Sturm "Xavier"

Erste Strecken wieder frei – Twitter-Spott über "Hotelzug"

| Lesedauer: 23 Minuten

Chaos in Hamburg hält an. Metronom gibt Reisewarnung für das gesamte Wochenende heraus. Für 600 Euro im Taxi nach Berlin.

Hamburg. Nach dem verheerenden Sturm „Xavier“ über Deutschland mit mindestens sieben Toten laufen noch immer die Aufräumarbeiten. Das Tief war am Donnerstag mit großer Wucht über Deutschland gezogen. Die Feuerwehren mussten Tausende Einsätze fahren, besonders häufig in Hamburg und Berlin. Viele Bahnreisende waren auch am Freitag noch an Bahnhöfen gestrandet. Der Zugverkehr in der Nordhälfte Deutschlands wegen umgestürzter Bäume ist in großen Teilen zum Erliegen gekommen.

Die Deutsche Bahn informiert hier im Internet

Hier kommen Sie zur Webseite des Metronom

Abendblatt.de hält Sie im Live-Blog auf dem Laufenden:

Das sind die freigegebenen Strecken

Die Bahn teilte am Freitagabend die voraussichtlichen Streckenöffnungen mit. So sollen die Verbindungen zwischen Berlin und Hannover sowie Hamburg-Hannover am Sonnabend wieder aufgenommen werden. Hamburg-Berlin sei erst 9. Oktober an wieder befahrbar. Die Strecke sei besonders schwer von dem Sturmtief betroffen, hieß es. Auf einer Länge von sechs Kilometer seien die Oberleitungen massiv beschädigt. Einige Züge will die Bahn aber am Sonnabend über Hannover von Berlin nach Hamburg bringen.

Der Metronom beginnt am Sonnabend auch Richtung Nordsee wieder mit dem Betrieb. Zwischen Cuxhaven (ab 5.09 Uhr) und Stade verkehren wieder Bahnen, so der Metronom am Freitagabend. Zwischen Hamburg und Stade gebe es aber einen Ersatzverkehr mit der S-Bahn.

Hamburg – Hannover: ab 7. Oktober

Hannover – Berlin: erste Züge ab 7. Oktober

Berlin – Dresden: ab 7. Oktober

Bremen – Hannover: ab 8. Oktober

Hamburg – Berlin: ab 9. Oktober; ab 7. Oktober wird ersatzweise ein eingeschränkter Verkehr zwischen Hamburg und Berlin über eine Umleitungsstrecke (via Hannover) angeboten

Osnabrück – Hamburg: ab 9. Oktober. Wer von Hamburg Richtung Osnabrück und Ruhrgebiet fährt, sollte über Hannover ausweichen

Gestrandete am Hamburger Hauptbahnhof

Am Hamburger Hauptbahnhof war das Chaos auch am Freitagabend noch groß. Zwei Hotelzüge standen bereit, auf Gleis 14 und auf Gleis 7 im südlichen Bereich. Dieser zweite Hotelzug, eine Regionalbahn, war allerdings leer. Vor dem Info-Stand auf dem Südsteg, am Reisezentrum und vor den Mietwagen-Stationen von Sixt und Europcar in der Wandelhalle standen Hunderte Reisende. Erste Züge Richtung Uelzen und Hannover fuhren wieder.

Taxen in Hamburg ausgebucht

Der Landesverband Hamburger Taxiunternehmer weist darauf hin, dass es am Freitag "fast unmöglich" sei, ein Taxi zu bekommen, da alle verfügbaren Wagen im Einsatz seien. "Alle Taxiunternehmer sind am Limit." Die Anfragen seien nach wie vor hoch.

Twitter: Spott über den Hotelzug

Die Gestrandeten: In Hamburg und anderswo machen sich Twitter-Nutzer mit Galgenhumor lustig über ihre Situation im "Hotelzug". Diese Einrichtung ist nach Auskunft vieler ein Euphemismus, eine Schönfärberei. Einige schreiben, dass sie auf dem Weg nach Hamburg in Berlin-Spandau gestrandet seien, wo ein tschechischer IC gestoppt und zum Nachtasyl umfunktioniert wurde. Es gebe null Bahnpersonal, das sich kümmere.

Andere schreiben, sie säßen in einem ausländischen Intercity und äßen "Ente für 5 Mark". Andere warten offenbar mit Champagner an Bord im Hotelzug auf neue Bekanntschaften...

Metronom meldet ersten Erfolg

Der erste Metronom ist wieder auf der bis dato gesperrten Strecke von Uelzen nach Celle gefahren, wie das Unternehmen mitteilte. Weiter hieß es: "Wahrscheinlich fährt dieser Zug bis Hannover durch." Eine Aufenthaltswahrscheinlichkeit oder Ankunftswahrscheinlichkeit wurde nicht angegeben. Aus Hannover sei der erste Zug unterwegs Richtung Uelzen. Man gehe davon aus, dass die Strecke zwischen Uelzen und Hannover wieder befahren werden könne. Man rechne aber mit "erheblichen Verspätungen".

Rekordbuchungen bei Fernbussen

Des einen Leid, des anderen Freud. Zumindest einer kann sich über das Chaos bei der Bahn freuen: Das Fernbusunternehmen FlixBus ist in diesen Tagen gefragt wie nie. Wie ein FlixBus-Sprecher bereits gestern sagte, stieg die Zahl der Buchungen von und nach Hamburg im Vergleich zur Vorwoche um rund 45 Prozent. Auch für Freitag sind alle Fahrten nach Berlin restlos ausverkauft. Auch in der Gegenrichtung sieht es nicht viel besser aus und das, obwohl Flixbus bereits zusätzliche Busse im Einsatz hat, um Reisende an ihr Ziel zu bringen. Ausgebucht sind unter anderem für Freitag auch die Verbindungen nach Hannover und Bremen.

Wetterdienst: "Xavier" war ein Schnellläufer

Das Tief "Xavier" ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) trotz der schweren Verwüstungen kein besonders außergewöhnlicher Sturm gewesen. „Sturm- und Orkantiefs gehören zum Herbst dazu, und es muss immer wieder mit ihnen gerechnet werden“, erklärte DWD-Meteorologin Tanja Dressel. Bemerkenswert sei in diesem Fall, dass der Sturm ein „Schnellläufer“ war, der sich sehr rasch innerhalb weniger Stunden weiterbewegt hat, vom Nordwesten bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg im Osten. Für die nächsten Tage rechnen die Meteorologen mit anhaltend ungemütlichem Wetter mit viel Regen. In der Nähe der Küsten und auf den Bergen kann der Wind in Böen wieder Sturmstärke erreichen.

Hotelzug für Gestrandete am Hamburger Hauptbahnhof

Für die gestrandeten Reisenden am Hamburger Hauptbahnhof hat die Deutsche Bahn bereits einen sogenannten Hotelzug zum Übernachten oder Ausruhen bereitgestellt. Bisher gebe es einen Zug. "Bei Bedarf kann aber aufgestockt werden", sagte eine Bahnsprecherin. Auch am Nachmittag bildeten sich lange Schlangen vor den Bahnschaltern, vor den Autovermietungen und vor den Taxis – es sind Tausende Reisende, die am Freitag am Hamburger Hauptbahnhof warten und hoffen. Dazwischen Bahnmitarbeiter, die versuchen, das Chaos in den Griff zu bekommen und den teils aufgebrachten Passagieren zu helfen. Auf den Abfahrtstafeln heißt es meist: „Fällt aus“.

Bahn hofft auf ein Gleis auf Strecke Hamburg–Hannover

Die Bahn hofft, wenigstens ein Gleis auf der Strecke Hamburg–Hannover am Abend frei zu bekommen, wie ein Sprecher am Nachmittag sagte. Zur Strecke nach Berlin wollte er keine Prognose abgeben.

Lange Warteschlangen am Hauptbahnhof

In langen Schlangen standen Reisende vor den Bahn- und Informationsschaltern. Auch vor dem Gebäude bildeten sich Menschenmassen. Die Bahn bot Taxifahrten nach Berlin, Bremen, Hannover oder Schwerin an. Die Reisenden mussten sich dafür einen Taxigutschein holen und konnten dann mit je drei anderen losfahren. Allerdings gab es auch für die Coupons längere Schlangen, und es standen auch nicht sofort Taxis des Bahn-Vertragspartners bereit. Andere Reisende versuchten, sich privat zu organisieren und vor dem Bahnhof Mitfahrer für Taxis zu finden. Eine Fahrt nach Berlin wurde etwa für 600 Euro angeboten.

Metronom gibt Reisewarnung heraus

Die Metronom Eisenbahngesellschaft hat am Freitag um 13.30 Uhr eine "Reisewarnung" herausgegeben, wie es das Unternehmen selbst nennt. "Wir bitten alle Fahrgäste, heute und am Wochenende auf Bahnreisen zu verzichten", teilte das Unternehmen mit. Es sei nach wie vor nicht absehbar, wann die Strecken wieder zuverlässig befahren werden können. "Die Kapazitäten der eingesetzten Busse sind vollkommen ausgeschöpft, die großen Bahnhöfe sind überfüllt", heißt es weiter. Zusätzliche Busfahrten könnten nicht eingerichtet werden.

Ein kleiner Trost für Fahrgäste, die bereits Tickets haben: Fahrkarten, die gestern und heute nicht genutzt werden konnten, sind bis zum 15. Oktober gültig oder können über Fahrgastrechte erstattet werden. Zudem weist die Metronom Eisenbahngesellschaft darauf hin, dass die Angaben zu den Zügen des metronom, erixx und enno in der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn inklusive der App falsch seien. "Diese entsprechen nicht den tatsächlichen Daten des Metronom", teilte das Unternehmen mit. Die richtigen Informationen gebe es unter www.metronom.de, www.erixx.de und www.der-enno.de oder auf der jeweiligen Facebook-Seite.

Diese Züge sind betroffen

Die Strecke der Züge RE 5 Cuxhaven – Stade - Hamburg ist bis mindestens Sonnabend gesperrt. Die Buskapazitäten zwischen Cuxhaven und Stade seien erschöpft. Die Strecke der Züge RE4 / RB41 Hamburg – Rotenburg - Bremen ist ebenfalls bis mindestens Sonnabend gesperrt. Ab Buchholz ist eine Weiterfahrt momentan nicht möglich. Die Buskapazitäten zwischen Hamburg und Bremen sind auch erschöpft. Zudem ist die Strecke der Züge RE2 Uelzen – Hannover bis voraussichtlich 19.30 Uhr gesperrt. Die Züge RE3 / RB31 Uelzen – Lüneburg – Hamburg fahren mit leichter Verspätung, die Strecke der Züge RE2 Hannover – Göttingen ist frei, Züge fahren mit Verspätungen von bis zu 20 Minuten.

CDU: Chaos beim Nahverkehr unverständlich

Einen Tag nach dem Sturm "Xavier" übt die CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg massive Kritik am Nahverkehr. Auch für die Busse und Bahnen in Hamburg sei das Wetter grundsätzlich ein unkalkulierbarer Faktor, räumt der CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering ein. "Es darf aber nicht sein, dass dieses zu einem riesigen Chaos im öffentlichen Personennahverkehr führt." Das A und O in solchen Situationen seien zügige und verbindliche Informationen für die Gestrandeten. "Dass es diese gestern nur unzureichend gab und teilweise die Internetseiten zusammengebrochen sind, ist im 21. Jahrhundert nicht zu akzeptieren", sagt Thering. Der CDU-Politiker fordert, dass die Verkehrsunternehmen umgehend prüfen sollten, welche Bäume in Streckennähe in ihrer Standfestigkeit gefährdet und entbehrlich sind. Thering: "Darüber hinaus muss die Planung von Schienenersatzverkehren mit Bussen dringend verbessert werden.“

Eine Tote, mehrere Verletzte: Die Bilanz der Polizei Hamburg

Durch umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste sind in Hamburg mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt worden, eine 54-jährige Frau verstarb noch am Unfallort; Insgesamt gingen bei der Polizeieinsatzzentrale zwischen 13 und 16 Uhr fast 1000 Anrufe ein, die Polizei rückte zu mehr als 530 Einsätzen aus: Das ist die Kurzfassung der Sturm-Bilanz der Hamburger Polizei. Die 54-Jährige, die an der Manshardtstraße in Horn ums Leben kam, war Beifahrerin in einem Renault Twingo. Als ein Baum auf das Auto stürzte, erlitt sie tödliche Verletzungen. Die 56-jährige Fahrerin kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.

An der Pinneberger Chaussee in Eidelstedt stürzte ein Baum auf zwei fahrende Wagen. Während der 70-jährige Fahrer des VW sich unverletzt aus seinem Fahrzeug befreien konnte, wurde die 46-jährige Fahrerin des Kia in ihrem Auto eingeklemmt und musste durch die Feuerwehr befreit werden. Sie kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.

An der Knoopstraße in Harburg stürzte ein größerer Ast eines etwa 20 Meter hohen Baumes auf zwei 25 und 50 Jahre alte Frauen, die sich auf dem Gehweg befanden. Die Frauen erlitten Kopfverletzungen, die 50-Jährige wurde schwer, die 25-Jährige leicht verletzt.

Feuerwehr Hamburg mit Sturmschäden beschäftigt

Nach wie vor beschäftigt die Hamburg Feuerwehr der Sturm "Xavier": Die Einsatzkräfte müssen am Freitag Sturmschäden beheben und sich unter anderem um umgeknickte Bäume kümmern. Bisher habe die Feuerwehr 180 Einsätze gehabt, bei denen es um Nachwirkungen des Sturms ging, teilte die Feuerwehr um 11.45 Uhr via Twitter mit.

S21 fährt wieder

Die S-Bahn-Linie 21 verkehrt wieder zwischen Aumühle und Bergedorf.

Wartenschlange am Hauptbahnhof – Taxigutscheine für Reisende

Noch immer stehen viele Reisende am Hamburger Hauptbahnhof in langen Schlangen vor den Bahnschaltern. Die meisten Fernzüge fuhren aber am Freitagvormittag noch nicht wieder. Die Bahn bot deshalb Fernreisenden Taxifahrten nach Berlin, Bremen, Hannover oder Schwerin an. Sie mussten sich dafür einen Taxigutschein holen und konnten dann mit je drei anderen losfahren. Allerdings gab es auch für die Gutscheine längere Schlangen, und es standen auch nicht sofort Taxis bereit. Viele Reisende zeigten sich aber erleichtert, dass sie nach langem Warten endlich abreisen konnten.

Kleiner Seehund rettet sich vor „Xavier“

Ein etwa fünf bis sechs Monate alter Seehund hat sich am Donnerstag vor dem Sturm „Xavier“ aus der Dove-Elbe im Süden Hamburgs an Land gerettet. Das Jungtier robbte auf den Moorfleeter Deich, wo ihn Passanten aufsammelten und Jagdreviermeister Olaf Nieß informierten. Der Seehund konnte sich in einem beheizten Raum erholen. Die Beteiligten der Rettungsaktion tauften die 70 bis 80 Zentimeter lange Robbe – dem Wetter entsprechend – auf den Namen „Stormy“. Sie hat offenkundig durch den Ausflug keine schweren Verletzungen erlitten. „Stormy“ soll voraussichtlich noch ein bis zwei Wochen auf der Station bleiben.

Hauptstrecken der Bahn nach wie vor gesperrt

Im Norden und Osten der Republik sind die wichtigsten Fernverkehrsstrecken am Freitagvormittag noch immer gesperrt, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Die Bahntrassen würden derzeit mit Hubschraubern abgeflogen, um festzustellen, wo der Sturm Schäden angerichtet hat, sagte eine Sprecherin. Außerdem seien überall fahrbare Hebebühnen unterwegs, um heruntergerissene Oberleitungen wieder instand zu setzen. Frühestens am Freitagmittag könne die Bahn eine Prognose abgeben, wie es mit dem Zugverkehr weitergehe. Es stünden keine Züge mit Fahrgästen auf offener Strecke, teilte sie mit.

Nach wie vor gesperrt sind unter anderem die Routen Berlin-Hannover, Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Berlin-Leipzig und Osnabrück-Hamburg. Aus Basel und München kommende ICE fuhren nicht bis Hannover, Hamburg oder Berlin, sondern wendeten bereits in Kassel-Wilhelmshöhe. Andere ICE aus dem Süden kehrten in Dortmund um, statt bis nach Bremen und Hamburg weiterzufahren.

Zugtickets von gestern auch heute noch gültig

Fahrgäste der Deutschen Bahn, die am Donnerstag aufgrund des Sturms unfreiwillig an Bahnhöfen gestrandet sind, können ihr Ticket auch am heutigen Freitag noch nutzen. "Zugtickets mit Gültigkeit von Donnerstag, 5. Oktober, können am heutigen Freitag ohne weitere Bescheinigung für Reisen genutzt werden", teilte die Deutsche Bahn mit. Diese Regelung gelte auch für Tickets mit Zugbindung. Wer auf die weitere Reise mit der Bahn verzichten möchte, kann sein Ticket ohne Gebühr zurückgeben. Dabei handelt es sich um "freiwillige Kulanzregelungen der Deutschen Bahn". Darüberhinaus können Fahrgäste auch die gesetzlichen Fahrgastrechte in Anspruch nehmen.

Nach Angaben der Bahn waren während der Nacht Hunderte Mitarbeiter mit 20 Reparaturzügen im Dauereinsatz, um die blockierten Strecken von umgestürzten Bäumen freizuräumen und Oberleitungen zu reparieren.

Dieselzug pendelt auf gesperrter S3-Strecke

Da die Arbeiten an der beschädigten Oberleitung auf der S3-Strecke zwischen Neugraben und Stade noch andauern, kommt nun ein Dieselzug auf diesem Abschnitt zum Einsatz. Dieser pendelt unregelmäßig.

Zahl der Feuerwehr-Einsätze rekordverdächtig

Die Feuerwehr Hamburg hat die Zahl ihrer Einsätze am gestrigen Donnerstag nach oben korrigiert. Sie ist 2216-mal ausgerückt, also zweimal mehr als bisher bekannt. Das sei "rekordverdächtig", teilte die Feuerwehr via Twitter mit.

„Xavier“ beschert 1000 Bahnreisenden Nacht in Kassel

Rund 1000 Reisende sind wegen des starken Sturms über Norddeutschland am Donnerstag am Kasseler Hauptbahnhof und in Kassel-Wilhelmshöhe gestrandet. Wie die Bahn am Freitag mitteilte, handelte es sich um die Insassen von insgesamt vier ICE und einem IC, der zudem eine Reisegruppe mit vielen Fahrrädern an Bord hatte. Weil der Fernverkehr in Richtung Norden wegen des Sturmtiefes „Xavier“ eingestellt worden war, war an den beiden Bahnhöfen war für die betroffenen Fahrgäste Endstation.

Für die Gestrandeten hatte die Bahn Übernachtungszüge bereitgestellt. Dort wurden sie mit Kaffee, Tee und alkoholfreien Getränken versorgt. Gegen 5 Uhr am Morgen mussten sie die Züge jedoch wieder verlassen, da sie für den normalen Verkehr benötigt wurden. Bis auf den IC hatten alle gestrandeten Züge die Stadt am Freitagmorgen wieder verlassen können. Die Verbindung nach Hamburg sowie die Strecken über Hannover und Berlin waren auch am Morgen noch unterbrochen.

Zugverkehr weiterhin stark eingeschränkt

Auf der Strecke der Züge RE5 Cuxhaven – Stade - Hamburg ist nach wie vor kein Zugverkehr möglich, ebenso wie auf der Strecke der Züge RE4 / RB41 Hamburg – Rotenburg - Bremen. Die Züge des RE3 / RB31 Lüneburg - Hamburg fahren am Freitagmorgen nur eingeschränkt und mit Verspätung, ebenso wie die Züge RE3 / RB31 Uelzen - Lüneburg. Gesperrt ist nach wie vor die Strecke RE2 Uelzen – Hannover. Freie Fahrt ist hingegen auf der Strecke des RE2 Hannover – Göttingen. Hier kommt es jedoch zu Verspätungen von bis zu 30 Minuten.

Teilstrecken der S3 und S21 gesperrt

Bei der S-Bahn in Hamburg sind wegen Unwetterschäden die Teilstrecken der S21 zwischen Bergedorf und Aumühle und bei der S3 zwischen Neugraben und Stade gesperrt. Auf diesen Strecken sind Ersatzbusse im Einsatz.

Feuerwehr verzeichnet mehr als 2200 Einsätze

Die Feuerwehr Hamburg musste wegen des heftigen Sturms am Donnerstag insgesamt 2214-mal ausrücken. Auch heute müssen sich die Feuerwehrleute weiterhin um Sturmschäden kümmern.

Hamburg kann „großen Teil“ des Nahverkehrs anbieten

In Hamburg kann am Freitag ein großer Teil des öffentlichen Nahverkehrsnetzes wieder genutzt werden. Dies erklärte ein Sprecher der Deutschen Bahn in der Nacht zum Freitag. Pendler im Berufsverkehr müssten sich aber weiter auf Verspätungen einstellen, „weil viele Züge durch den Sturm nicht da stehen, wo sie eigentlich stehen müssten, wenn sie starten“, sagte der Sprecher. Er stellte klar: „Es wird Verspätungen geben.“ Besondere Beeinträchtigungen werde es auf der S2, auf der ohnehin Bauarbeiten laufen, und der S3 geben. Die S1 konnte am Donnerstag kurz vor Mitternacht wieder komplett in Betrieb genommen werden.

"Xavier" sorgt für 1200 Einsätze der Feuerwehr

In Hamburg gab es zehn Verletzte, wie Feuerwehrsprecher Werner Nölken sagte. Die meisten S- und U-Bahnlinien hatten gegen 16.30 Uhr zumindest im Hamburger Stadtgebiet wieder den Verkehr aufgenommen. Die HVV-Internetseite war ebenfalls gestört. Bis 19.30 Uhr gab es nach Feuerwehrangaben 1200 Einsätze. 20-mal mussten Bahngleise von Bäumen befreit werden.

Viele Zugstrecken sind noch gesperrt

Reisende und Pendler müssen auch einen Tag nach Sturmtief „Xavier“ mit Zugausfällen, erheblichen Verspätungen und langen Wartezeiten an Bahnhöfen rechnen. „Leider gibt es immer noch große Beeinträchtigungen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Freitag. „Wir konnten in der Nacht nicht alle Oberleitungen und Schieneninfrastruktur reparieren.“ Weiterhin sind die Strecken Hannover-Berlin, Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Leer-Berlin, Bremen-Wunstdorf, Hamburg-Kiel und Hamburg-Westerland nicht befahrbar. Einige dieser Verbindungen könnten im Laufe des Tages wieder freigegeben werden. Die Bahn rät, Durchsagen zu beachten und die Online-Fahrpläne zu checken.

Die Strecken Rheine-Norddeich, Kassel-Wilhelmshöhe nach Hannover sind inzwischen wieder frei. In Kassel-Wilhelmshöhe mussten gestrandete Leute in Übernachtungszügen schlafen. In Niedersachsen sind die Strecken der Züge RE5 zwischen Cuxhaven und Hamburg, RE4 und RB41 zwischen Hamburg und Bremen voraussichtlich bis weit in den Tag hinein gesperrt. Bei der RE3 und der RB31 zwischen Lüneburg und Hamburg ist mit Verspätungen zu rechnen. Die Haltestellen Radbruch und Bardowick können nicht angefahren werden. Die Strecke zwischen Uelzen und Lüneburg ist noch ganz gesperrt. Die Bahn rechnet damit, dass sie gegen 6.30 wieder befahrbar ist, allerdings ebenfalls mit Verspätungen. Die R2 fährt zwischen Uelzen und Hannover nicht und zwischen Hannover und Göttingen ist mit Verspätungen zu rechnen.

Kein Zugverkehr zwischen Wolfsburg und Hannover

Bei der RE50 ist die Strecke zwischen Braunschweig und Hildesheim gesperrt und auf der Teilstrecke Hildesheim – Braunschweig fahren Züge mit Verspätung. Zwischen Wolfsburg und Hannover ist mit der RE30 kein Zugverkehr möglich.

Auch der S-Bahnverkehr in Hannover ist eingeschränkt: Die Strecke S4 zwischen Bennemühlen und Hannover ist noch nicht befahrbar. Auch die S6 zwischen Hannover und Celle und die S7 zwischen Hannover und Celle fallen aus. Die S2 verkehrt bis Wunstorf von Haste über Hannover. Auf der Linie S5 von Hameln/Bad Pyrmont nach Hannover Flughafen ist mit Verspätungen zu rechen.

Beeinträchtigung im Bahnverkehr um und nach Bremen

In Bremen fahren keine Züge der Nordwestbahn um und nach Bremen. Betroffen sind die Strecken von Bremen nach Oldenburg, Verden, Bremerhaven und nach Diepholz fallen Züge voraussichtlich den ganzen Tag aus, weil die Gleise immer noch nicht freigeräumt sind. In und um Bremen sind Busse und die Straßenbahn im Einsatz. In Mecklenburg-Vorpommern fahren mindestens bis 10.00 Uhr keine Züge zwischen Schwerin und Hamburg. Auch auf Strecken wie Ludwigslust-Schwerin und Pasewalk-Bützow gibt es Ausfälle.

In Hamburg und Schleswig-Holstein ist auf der Strecke zwischen Neumünster und Hamburg der Bahnbetrieb zwischen Elmshorn und Hamburg eingestellt.

Die Straßen sind in Norddeutschland weitgehend wieder befahrbar. Die meisten Bäume sind weggeräumt. In Hamburg hatte die Feuerwehr in der Nacht mehr als ein Dutzend Einsätze wegen überfluteter Keller. Sie erwarten noch mehr Einsätze. Das Sturmtief hatte am Donnerstag mindestens sieben Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Am späten Abend entspannte sich zumindest die Wetterlage. Beim Verkehr ist eine Beruhigung der Situation noch nicht absehbar.

Sturm fordert sieben Todesopfer

Das Tief "Xavier" und der heftige Sturm und starke Regen haben am Donnerstag sieben Todesopfer in Deutschland gefordert: in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin.

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( coe/maj/dpa )

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