Hamburg

Wie Altona seinen Fischmarkt schützen will

Ein Mitarbeiter filetiert einen Fang in einer Halle des Hamburger Fischmarkts. 750 Beschäftigte arbeiten dort an der Elbe in der Fischwirtschaft

Ein Mitarbeiter filetiert einen Fang in einer Halle des Hamburger Fischmarkts. 750 Beschäftigte arbeiten dort an der Elbe in der Fischwirtschaft

Foto: picture-alliance/ dpa

„Sondergebiet“ für Kühlhallen, Verarbeitung und Handel mit Spezialitäten: Bezirk plant, Hafen an der Großen Elbstraße zu erhalten.

Hamburg.  Mancher in Hamburg kennt den Straßenzug an den langen Backstein-Hallen noch als dunkles Hafenareal, wo sich abends die Damen in den ganz kurzen Röcken am Autostrich anboten. Erst spät in der Nacht wurde hier anders gearbeitet, wenn die Fischkutter und großen Trawler festmachten, Männer in den Ladeluken auf Eis standen und den Kabeljau und Seelachs in Kisten hievten, die dann in der großen Auktionshalle lautstark an den Großhandel verkauft wurden.

„Ab 9 Uhr morgens war das dann wieder tot hier“, erinnert sich Thomas Hachmeister, der diese Zeit noch als Lehrling erlebt hat. Kaum jemand verirrte sich dann hierher in den Fischereihafen, schon gar keine Touristen. Heute ist Hachmeister Immobilienchef bei der städtischen Fischmarkt Hamburg-Altona GmbH, der die alten Markt- und Packhallen an der Großen Elbstraße in Altona-Altstadt gehören. Er hat viel damit zu tun, dass sich der alte Fischereihafen ziemlich gewandelt hat – obwohl die Fischwirtschaft immer noch prägend ist. Allerdings kommt die Ware nicht mehr mit dem Schiff, sondern mit dem Lkw. Kutter machen schon seit den 1980er-Jahren nicht mehr fest.

Ansiedlung eines Weinhandels war schwierig

In der alten Markthalle verkaufen jetzt – immer noch nachts – Großhändler Kabeljau, Seelachs, aber auch viele exotische Meeresfrüchte an Einzelhändel und Gastronomen. In den alten Packhallen werden Fische filetiert oder in Marinaden gelegt. Spezialisiert ist der Fischmarkt Hamburg auf eher exotische Produkte. „Handgetauchte Jacobsmuscheln“ bekommt man hier ebenso wie die riesigen arktischen Königskrabben oder Thunfisch, der vor Sri Lanka gefangen wurde.

750 Beschäftigte arbeiten dort an der Elbe in der Fischwirtschaft, 14 Prozent der gesamten Fischversorgung Deutschlands werden über Hamburg gehandelt, sagt der Chef des Unternehmen, Matthias Funk. Man könnte auch sagen, dass zwischen den dunklen Backsteinen der wahre Hamburger Fischmarkt ist und nicht ein paar Hundert Meter weiter, wo sonntagmorgens Bananen und Blumen an Touristen verkauft werden. Aber längst haben sich die Betriebe am Fischmarkt Altona auch auf den Direktverkauf verlegt.

Autostrich ist verschwunden

Als zweites Standbein haben die meisten Großhändler zudem Imbisse eröffnet. Immer mit Fisch. Restaurants zogen an die Große Elbstraße, mittags sind die Läden voll mit Beschäftigten aus den nahen Büros. Touristen vom Kreuzfahrtterminal schlendern vorbei an den Läden, auch abends trifft man sich im Fischrestaurant. Auch Feinkost- und Spezialitätenläden haben hier eröffnet, und manche Werbeagentur schätzt das Ambiente, das die Vergangenheit noch immer erahnen lässt.

Der Autostrich aber ist verschwunden, nur ein verstecktes Wandbild erinnert noch an diese Zeit. Der Fischmarkt Hamburg-Altona ist längst nicht nur Fischmarkt, sondern auch so etwas wie eine sehr spezielle Gastromeile geworden. Aber genau das ist das Problem, um das derzeit in Altona gerungen wird. Die Politik will die Fischwirtschaft dort vor allzu großen Veränderungen bewahren.

Das Areal soll nun zu einem Sondergebiet „Fisch- und Hafenwirtschaft“ erklärt werden, in dem ziemlich genau festgelegt wird, welche Betriebe dort sein dürfen und welche nicht. Fisch-Imbiss geht, Dönerbude nicht – so ungefähr ist die Richtung. Auch Bekleidungsgeschäfte oder Supermärkte sollen ausgeschlossen werden – denn die Lage direkt an der Elbe macht auch Investoren neugierig. „Wir wollen das Gebiet so erhalten, wie es ist, und es darf auch keine reine Gastromeile werden“, sagt Altonas SPD-Bezirksfraktionschef Thomas Adrian.

Auch die Fischmarkt Hamburg-Altona GmbH will das nicht, wie ihr Chef Funk sagt. Das städtische Unternehmen ist Teil der Branche, bietet auch Tiefkühlhallen und einen Verarbeitungsservice für Fischprodukte an. Funk plädiert für „ausreichend Spielraum“, wie er sagt. Das Korsett der Beschränkungen dürfe nicht zu eng sein, damit die Fischwirtschaft überleben könne. Feinkost und Spezialitäten – das habe man bewusst angesiedelt.

Erste Vorlage ist durchgefallen

Einzelhändler sollen eben nicht nur ihren Fisch hier kaufen können, sondern andere Produkte gleich mit. Doch schon die Ansiedlung eines Wein-Großhandels gestaltete sich schwierig, weil Behörden mit Blick auf das geplante Sondergebiet nicht mitspielten.

Noch ist offen, wie genau die Sondergebietsregelung ausfallen wird. Eine erste Vorlage der Behörden fiel jetzt in der Altonaer Bezirkspolitik durch. Sie sei noch „zu schwammig“ formuliert, um den Fischmarkt als Fischmarkt zu erhalten, sagt SPD-Politiker Adrian. Aber einen grundsätzlichen Konflikt sieht er deshalb nicht: „Eigentlich wollen wir das Gleiche“, sagt er.