Bundestagswahl 2017

Hamburger Linken-Kandidatin tritt wegen Facebook-Post zurück

Sarah Rambatz bei einer Diskussion zur Bundestagswahl am Gymnasium Osterbek

Sarah Rambatz bei einer Diskussion zur Bundestagswahl am Gymnasium Osterbek

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Es geht um ein Posting zu "antideutschen Filmempfehlungen". Sarah Rambatz spricht von massiven Drohungen gegen ihre Person.

Hamburg. Im Hamburger Landesverband der Partei Die Linke rumort es: Grund ist ein Posting, das von der Bundessprecherin der Linksjugend und Hamburger Bundestagskandidatin Sarah Rambatz stammt und das aktuell in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter geteilt wird. Bei dem Posting in einer Facebook-Gruppe bittet die Hamburger Politikerin andere Mitglieder um „antideutsche“ Filmempfehlungen und „grundsätzlich alles, wo Deutsche sterben.“

Als Reaktion auf das Bekanntwerden ihres Postings beendet die 24-Jährige nun nach einer Aussprache mit ihrer Partei den Wahlkampf und verzichtet auf alle weiteren Aktivitäten im Rahmen der Kandidatur – auch wenn die Politikerin aus wahlrechtlichen Gründen zumindest formal auf der Kandidatenliste verbleiben wird.

Rambatz spricht von Mord- und Vergewaltigungsdrohungen

In einer persönlichen Stellungnahme, die dem Abendblatt vorliegt, distanziert sich Rambatz von der Lesart, die nun auch zu innerparteilicher Kritik geführt hat. Ihrer Meinung nach sei "die Überspitzung anhand der Wortwahl, die ich getroffen habe" deutlich geworden. Rambatz akzeptiere aber, dass man ihre Worte auch anders interpretieren könne: "Sicherlich war es eine dumme, unbedachte Aktion, die mir in dieser Form kein zweites Mal passieren wird."

Rambatz sieht in den Reaktionen auf die Veröffentlichung des Postings "das Kernproblem: Der Rechtsruck schreitet voran." Sie werde seit Tagen "von rechten Populist*innen mit Mord und Vergewaltigung bedroht".

Der Hamburger Landesverband der Linken hat zu dem Vorfall mittlerweile Stellung bezogen und sich von den Aussagen seiner Kandidatin distanziert: „Wir missbilligen die Äußerungen. So ein Gedankengut hat in der Linken nichts verloren. Wir haben deshalb das Gespräch gesucht und haben uns darauf geeinigt, dass Sarah Rambatz im Falle einer Wahl auf das Mandat verzichten wird und ab sofort auch keinen Wahlkampf mehr führt“, sagt der Hamburger Linken-Pressesprecher Martin Wittmaack dem Abendblatt.

Die Kandidatin selbst wollte sich nach Aussage von Wittmaack nicht mehr persönlich zu dem Vorfall äußern: "Sie und ihre Familie sind aus der rechten Ecke massiv bedroht worden. Deshalb verzichtet Sarah Rambatz auf weitere Öffentlichkeit."

"Seltene Geschmacklosigkeit"

In Berlin äußerte ein Sprecher Der Linken bereits zuvor die Absicht, der Hamburger Kandidatin einen Rücktritt nahelegen zu wollen: „Bei dem Posting der Genossin handelt es sich um eine seltene Geschmacklosigkeit. Wir werden der jungen Frau natürlich schon sagen, dass sie mal in einer ruhigen Minute in sich gehen sollte“, sagt Hendrik Thalheim. Allerdings, so der Sprecher, sei die Kandidatur der erst 24-jährigen Politikerin seiner Einschätzung nach ohnehin eher formaler Natur. Die Linke würde in der Hansestadt das nötige Quorum, das für einen Einzug der Fünftplatzierten in den Bundestag nötig wäre, voraussichtlich nicht erreichen.