Tierpark

Hagenbecks Elefantenbaby tot – nahm die Mutter es nicht an?

Das erst eine Woche alte weibliche Kalb ist am Wochenende gestorben. Eine Obduktion soll Klarheit über die Ursache bringen.

Hamburg.  Selten waren sie so früh so euphorisch im Tierpark. Einen Tag nach der Geburt des neuen Elefantenbabys sprach der erfahrene Hagenbeck-Tierpfleger Thorsten Köhrmann von einem „fidelen, kleinen“ Mädchen. Der sonst eher nüchterne Tierarzt Michael Flügger ließ sich angesichts des munter umhertrompetenden weiblichen Kalbs zur Einschätzung hinreißen, es sei „eines der fittesten Jungtiere, die wir je hatten“. Nichts deutete vor gut einer Woche auf eine Tragödie hin. Doch jetzt ist „Püppi“ tot.

Püppi werden im Hamburger Tierpark alle neugeborenen, weiblichen Elefanten genannt, bevor sie bei einer Taufe ihren offiziellen Namen bekommen. Dass es bei dem jüngsten Tier der Asiatischen Elefantenherde nun nicht dazu kommt, sei ein Schock für die Mitarbeiter. Nachdem das Jungtier am Wochenende tot in der Mutter-Kind-Box gefunden wurde, seien Pfleger und Team „völlig fertig“, sagte eine Sprecherin. Die Ursache sei noch nicht geklärt.

Schwierigkeiten bei der Mutter-Kind-Bindung

Das erst am 3. September geborene Elefantenkind soll nun obduziert werden. Die Tierärzte erhoffen sich durch eine anschließende Histologie nähere Hinweise zum Grund des Todes. Mit Ergebnissen werde noch in dieser Woche gerechnet. Grundsätzlich sei der Tod von neugeborenen Elefanten – wie bei anderen Säugetierarten auch – nicht ungewöhnlich. In Hagenbecks Tierpark, wo in den vergangenen fünf Jahren vier Jungtiere bei den Dickhäutern zur Welt kamen, sei ein solcher Vorfall aber „nicht alltäglich“. Zuletzt war im Juni 2012 der langjährige adulte Bulle Hussein im Tierpark an Herzversagen gestorben.

Laut Tierparkangaben hatten sich erste Auffälligkeiten direkt nach der öffentlichen Vorstellung des kleinen Elefanten gezeigt. Demnach wurden Schwierigkeiten in der Mutter-Kind-Bindung beobachtet. Anscheinend gab es Stillprobleme. Das Elefantenhaus war daraufhin für Besucher geschlossen worden, um der Herde die nötige Ruhe zu gönnen. Die 21 Jahre alte Mutterkuh Salvana sollte sich an ihr erstes Jungtier gewöhnen können. Vergebens. Salvana, die 2012 bereits ein Baby tot zur Welt gebracht hatte, habe ihre Tochter bis zuletzt nicht annehmen können.

Das Team der Elefantenpfleger sei während dieser kritischen Phase rund um die Uhr im Einsatz gewesen, hätte darauf geachtet, dass die Mutterkuh die Kleine trinken ließ. Anfangs war das Kalb sogar auf die Knie gegangen, um die Zitzen der Mutter zu erreichen. Offenbar blieb aber auch diese ungewöhnliche Technik ohne Erfolg.

Zufüttern durch Pfleger nicht vorgesehen

Dass die Pfleger zufüttern, sei laut Tierparksprecherin nicht vorgesehen gewesen. Hagenbeck setzt in der Elefantenhaltung auf möglichst naturnahe Abläufe. So werden etwa Elefantengeburten unter größtmöglicher Zurückhaltung des Menschen inmitten der Tiergruppe arrangiert. Auch das nun verstorbene Jungtier kam bei einer Herdengeburt zur Welt.

Normalerweise trinken Jungtiere der Asiatischen Elefanten bis zu 20 Liter Milch pro Tag, um wöchentlich etwa zehn Kilogramm zunehmen zu können. Dafür muss die Mutterkuh während der Stillzeit täglich etwa 300 Liter Wasser und 120 Kilogramm Futter zu sich nehmen. Zwei bis drei Jahre dauert diese intensive Mutter-Kind-Phase.

Das nun gestorbene Jungtier war die dritte Nachzucht binnen drei Jahren in einer der größten Elefantenherden Europas. Nach den beiden gesunden Kindern Anjuli (2) und Kanja (1) war „Püppi“ das Vermächtnis des im März nach München zurückgekehrten Bullen Gajendra. Von ihm sind noch zwei weitere Weibchen trächtig.

Für gewöhnlich beträgt die Lebenserwartung Asiatischer Elefanten 50 bis 60 Jahre, ihr Tod ist meist an das Ausfallen der letzten Zähne gekoppelt. Das älteste Exemplar wurde im Zoo von
Taipeh angeblich 86 Jahre alt. Immer wieder gibt es Kontroversen um die Haltung der sozialen Tiere.

Im Jahr 2008 etwa kamen britische Forscher zu dem Ergebnis, dass eingesperrte Elefanten unter vielen Krankheiten leiden. Sie seien häufig zu dick und starken psychischen Belastungen ausgesetzt. Zugrunde lagen seinerzeit die Lebensdaten von 4500 Afrikanischen und Asiatischen Elefanten in Freiheit und in Tierparks. Im vergangenen Jahr ging aus einer Studie der Universitäten Zürich und Lyon allerdings hervor, dass 80 Prozent aller Säugetierarten in Zoos länger leben als in freier Wildbahn. Schätzungen gehen davon aus, dass es weltweit noch 35.000 bis 55.000 Asiatische Elefanten gibt. Die Art wird als stark gefährdet eingestuft.