Astra

Was dagegen? Berliner Künstler kapern Hamburger Bierwerbung

Ein umgeklebtes Astra Plakat in Berlin-Kreuzberg. Die Gruppe Dies irae protestiert so in bestem Kiez-Slang gegen vermeintlichen Sexismus

Ein umgeklebtes Astra Plakat in Berlin-Kreuzberg. Die Gruppe Dies irae protestiert so in bestem Kiez-Slang gegen vermeintlichen Sexismus

Foto: Dies Irae

Aktivisten haben Reklame für Astra provokant umgedichtet, um gegen vermeintlichen Sexismus zu protestieren. Was die Brauerei sagt.

Hamburg/Berlin. Eine leicht bekleidete Frau hält ein schäumendes Bier in die Richtung des Beobachters. Direkt darüber über ihr prangt der Spruch: „Danach leckst Du Dir die Finger“. Eine typische Werbefläche der Hamburger Biermarke Astra, wie sie derzeit auf Plakatwänden in ganz Deutschland zu finden ist. Ein Exemplar des Motivs, das aktuell im Berliner Stadtteil Kreuzberg hängt, weicht aber deutlich von der ursprünglichen Fassung ab: Da wo sonst der provokante Finger-Slogan prangt, ist auf dem Plakat stattdessen der folgende Satz zu lesen: „Digga, ohne Frau als Sexobjekt bekomm wir die Plörre nicht weg.“

Auch an der abgedruckten Bierflasche im rechten Eck ist offensichtlich nachträglich gearbeitet worden. Statt des ursprünglichen "Astra Urtyp" steht hier nun die Parole „Contra Sexismus“. Das typische Ankerherz ist nach der Umgestaltung zum Symbol für Weiblichkeit geworden. Verantwortlich für die auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennenden Änderungen ist die Berliner Streetart-Gruppe „Dies Irae“ - lateinisch für „Tag des Zorns“, die ihre Aktion offensiv in den sozialen Netzwerken bewirbt.

Die lose organisierten Aktivisten, die gleich in mehreren deutschen Großstädten aktiv sind, haben das Werbeplakat „gekapert“ - wie in der alternativen Kreativszene die Übernahme von öffentlichen Werbeflächen bezeichnet wird, das sogenannte Adbusting. Mithilfe dieser Protestform will die Gruppe einerseits auf politische Missstände aufmerksam machen, andererseits allgemein gegen Werbung im öffentlichen Raum protestieren.

Kritik an Gesellschaft und Werbetreibenden

Bei der Außenwerbung der Hamburger Biermarke stören die Künstler gleich mehrere Dinge, wie sie auf ihrer Facebook-Seite erklären. „Was sagt es über eine Gesellschaft aus, die ein Bier feiert, nur weil das Logo geändert wurde und das Marketing-Budget massiv hochgeschraubt wurde?“, formulieren die Berliner ihre Kritik. Zusätzlich prangern sie an, dass Werbeagenturen ihr Wissen dazu nutzen würden, alkoholische Getränke für junge Menschen interessant zu machen. Zusätzlich fordern sie konservative Politiker dazu auf, sich gegen allzu sexistische Werbung einzusetzen.

Der Aufwand, den die Aktivisten für ihren Protest in Kauf genommen haben, ist enorm. Die Arbeitsschritte für die feindliche Übernahme haben sie im Internet fein säuberlich dokumentiert. Dort zeigen sie, wie die großen Aufkleber entstanden sind, die der originalen Astra-Gestaltung zum Verwechseln ähnlich sehen. Aber auch rechtlich gehen die Künstler ein großes Risiko ein: Juristisch gesehen handelt es sich bei der „Kaperung“ um eine Sachbeschädigung.

Bei Carlsberg, dem Mutterkonzern der Biermarke Astra, bleibt man trotz der eigentlich illegalen Aktion der Berliner Aktivisten allerdings betont gelassen. Dort sieht man keinen Grund zum Handeln: „Wir unternehmen in diesem Fall nichts, da es sich unseres Wissens nach um einen Einzelfall handelt“, sagt Christoph Boneberg, Sprecher des Getränkeunternehmens.

Brauerei hält Kritik für unbegründet

Die Sexismus-Vorwürfe der Künstler hält Boneberg für unbegründet: „Es ist nicht unser Ansinnen sexistische Werbung zu gestalten und wir sehen das besagte Plakat auch nicht als solche. Viele Frauen haben an der Entwicklung dieser und anderer Kampagnenmotive mitgewirkt.“ Bei Astra gehöre es dazu, mit gewissen Klischees zu spielen und einige Dinge nicht allzu ernst zu nehmen. „Wir machen Werbung mit einem Augenzwinkern und das kommt beim Großteil der Fans gut an, was auch Kommentare unter Facebook-Posts zu dem umgeklebten Plakat in Berlin zeigen“, sagt Boneberg.