Ärzte

Neuer Service für Hamburger Notfall-Patienten

| Lesedauer: 4 Minuten
Christoph Rybarczyk
Notaufnahme der Asklepios Klinik Nord: In Hamburg sollen mehr Notfälle von niedergelassenen Ärzten behandelt werden

Notaufnahme der Asklepios Klinik Nord: In Hamburg sollen mehr Notfälle von niedergelassenen Ärzten behandelt werden

Foto: Picture Alliance /Bodo Marks

Kassenärztliche Vereinigung will Notaufnahmen entlasten und setzt auf mehr Hausbesuche von Ärzten. Was man jetzt wissen muss.

Hamburg. Wegen der vollen Notaufnahmen an den Hamburger Krankenhäusern haben die niedergelassenen Ärzte jetzt ein neues Konzept entwickelt, das mehr Patienten, die nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, in die richtige Praxis lotsen soll. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hamburg stellte am Dienstag einen neuen Telefonservice vor, der nach den Worten des KV-Vorsitzenden Walter Plassmann "weit über den bisherigen Notdienst hinaus" geht. Der Arztruf Hamburg unter der Telefonnummer 116 117 erweitert auch das Angebot der bestehenden Notfallpraxen in Farmsen und auf St. Pauli.

Wie eine UKE-Studie zuletzt ergeben hat (das Abendblatt berichtete), sind mehr als die Hälfte der Notfall-Patienten in vier norddeutschen Kliniken, die zu Fuß kommen, dort fehl am Platze. Prof. Martin Scherer hat ermittelt, dass sich auch jeder dritte Patient in der Notaufnahme gar nicht selbst als Notfall empfindet.

"Informationsdefizit über Notdienst in Hamburg"

KV-Chef Plassmann wies darauf hin, dass die Patienten meist nicht einschätzen können, wie schwer erkrankt sie sind. "Und es gibt ein erhebliches Informationsdefizit über den Notdienst." Der neue Rund-um-die-Uhr-Service der 116 117 soll auch in öffentlichkeitswirksamen Kampagnen ein Umdenken beim Patienten bewirken. Die KV hofft, langfristig 60.000 Patienten, also etwa jeden dritten, von der Notaufnahme in eine Praxis zu lenken.

Der Vorsitzende der Vertreterversammlung der KV, Dr. Dirk Heinrich, sagte zuletzt auf einer Veranstaltung des Krankenkassenverbandes Vdek: „Wir wollen die Zalando-Mentalität der Patienten eindämmen, denen abends einfällt, dass sie Schmerzen haben und sofort die bestgeschulten Fachärzte mit den modernsten Geräten aufsuchen wollen, die eigens für sie schon angeschaltet wurden.“

Arztruf Hamburg unter 116 117

Der neue Arztruf oder Notfallservice der KV, der ab 2018 rund um die Uhr verfügbar sein soll, funktioniert so: Unter 116 117 meldet sich ein Servicemitarbeiter, der spätestens in 30 Minuten einen Hausarzt per Telefon vermittelt. Im Zweifelsfall kann auch sofort der Rettungswagen alarmiert werden.

Der Hausarzt kann am Telefon einen ersten Befund erheben und entscheiden:

Rettungswagen rufen oder

– einen Notarzt der KV innerhalb kürzester Zeit zum Hausbesuch beim Patienten schicken oder

– den Patienten in die Notfallpraxis der KV schicken oder

– einen Termin beim Facharzt am nächsten Tag besorgen.

Portalpraxen an mehreren Krankenhäusern

Für diese dringenden Termine müssen Hamburgs Ärzte Termine freihalten. Der Patient kann sicher sein, dass sein Termin bestätigt ist, er sich nicht weiter darum kümmern muss und er "erfasst" wurde. Allerdings kann der Arzt dann in einem Stadtteil sein, zu dem der Patient mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln fahren muss.

Ab dem 1. Oktober wird an der Asklepios Klinik Harburg auch eine sogenannte Portalpraxis eingerichtet, in der Patienten begutachtet werden sollen, ehe sie in die Notaufnahme kommen. Dort wird dann entschieden, ob nicht ein niedergelassener Arzt der richtige Ansprechpartner wäre. Diese neuen Portalpraxen kommen nach und nach auch ans UKE (vermutlich 2018), in den Adolph Stift nach Reinbek (2018), ins Klinikum Nord nach Heidberg (2018) und ans Bundeswehrkrankenhaus (2020). In Reinbek und Heidberg gibt es ähnliche Praxen bereits.

Die KV weiß noch nicht, wie die Patienten den neuen Arztruf annehmen werden. Man habe sich gewünscht, dass Portalpraxen an einigen Krankenhäusern eingerichtet werden und andere Notaufnahmen von Kliniken dann geschlossen würden, so der KV-Vorsitzende Plassmann. Doch das habe die Politik nicht gewollt.

Das sagt die Gesundheitssenatorin

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagte dem Abendblatt: „Die Statistiken zeigen uns, dass viele Menschen mit ihren gesundheitlichen Problemen in die Notaufnahme der Krankenhäuser gehen, obwohl Sie mit ihren Anliegen in einer Arztpraxis besser aufgehoben wären. Diesem Trend müssen wir etwas entgegensetzen – das abgestufte Konzept des Notfalldiensts der KV ist ein großer Schritt nach vorne auf diesem Weg.“ Sie hätte die geplante Notfallpraxis für den Hamburger Osten lieber in Bergedorf als in Reinbek gesehen. Die Notaufnahme in Bergedorf bleibe unverändert bestehen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg