Ausstellung

Epochale Bilder in den Deichtorhallen

110 Werke von Alice Neel zeigt die Ausstellung in den Deichtorhallen

110 Werke von Alice Neel zeigt die Ausstellung in den Deichtorhallen

Foto: picture alliance /chromorange

In Amerika ist die Malerin Alice Neel aus den großen Kunstsammlungen nicht wegzudenken, hier ist sie weniger bekannt – noch.

Hamburg.  Eine epochale Entdeckung in Deutschland und eine der besten Ausstellungen überhaupt ist jetzt mit einer Retrospektive der amerikanischen Malerin Alice Neel in den Deichtorhallen eröffnet worden. In Amerika hängen ihre Werke in den großen Sammlungen, hier muss die Künstlerin, deren Leben von 1900 bis 1984 fast ein ganzes Jahrhundert schöpferischen Arbeitens umfasste, erst noch in ihrer Größe und Bedeutung für die Kunstgeschichte erkannt werden.

110 Werke hat der ehemalige Sammlungsleiter der Tate Gallery in London, Jeremy Lewison, für die Ausstellung in Hamburg versammelt. „In den Kontext der fantastischen Sammlung, die Sie hier in der Hamburger Kunsthalle haben, gehört Alice Neel. Neben Lovis Corinth, Edouard Manet und Rembrandt“, sagte Lewison auf der Pressekonferenz. „Ich glaube, dass Alice Neel ihren Platz in diesem Pantheon der Kunst bekommen wird.“

Eine Fülle atemberaubender Porträts

Zu sehen ist eine Fülle atemberaubender Porträts, in denen sich die künstlerische Weiterentwicklung der Malerin und der jeweilige Zeitgeist spiegeln. Neel, die ein sehr bewegtes Leben führte, musste viele Schicksalsschläge und viel Herzlosigkeit verdauen, auch mit den Männern hatte sie wenig Glück. Aber jedes Mal stand sie wieder auf, um weiter zu malen, mit einer schier unersättlichen Sehnsucht, den Menschen in ihrer Umgebung mit dem Pinsel nahe zu kommen, wie später die amerikanische Fotografin Nan Goldin mit ihrer Kamera.

Die meisten ihrer Menschenbilder strahlen deshalb Intimität und Wahrhaftigkeit aus, sind frei von jeder Pose und eingebettet in einen halb abstrakten Hintergrund aus Farbe und angedeuteter Räumlichkeit. Einige der frühen Bilder erinnern auf exzellente Weise an den deutschen Expressionismus, andere an die Neue Sachlichkeit, doch malt Alice Neel mit mehr Wärme. Sie kann aber auch Satire, sie kann auch sehr entlarvend sein, und immer erzählt der scheinbar flüchtig hingemalte Hintergrund noch etwas mehr über die Person, die ihr Modell saß.

„Alice Neel – Painter of Modern Life“ Deichtorhallen Deichtorstr. 1-2. Di-So 11.00-18.00, Eintritt 10,-/6,- Ausstellung vom 13.10.-4.1.18