem jüngeren Fahrer wurde ein Ford Mustang abgenommen, der sein ohnehin schon 440 PS starkes Fahrzeug mittels Kompressor auf rund 700 PS getunt hat. Illegal, versteht sich. Daneben steht ein Porsche Panamera, eigentlich eine Familienkutsche, wie der Kindersitz hinter dem Fahrersitz zeigt. Das Fahrzeug war am Mittwochabend auf der Süderstraße aufgefallen, weil der Fahrer (47) deutlich zu schnell unterwegs war. Dabei fiel nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Lautstärke auf. Die Spezialisten der Kontrollgruppe „Autoposer“ wurden gerufen. Die Beamten stellten fest, dass am Auspuff manipuliert worden war.

Der dritte Wagen ist ein Audi TT, der von 220 auf 475 PS getunt wurde. „Das ist so niemals genehmigungs­fähig“, sagt Tobis Hänsch. Er stuft den Wagen als typischen Umbau für illegale Straßenrennen ein. Fahrzeuge von VW, weiß einer der Spezialisten, eignen sich für solche Manipulationen, da die Motoren elektronisch gedrosselt sind.

Zu tun gibt es reichlich

In der Kontrollgruppe ist viel Spezialwissen nötig, um Manipulationen zu erkennen. Dafür sind die Beamten besonders ausgebildet worden. Zudem verfügen sie über eine besondere Ausrüstung wie Spiegel oder Kameras, mit denen sie in jede Motorecke oder unter das Fahrzeug gucken können.

„Autoposing“ ist übrigens Männersache. Sowohl die Beamten in der Kontrollgruppe als auch die bisher aus dem Verkehr gezogenen „Poser“ sind Männer. „Die Kontrollgruppe wird sicher noch das ganze nächste Jahr im Einsatz sein, vermutlich auch 2019“, sagt Ulf Schröder.

Zu tun gibt es reichlich: Polizisten aus Berlin, wo schon seit zwei Jahren gegen Autoposer vorgegangen wird, hielten Hamburg bisher für ein „Eldorado für Autoposer“. Die Szene hier ist ungewöhnlich selbstsicher. Dass sich das ändern soll, zeigt sich fast täglich. Am Mittwoch stellte die Kontrollgruppe neben dem Porsche noch einen weiteren Wagen, einen Mercedes CLS 500, am Jungfernstieg sicher. Am Wochenende zuvor wurden drei weitere Fahrzeuge sichergestellt.

Bislang hat die Kontrollgruppe 20 Poser-Autos von der Straße geholt. In allen Fällen waren die Fahrzeuge illegal manipuliert. Für die Halter wird es teuer. Zu dem Bußgeld kommen Abschleppkosten und eine sehr genaue Abnahme durch den TÜV für eine Wiederzulassung dazu. Da kommen schnell 1000 Euro oder mehr zusammen. Da wird noch so manche Träne fließen.