Elmshorn

Neutrale Begriffe – aus Rednerpult wird Redepult

Gleichstellungsbeauftragte in Elmshorn will geschlechtergerechte Wörter in der Verwaltung einführen

Elmshorn.  Das gute alte Rednerpult soll im Elmshorner Rathaus (Kreis Pinneberg) bald ausgedient haben – zumindest in der Sprache. Die neue städtische Gleichstellungsbeauftragte Heidi Basting möchte ein paar neue Wörter einführen. Ihr Vorschlag: „Redepult“, weil das geschlechterneutral ist. Und die 56-Jährige hat noch mehr Vorschläge parat. „Sänger und Sängerinnen“ sollen zur „Singgruppe“ werden, der „Antragsteller“ zu „wer den Antrag stellt“, „jeder“ zu „alle“ und „keiner“ zu „niemand“.

„Ich befasse mich mit der Frage: Wie können wir geschlechtergerecht schreiben, ohne die Sprache zu verkomplizieren?“, sagt Basting. Sie ist die erste Gleichstellungsbeauftragte im Kreis Pinneberg, die Veränderungen der Sprache anstrebt.

In ihrer vorherigen Stelle im Frauenbüro der Stadtverwaltung Neumünster habe sie bereits, um ihre Kollegen von ihren Ideen zu überzeugen, außer einem Leitfaden einen handliches, verständliches Faltblatt verfasst – mit Erfolg, wie sie sagt.

Ihre Kollegen finden die Idee gut. „Wir nehmen Gleichstellung sehr ernst, und eine solche Umstellung kann unsere Verwaltung in dem Punkt nur noch verbessern“, sagt Elmshorns Stadtrat Dirk Moritz. Überprüft werden müsse bei einer Sprachänderung aber die rechtliche Lage. Moritz: „Bei jeder gesetzlichen Verordnung steht in den ersten Paragrafen eine Begriffsbestimmung. Hier werden Begriffe definiert, und da dürfte dann natürlich nichts verändert werden“.

Und: Es dürfe keine Verwirrungen geben, wenn Wörter bundesweit anders verwendet werden. Er bezieht sich damit beispielsweise auf die Wahlunterlagen zur Bundestagswahl, in denen von den Ländern keine Änderungen vorgenommen werden dürfen. Steht darin nur „Wähler“ statt „Wählende“, müsste sich auch die Gleichstellungsbeauftragte Heidi Basting damit abfinden.

In diesem Punkt baut Basting auf die Zusammenarbeit mit anderen Gleichstellungsbeauftragten. Und da seit Anfang April dieses Jahres in jeder Kommune in Schleswig-Holstein mit mehr als 15.000 Einwohnern eine Gleichstellungsbeauftragte in Vollzeit tätig sein muss, gebe es genügend Fürsprecher – oder Fürsprechende? –, die dieses Projekt vorantreiben und auf eine höhere, übergreifendere Ebene heben könnten.