Hamburg

Terror-Prozess: Gericht befragt Islamisten per Video

Hamburg. Es war eine besondere Zeugenbefragung vor dem Oberlandesgericht: Im Prozess gegen drei mutmaßliche „Schläfer“ der Terrorgruppe IS wurde am Dienstagvormittag ein weiterer mutmaßlicher Islamist aus einem französischen Gefängnis per Video­stream zugeschaltet. Der Vorsitzende Richter Norbert Sakuth bat den Zeugen, von seiner Reise nach Europa zu erzählen. Die drei Angeklagten sollen laut Bundesanwaltschaft auf denselben Routen wie Ismael H. nach Europa gekommen sein. Er sei nach einer Waffenausbildung in Syrien im Herbst 2015 explizit nach Frankreich geschickt worden, sagt Ismael H. „Ich hatte einen Auftrag. Wenn der IS etwas befiehlt, dann macht man das auch.“ Er habe in der IS-Hochburg Rakka 3000 Dollar in bar und ein Handy erhalten, auf dem nur zwei Telefonnummern und der Messenger-Dienst „Telegram“ gespeichert waren.

Gemeinsam mit drei weiteren Männern sollte sich Ismael H. als Flüchtling ausgeben und nach Frankreich begeben. Über seinen genauen Auftrag und seine Befehlsgeber will Ismael H. am Dienstag nicht sprechen. „Da sind sehr viele Leute bei Ihnen im Saal und ich habe Angst um mich“, sagt er in die Kamera.

Zunächst sei seine Gruppe mit einem Transporter in das türkische Izmir gefahren, wo er einen gefälschten Pass erhielt. Über Mazedonien, Serbien, und Kroatien gelangte Ismael H. nach Österreich, wo er „Angst“ bekommen habe und sich Polizisten offenbarte. Er wurde festgenommen und später nach Frankreich ausgeliefert. Dort wartet er nun auf seinen Prozess.

Die drei Angeklagten Ibrahim M. (19), Mohamed A. (26) und Mahir Al.-H. (18) waren in Flüchtlingsunterkünften in Reinfeld, Ahrensburg und Großhansdorf festgenommen worden. Die jungen Männer sollten entweder „einen erhaltenen Auftrag ausführen oder weitere Weisungen abwarten“, so der Generalbundesanwalt. Die Anklage fußt jedoch vor allem auf Indizien, Verteidiger sprechen von „politischem Druck“, der die Ermittler angetrieben habe.