Hamburg

Wassersport-Messe Hanseboot streicht die Segel

Die Hanseboot hatte zuletzt mit rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen

Die Hanseboot hatte zuletzt mit rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen

Foto: Axel Heimken / dpa

Ausstellung findet im Oktober letztmals statt – zu Nostalgiepreisen. Eine Nachfolgeveranstaltung könnte 2019 kommen – auf dem Wasser.

Hamburg. Nach der Verbraucherausstellung „Du und deine Welt“ kippt die Hamburg Messe eine weitere Traditionsveranstaltung: In diesem Jahr findet die „Hanseboot“ zum letzten Mal statt. „Wir haben uns nach langer und sorgfältiger Prüfung entschlossen, die Hanseboot einzustellen“, sagte Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC).

Zuletzt sei die Wassersport-Schau ein „Zuschussgeschäft“ gewesen, erklärte er. Die Probleme der Branche, ausgelöst durch die Finanzkrise 2008, hätten sich auch in sinkenden Aussteller- und Besucherzahlen auf der Hamburger Messe bemerkbar gemacht. So habe man im Jahr 2007 knapp 800 Aussteller und 105.000 Besucher verzeichnet, während im vorigen Jahr nur noch rund 500 Firmen ihre Produkte zeigten und gut 60.000 Gäste kamen.

Preis wie vor 56 Jahren

Vor 56 Jahren öffnete erstmals eine Bootsausstellung in Hamburg ihre Tore, zunächst hieß sie aber noch nicht Hanseboot. Besucher zahlten 1961 für ihre Eintrittskarte sechs D-Mark – und in Erinnerung daran werden die Tickets der letzten Sportbootmesse in den Hamburger Hallen drei Euro pro Person kosten. Zum Vergleich: Der reguläre Preis lag zuletzt bei 13 Euro.

Das Ende der Traditionsveranstaltung, die in diesem Jahr vom 28. Oktober bis zum 5. November stattfindet, sei sicher nicht nur für das Messeteam „mit Emotionen verbunden“, sagte Aufderheide. „Aber wir wollen eine tolle Abschiedsvorstellung geben.“

Nachfolgeveranstaltung auf dem Wasser?

Allerdings arbeitet der Messechef schon an Plänen für einen Neustart der Wassersport-Schau in anderem Gewand: Im Spätsommer 2019 soll eine so genannte „In-Water Boat Show“ auf der Elbe „im Umfeld der HafenCity“ Premiere haben. Solche Veranstaltungen, bei denen die Boote in ihrem Element gezeigt werden, fänden europaweit immer mehr Zuspruch bei Ausstellern und Besuchern, so Aufderheide. Das gelte auch für die von der HMC ausgerichtete „Hanseboot ancora boat show“ in Neustadt an der Ostsee mit zuletzt 16.000 Besuchern.

Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos), selbst ein passionierter Segler, unterstützt nach eigenen Angaben die Idee einer neuen Wassersportveranstaltung in Hamburg. An den Planungen sind die Hamburg Messe, die Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA), die Hamburg Tourismus GmbH und die HafenCity GmbH beteiligt. Die Veranstaltung soll von 2019 an nicht wie bisher in der Halle stattfinden, sondern direkt am Wasser und auf dem Wasser. Das sei ein „zeitgemäßes Format“, das sehr gut zu Hamburg passe, erklärt der Senator.

Branche konzentriert sich auf Düsseldorf

Nicht nur in der Hansestadt war es zuletzt kein Erfolgsrezept mehr, dem Publikum die Motor- und Sportboote in Messehallen zu präsentieren. Einer der Gründe dafür ist nach Angaben von Hamburg-Messe-Chef Bernd Aufderheide der enorm hohe Aufwand, die Ausstellungsstücke über Land an den jeweiligen Messeort zu bringen. Der Niedergang der Hamburger Traditionsveranstaltung hängt aber nicht zuletzt mit dem Zustand der Wassersportbranche zusammen. Abgesehen vom fehlenden Nachwuchs an Hobbykapitänen habe die Finanzkrise 2008 einen heftigen Schrumpfungs- und Konzentrationsprozess unter den Yacht-Herstellern ausgelöst, so Aufderheide. „Bei schrumpfenden Marketingbudgets setzt man aber verstärkt auf den Marktführer unter den Branchenmessen – und das ist nicht die Hanseboot.“ Mit zuletzt mehr als 240.000 Besuchern und gut 1800 Ausstellern ist die „Boot Düsseldorf“ nach eigenen Angaben die bedeutendste Wassersportmesse der Welt.

Im vorigen Jahr sind die Besucherzahlen der Hanseboot trotz veränderter Öffnungszeiten (an Werktagen bis 20 Uhr) abermals gesunken. „Diese Tendenz ist aus unserer Sicht kaum umkehrbar“, sagt Aufderheide. Darum habe sich die Messe-Geschäftsführung entschlossen, die verlustbringende Bootsschau in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden zu lassen: „Auch als öffentliches Unternehmen wollen wir so wirtschaftlich wie möglich arbeiten.“

Die Auslastung der Messehallen werde im kommenden Jahr trotz des Wegfalls der Hanseboot nicht leiden, ist Aufderheide überzeugt. Die Lücke könne mit Gastveranstaltungen problemlos – und vor allem profitabel – gefüllt werden.

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