Bezirk Altona

Endspurt beim Bürgerentscheid zum Elbstrandweg

| Lesedauer: 4 Minuten
Katy Krause
Christiane Petersen und Hans-Jörg Rüstemeier stehen am Fußweg an den Lotsenhäusern Övelgönne

Christiane Petersen und Hans-Jörg Rüstemeier stehen am Fußweg an den Lotsenhäusern Övelgönne

Foto: Roland Magunia

Die Abstimmung über die künftige Planung in Övelgönne geht in die heiße Phase. Das Ergebnis liegt am kommenden Sonntag vor.

Hamburg.  Ruckartig bleibt Hans-Jörg Rüstemeier auf dem schmalen Weg zwischen den Kapitänshäusern in Övelgönne stehen. Er will das Gespräch mit Christiane Petersen abbrechen. Dabei sind gerade einmal zehn Minuten vergangen. Der Wahlkampf der vergangenen Wochen fordert seinen Tribut. Die Nerven liegen blank.

Streit um die Darstellung

Vor knapp fünf Monaten sah die Welt noch anders aus. Damals trafen sich ebenfalls Vertreter der Wegbefürworter von „Elbstrandweg für alle!“ und der Kritiker „Elbstrand retten!“ mit dem Abendblatt in Övelgönne zum Streitgespräch. In der Sache wurde hart gerungen, doch der Ton hat sich deutlich verschärft. Es geht emotionaler zu. Seither hat sich eben einiges getan.

Die Wegbefürworter haben ebenfalls ein Bürgerbegehren gestartet. Obwohl sie die dafür nötigen Stimmen noch nicht zusammen hatten, steht ihre Fragestellung beim derzeitigen Bürgerentscheid im Bezirk Altona zur Abstimmung. Das nehmen ihnen die „Strandretter“, die innerhalb von vier Wochen mehr als 10.000 Unterschriften für einen Bürgerentscheid zusammen bekamen, extrem übel. Aber es gibt auch andere explosive Themen. So entzündete sich der Streit, der nun zum Gesprächsabbruch führen könnte, an einem Wahlplakat der Initiative „Elbstrand retten!“.

Überall Plakate

Deren Plakate hängen in Övelgönne fast überall, wo viele Anwohner gegen den geplanten Fuß- und Radweg am Strand sind. An Zäunen, Türen und sogar auf dem WC des Lokals Strandperle wird um Stimmen geworben. Rüstemeier ärgert sich besonders über ein Plakat, das den umstrittenen Weg als Autobahn zeigt. „Das ist manipulativ und verfälschend“, wirft er Christiane Petersen vor. Die Sprecherin der „Elbstrandretter“ hält dagegen: „Dass ausgerechnet Sie das sagen. Ihre Plakate, auf denen man nur Strand und kaum Weg sieht, sind doch manipulativ und verfälschend. Beim Bürgerentscheid wird doch nicht über die von ihnen vorgeschlagene Strandlösung abgestimmt, sondern über den Weg.“ Ein Vorwurf, den Rüstemeier zurückweist. Nur schwer lassen sich die Wogen glätten, der Gesprächsabbruch verhindern.

Es sind die letzten Meter eines teilweise erbittert geführten Kampfes um das Für und Wider eines Strandweges. Der könnte die für Radfahrer gesperrte schmale Strecke zwischen Himmelsleiter und Museumshafen entlasten. Der Weg wäre einen Kilometer lang, würde über den Strand geführt, so der Plan des Bezirksamtes. Die Kosten wurden mit bis zu zwei Millionen Euro bislang nur grob geschätzt. Während „Elbstrand retten!“ das Naherholungsgebiet vor jeglicher Bebauung schützen will, plädiert „Elbstrandweg für alle!“ dafür, die Planungen weiterzuführen.

Schmalerer Weg geplant

Die Gruppe hat einen eigenen Vorschlag erarbeitet: einen schmaleren Weg an der Mauer entlang. Zudem will sie durch Wegnahme der Steine neuen Strand schaffen. Aufgrund der Eigentumsverhältnisse und des Flutschutzes hält die Gegeninitiative diese Lösung für unrealistisch. Die Befürworter halten dagegen.

Am 15. September um 18 Uhr ist Schluss mit dem Streit. Dann endet die Frist für die rund 200.000 Stimmberechtigten, die im Bezirk Altona zum Bürgerentscheid aufgerufen sind. Anschließend geht’s ans Auszählen. Aufgrund der großen Resonanz – bis Freitag hatten rund 70.000 ihre Stimme abgegeben – hat das Bezirksamt die Gruppe auf nunmehr 15 Zählteams à drei Personen aufgestockt. In der Behörde rechnet man damit, dass das ganze Wochenende ausgewertet wird. Die öffentliche Auszählung im Vivo-Gebäude in der Bahrenfelder Straße ist für den 16. September, von 9 und 17 Uhr, und Sonntag ab 9 Uhr angesetzt. Das Bezirksamt Altona veröffentlicht kein Zwischenergebnis, sondern dann voraussichtlich am Sonntagabend das Endergebnis.

Die Mitglieder von „Elbstrand retten!“ planen für diesen Abend ein Treffen in der Strandperle. Auch die Gegeninitiative will den Wahlkampf ausklingen lassen. Geplant ist ein Rück- und Ausblick im Ahoi Strandkiosk.

Wenn die Initiative „Elbstrandweg für alle!“ gewinnt, würden deren Mitglieder sich aktiv an der Umsetzung eines Weges beteiligen wollen. „Dann fängt die Arbeit erst an“, so Rüstemeier. Wenn sie unterliegen, kündigt er an: „Wir werden zusammen mit der Initiative von Frau Petersen an den versprochenen Alternativen arbeiten.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg