Hagenbecks Tierpark

Obduktion: Ist Elefantenbaby „Püppi“ verhungert?

Knapp eine Woche nach dem Tod des weiblichen Kalbs liegt der Obduktionsbericht vor. Es hatte einen Kieferbruch. Fall sei einzigartig.

Hamburg.  Das traurige Schicksal des Elefantenbabys „Püppi“ bei Hagenbecks Tierpark, das nur eine Woche alt wurde, hat nicht nur viele Hamburger berührt. Am vergangenen Wochenende hatten Pfleger das am 3. September geborene Jungtier tot in der Mutter-Kind-Box gefunden. Nun liegt das Obduktionsergebnis vor.

„Die bisherigen Untersuchungen ergaben, dass Hagenbecks jüngstes Elefantenbaby eine Fraktur im Kiefer hatte“, teilte Hagenbecks Tierpark am Freitag mit. Diese sei bereits in den ersten Lebenstagen entstanden. Nach Angaben des Tierparks könnte ein unglücklicher Sturz bei der Geburt oder ein Tritt von Mutter Salvana Grund für den Bruch gewesen sein.

Keine Schmerzen beim Kalb bemerkt

Elefantenkühe haben in den Stunden nach der Geburt noch große Schmerzen. Deshalb kommt es in dieser Situation gelegentlich zu Tritten oder Stößen. „Weder Tierärzte noch Tierpfleger konnten aber Anzeichen von Schmerzen bei dem neugeborenen Elefantenmädchen erkennen“, betont der Tierpark in seiner aktuellen Mitteilung.

Zwar hätten die Tierpfleger sicherstellen können, dass das Elefantenbaby regelmäßig trank. „Als Folge des Bruchs konnte die Kleine aber vermutlich nicht ausreichend Milch zu sich nehmen“, heißt es weiter. Die Situation sei selbst für die Experten im Tierpark nicht einschätzbar gewesen. Der Grund: Die Menge der Milch, die ein Kalb aufnimmt, kann nicht kontrolliert werden.

Laboruntersuchungen stehen noch aus

Bei der Obduktion wurden zudem eine Entzündung im Darm sowie Veränderungen an weiteren Organen gefunden. Noch ausstehende Laboruntersuchungen sollen nun zeigen, welche Erreger im Einzelnen beteiligt waren.

„Dieser Fall ist einzigartig in den vielen Jahrzehnten der Elefantenzucht bei Hagenbeck“, sagt Tierärztin Adriane Prahl. „Bei diesem Befund ist es erstaunlich, wie fit die Kleine bis zum Ende gewirkt hat.“

Mutter Salvana konnte Tochter nicht annehmen

Schon kurz nach der Geburt hatte „Püppi“, wie im Hamburger Tierpark alle neugeborenen, weiblichen Elefanten vor ihrer Taufe genannt werden, munter herumtrompetet. Der erfahrene Hagenbeck-Tierpfleger Thorsten Köhrmann hatte einen Tag nach der Geburt des neuen Elefantenbabys von einem „fidelen, kleinen“ Mädchen gesprochen. Und auch Tierarzt Michael Flügger kam zu der Einschätzung, dass es sich um „eines der fittesten Jungtiere, die wir je hatten“ handelt.

Laut Tierparkangaben hatten sich erste Auffälligkeiten direkt nach der öffentlichen Vorstellung des kleinen Elefanten gezeigt. Demnach wurden Schwierigkeiten in der Mutter-Kind-Bindung beobachtet. Anscheinend gab es Stillprobleme. Das Elefantenhaus war daraufhin für Besucher geschlossen worden, um der Herde die nötige Ruhe zu gönnen. Die 21 Jahre alte Mutterkuh Salvana sollte sich an ihr erstes Jungtier gewöhnen können. Vergebens. Salvana, die 2012 bereits ein Baby tot zur Welt gebracht hatte, habe ihre Tochter bis zuletzt nicht annehmen können.

Dass die Pfleger zufüttern, sei laut Tierparksprecherin nicht vorgesehen gewesen. Hagenbeck setzt in der Elefantenhaltung auf möglichst naturnahe Abläufe. So werden etwa Elefantengeburten unter größtmöglicher Zurückhaltung des Menschen inmitten der Tiergruppe arrangiert. Auch das nun verstorbene Jungtier kam bei einer Herdengeburt zur Welt.