Facebook-Hilferuf

Mehr als 100 Eltern wollen Baby mit Down-Syndrom adoptieren

Kleine Babyfüße auf einer Neugeborenenstation. In Hamburg ist jetzt ein Kind mit Down-Syndrom zur Addoption freigegeben worden (Symbolbild)

Kleine Babyfüße auf einer Neugeborenenstation. In Hamburg ist jetzt ein Kind mit Down-Syndrom zur Addoption freigegeben worden (Symbolbild)

Foto: imago

Suche eines Hamburgers nach neuen Eltern für ein behindertes Kind avanciert zum Internethit. Die Sozialbehörde sieht das auch kritisch.

Hamburg. Nach der öffentlichen Suche in sozialen Netzwerken nach Adoptiveltern für ein Hamburger Baby mit Down-Syndrom ist die Resonanz gewaltig. Und auch die Sozialbehörde der Stadt hat sich inzwischen eingeschaltet. Dabei steht das Amt dem ungewöhnlichen Facebook-Aufruf gespalten gegenüber.

Einerseits seien einige Sachverhalte nicht zutreffend, erläutert die Behörde. So könne der Junge rechtlich noch nicht zur Adoption freigegeben werden. Andererseits sei die Aktion im Grundsatz zu begrüßen, wenn dadurch mehr Eltern zur Adoption von Kindern mit besonderen Bedürfnissen bewegt werden könnten. Bundesweit gebe es zu wenige Bewerber.

Sogar Bewerber aus dem Ausland wollen Kind aufnehmen

Dabei gibt der Erfolg der unkonventionellen Suche recht: "Nach Auskunft der Vermittlungsstelle haben schon mehrere hundert Menschen aus der ganzen Republik und aus dem benachbarten Ausland ihre Bereitschaft zur Aufnahme des Kindes erklärt", sagt Marcel Schweitzer, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde. Der Fall sorgt bundesweit für Aufsehen.

Können Sie sich vorstellen, ein Kind mit Down-Syndrom großzuziehen?

Wie berichtet, hatte die Suche nach Adoptiveltern für den nach Abendblatt-Informationen Mitte August geborenen Jungen mit Downsyndrom viele Menschen in den sozialen Netzwerken erreicht und bewegt. In 72 Stunden wurde der Beitrag mehr als 5000-mal geteilt. Initiator des Aufrufs war Raphael Brinkert, selbst Vater eines Jungen mit Downsyndrom. Er wollte dem Jungen, dessen Eltern ihn zur Adoption freigegen hätten, eine Zukunft in einem "Heim für Schwerstbehinderte" ersparen.

Noch haben die Eltern nicht in Adoption eingewilligt

Nun stellt die Sozialbehörde aber klar: Das Kind kann noch nicht adoptiert werden. "Beide Elternteile haben noch nicht in die Adoption eingewilligt", sagt Schweitzer. Rechtlich sei das so früh nicht möglich. "Vielmehr sucht die Vermittlungsstelle noch nach einem Weg, um den Eltern ein Leben mit ihrem Kind zu ermöglichen." Richtig ist nach Abendblatt-Informationen, dass sich die Eltern an die Vermittlungsstelle gewandt und um Unterstützung gebeten haben.

Da es sich bei gewünschten Adoptionen um vertrauliche, datenschutzrelevante Informationen handelt, sieht die Behörde die öffentliche Facebook-Suche durchaus kritisch. "Weder wir noch die Adoptionsvermittlungsstelle sind damit an die Öffentlichkeit gegangen. Auch die Eltern haben, laut Auskunft der Vermittlungsstelle, mit niemandem gesprochen", sagt Behördensprecher Schweitzer. Einen Kontakt von Raphael Brinkert mit der Adptionsvermittlungsstelle habe es zuvor auch nicht gegeben.

Adoptiveltern seien "rar gesät"

Im Regelfall arbeite die Behörde vor einer Adoption mit den leiblichen Eltern. Nur wenn sich beide Elternteile ein Leben mit ihrem Kind nicht vorstellen können, sucht die Adoptionsvermittlungsstelle entweder in ihrem Bewerberpool oder überregional nach geeigneten Adoptiveltern. "Die sind eher rar gesät", gesteht Schweitzer. Dennoch gebe es keine öffentlichen Aufrufe.

Bei Adoptionsbewerbern müsse die Eignung geprüft werden, so dass sichergestellt sei, dass sie den Anforderungen, die eine Adoption eines „Kindes mit besonderen Bedürfnissen“ birgt, dauerhaft gewachsen sind. "Die Kinder werden also nicht 'freihändig' vermittelt", sagt Schweitzer. Zuständig seien die Adoptionsvermittlungsstellen am Wohnort. Bei Nichtgelingen hält der Behördensprecher auch die Aussicht auf eine Zukunft des Jungen in einem "Heim für Schwerstbehinderte" für "überzeichnet".

Paare müssen verheiratet und älter als 25 sein

Voraussetzung für eine Adoption ist, dass Paare miteinander verheiratet sein müssen. Zwingend ist, dass ein Ehepartner mindestens 25 Jahre, der andere mindestens 21 Jahre alt ist. Alleinstehende sollen das 25. Lebensjahr vollendet haben.

Wünschenswert wäre zudem, dass der Altersunterschied zwischen den Adoptiveltern und den Adoptivkindern einem natürlichen Eltern-Kind-Altersverhältnis entspricht. Persönliche Reife, Einfühlungsvermögen, Problembewusstsein sowie ein gesichertes Einkommen und ausreichend Wohnraum werden vorausgesetzt. Auch gesund sollten die Adoptiveltern sein.

Interessierte Eltern können sich an die Adoptionsvermittlungsstelle (Hamburg-Nord), Südring 30a in 22303 Hamburg wenden. Telefonisch ist die Stelle unter 040/428636180, per Mail unter adoptionsstelle@hamburg-nord.de zu erreichen.