Edmund-Siemers-Allee

Fußgänger überfahren: Todesursache Kopfhörer?

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Jan Haarmeyer
Schwerer Unfall an der Edmund-Siemers-Allee. Der Notarzt leistete noch am Ort Erste Hilfe

Schwerer Unfall an der Edmund-Siemers-Allee. Der Notarzt leistete noch am Ort Erste Hilfe

Foto: TV News Kontor

29-Jähriger stirbt vor der Uni an seinen Kopfverletzungen. Polizei und ADAC warnen vor Ablenkungen im Straßenverkehr.

Hamburg. War ein Kopfhörer die Todesursache für den tragischen Unfall an der Edmund-Siemers-Allee, der in der Nacht zum Sonntag einen jungen Mann das Leben kostete? Der 29-Jährige wollte gegen drei Uhr nachts vor der Universität am Dammtor die Straße überqueren, als er von einem Notarztwagen, der mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg von St. Georg zu einem Einsatz in Hoheluft unterwegs war, erfasst wurde. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler trug der Mann beim Überqueren der Straße einen Kopfhörer.

Noch ist unklar, ob der Fußgänger bei der Bedarfsampel Grün oder Rot hatte. „Wir warten noch auf die Aussage des Fahrers und seines Beifahrers“, sagt Polizeisprecher Ulf Wundrack. Nach dem tragischen Unfall mussten die beiden 39-Jährigen von der Notfallseelsorge der Feuerwehr betreut werden.

In Hamburg ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Fußgängern deutlich rückläufig. Ereigneten sich 2015 noch 1.535 Unfälle, waren es im vergangenen Jahr 1.440 (-6,2 %). Bei der Anzahl der verunglückten Fußgänger ist der Rückgang noch deutlicher. Es verunglückten 1.054 Fußgänger, das sind 158 weniger als noch 2015 (-13 %).

In 2017 sind bisher sechs Fußgänger tödlich verunglückt

Auch die Zahl der getöteten Fußgänger ist in Hamburg rückläufig. Mit sechs getöteten Fußgängern verstarben im vergangenen Jahr drei weniger als noch im Jahr 2015. In 2017 sind bisher sechs tödlich verunglückte Fußgänger von der Polizei vermeldet worden. Unter den 29 Verkehrstoten des vergangenen Jahres waren knapp zwei Drittel „schwächere“ Verkehrsteilnehmer wie Motorradfahrer, Radfahrer und Fußgänger. Es kamen elf Pkw- und Lkw-Insassen ums Leben. Die Zahl getöteter Radfahrer ist mit drei Verunglückten (+1) nahezu unverändert. Vier getötete Fußgänger waren im Seniorenalter.

Die Hauptunfallursachen für Verkehrsunfälle sind nach wie vor überhöhte Geschwindigkeit und mangelnder Sicherheitsabstand. Bei den Verkehrsunfällen mit Personenschäden wurden in 1.819 von 7.796 Fällen (23,3 %) diese Hauptunfallursachen festgestellt. Weitere häufige Unfallursachen sind: Vorfahrts- und Rotlichtverstöße, Fehler beim Einfahren, Wenden oder Rückwärtsfahren sowie Fehler beim Abbiegen.

Rund 15 Prozent der Fußgänger sind mit dem Handy beschäftigt

„Die Statistik weist nicht extra aus, ob verletzte oder getötete Fußgänger oder Radfahrer Kopfhörer getragen haben oder nicht“, sagt Polizeisprecherin Heike Uhde. Von daher könne man nicht verlässlich sagen, ob das Tragen von Kopfhörern bei Radfahrern oder Fußgängern eine vermehrte Unfallursache darstelle. Uhde warnt eindringlich vor dem Tragen von Kopfhörern und verweist auf die Straßenverkehrsordnung, die von jedem Teilnehmer „ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ erfordert. „Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt oder gefährdet wird.“ Verstöße dagegen stellten eine Ordnungswidrigkeit dar.

Auch der ADAC warnt vor Kopfhörer- und Handy-Nutzung im Straßenverkehr. „Kopf hoch, auch Fußgänger haben Rechte und Pflichten im Straßenverkehr“, sagt Pressesprecher Christian Hieff. Wenn man als Verkehrsteilnehmer schon Musik hören wolle, dann solle man das in einer Lautstärke tun, die es einem ermöglicht, die Umwelt auch noch wahrzunehmen.

Hieff sagt, es gebe Untersuchungen, nach denen mittlerweile rund 15 Prozent der Fußgänger auf den Straßen mit ihrem Handy beschäftigt sind. Und laut Zahlen der Münchner Polizei, so Hieff, waren 70 Prozent der tödlich verunglückten Fußgänger durch ihr Handy abgelenkt. Hieff: „Belastbare Zahlen haben wir nicht, aber ich denke, jeder sieht, dass die Nutzung des Handys bei allen Verkehrsteilnehmern seit Jahren zunimmt.“

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