Bundestagswahl

Google-Suche nach Politikern: Hamburgerin mit Rekordanstieg

Kandidaten der zweiten Reihe verzeichnen höchste Zuwächse bei Anfragen. Ein Skandal brachte eine Hamburgerin nach ganz vorn.

Hamburg. Eigentlich haben sie nur geringe Chancen auf einen Wahlerfolg oder einen prominenten Posten im Parlament – doch im Netz schlägt für viele Bundestagskandidaten aus der zweiten Reihe derzeit trotzdem die große Stunde. Eine jetzt veröffentlichte Auswertung der Nutzeranfragen des Suchmaschinenanbieters Google zu allen der rund 45.000 Bundestagskandidaten zeigt, dass vor allem unbekannte Gesichter für einen großen Zuwachs im Suchinteresse sorgen – darunter auch zwei Hamburger Politikerinnen sowie eine schleswig-holsteinische Kandidatin. Zwei der norddeutschen Frauen führen das Ranking sogar deutlich an.

Die unangefochtene Spitzenreiterin nach Suchinteresse ist demnach die Hamburger Studentin und Linkspolitikerin Sarah Rambatz. Mit einer bundesweiten Steigerung von 20.421 Prozent führt die 24-Jährige die Liste eindeutig an. Auch in der Suchregion Hamburg war das Interesse an Rambatz mit einer Steigerung der Anfragen um 2161 Prozent am höchsten im Vergleich mit allen anderen Politikern. Der Grund: Die Bundestagskandidatin hatte mit einem Facebook-Post Anfang September für bundesweites Aufsehen gesorgt. Darüber hatte das Abendblatt zuerst berichtet. In dem Posting bat Rambatz die Mitglieder einer Facebookgruppe um antideutsche Filmtipps und um die Nennung von Filmen, in denen „Deutsche sterben“. Im Zuge des Skandals verzichtete die Politikerin auf ihre Kandidatur auf Listenplatz 5 der Hamburger Linken und erhielt Morddrohungen aus der rechten Szene.

Bei der schleswig-holsteinischen Politikerin Melanie Bernstein sorgt hingegen ein trauriger Anlass für den enormen Anstieg um rund 5500 Prozent im Nutzerinteresse an ihrer Person: Ihr Mann, der langjährige CDU-Landespolitiker Axel Bernstein, war im August diesen Jahres mit nur 43 Jahren nach einem Sturz verstorben. Trotz der Trauer um ihren Gatten sorgte die Witwe dann aber für eine Überraschung, die größere mediale Beachtung fand: Denn trotz des gerade erst erlittenen Verlustes will die 40-Jährige nach der Wahl am Sonntag weiterhin als Abgeordnete in den nächsten Bundestag einziehen. Für ihren Heimatwahlkreis wurde sie von der CDU als Direktkandiatin nominiert. Ihre Präsenz im Internet könnte ihr dabei durchaus behilflich sein: Im Google-Ranking belegt sie aktuell den zweiten Platz.

Per App in den Bundestag

Ganz ohne Skandalerfahrung oder einen dramatischen Verlust hat es die Hamburger FDP-Politikerin Ria Schröder unter die Spitzenplätze im Ranking geschafft. Sie belegt in der Google-Statistik immerhin noch den zwölften Platz. Bei der Direktkandidatin der Liberalen aus Eimsbüttel ist das Suchinteresse allerdings ebenfalls durch die sozialen Medien gestiegen: Über die App Jodel, bei der Nutzer anonym Nachrichten und Beiträge an andere Teilnehmer im näheren Umkreis versenden können, spricht die Nachwuchspolitikerin vor allem junge Menschen in der Region an. Diese ungewöhnliche Wahlkampfstrategie der gebürtigen Rheinländerin hat in den sozialen Netzwerken auch überregional Interesse geweckt und für ein Plus bei den Google-Suchen gesorgt.

Die Aussagekraft des Rankings für den politischen Erfolg oder die tatsächliche Beliebtheit der Newcomer ist allerdings stark begrenzt. „Es geht um das Suchinteresse an den circa 45.000 Kandidatinnen und Kandidaten beziehungsweise darum, welche von ihnen am stärksten im Suchinteresse seit Anfang August aufgestiegen sind“, erklärt ein Google-Sprecher das Verfahren. Die Spitzenkandidaten würden naturgemäß immer noch deutlich mehr Suchanfragen generieren als das Gros der unbekannten Politikerinnen und Politiker. Bemerkenswert an der Statistik sei allerdings, dass Angela Merkel und Co. nicht mehr einen solch enormen Anstieg beim Interesse verzeichnen können – hier ziehen die Unbekannten tatsächlich an den etablierten Größen vorbei.