Nach dem Gipfel

BKA gibt Fehler bei Entzug einer G20-Akkreditierung zu

Dass ihm die Akkreditierung entzogen wurde, bemerkte der Reporter zunächst nicht, weil er nicht im Medienzentrum, sondern nur auf den Demonstrationen wie hier am neuen Pferdemarkt tätig war

Dass ihm die Akkreditierung entzogen wurde, bemerkte der Reporter zunächst nicht, weil er nicht im Medienzentrum, sondern nur auf den Demonstrationen wie hier am neuen Pferdemarkt tätig war

Foto: Michael Arning / HA

Der Verfassungsschutz hielt einen Hamburger Reporter völlig zu Unrecht für gewaltbereit. Journalistenverband reagiert entsetzt.

Hamburg. Mit dem Thema G20 hatte der Hamburger Foto- und TV-Journalist Frank Bründel bereits abgeschlossen. Er hatte für Auftraggeber wie die Webseite von Radio Hamburg oder die Agenturen Action Press und TNN jede Menge Bilder geschossen. Doch „drei oder vier Tage“ nach der Veranstaltung, genau weiß Bründel es nicht mehr, meldete sich bei ihm eine Reporterin des NDR-Medienmagazins „Zapp“, die ihm sagte, dass die Behörden ihm noch während der Gipfel lief, seine Akkreditierung entzogen hätten.

Davon hatte Bründel nichts mitbekommen, da er nur vor G20-Beginn das Medienzentrum fotografiert und danach ausschließlich die Anti-G20-Demos abgelichtet hatte. Der NDR wiederum hatte an einem der Eingänge zu den sicherheitsrelevanten Bereichen eine Liste mit den Namen der Journalisten abgefilmt, denen das Bundespresseamt nachträglich die Akkreditierung entzogen hatte. Auf dieser Liste fand sich auch Bründels Name.

Verfassungsschutz machte falsche Angaben an das BKA

Und das völlig zu Unrecht, wie sich nun herausstellte: Das Landesamt für Verfassungsschutz hatte dem BKA mitgeteilt, der Reporter sei am 1. Mai als Teilnehmer einer linken Demonstration festgenommen worden. Es gebe Anhaltspunkte dafür, „dass er einer gewaltbereiten Bewegung angehört oder diese nachdrücklich unterstützt.“ Daraufhin empfahl das BKA dem Bundespresseamt, Bründel die Akkreditierung zu entziehen.

Nun teilte das BKA Bründel mit, dass die Nachricht der Verfassungsschützer, die gegenüber dem Abendblatt eine Klärung des Sachverhalts zugesagt haben, eine Ente ist. Er war nicht festgenommen, sondern lediglich von der Polizei kontrolliert worden, als er die Demo filmte. Den Hamburger Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes Stefan Endter entsetzt der Vorgang: „Bedeutet das nun, dass ich als Journalist immer damit rechnen muss, in solchen Datenbanken zu landen, wenn mich die Polizei auf einer Demonstration kontrolliert?“ fragt er.

Insgesamt war 32 Journalisten nachträglich ihre G20-Akkreditierung entzogen worden. Neun der Betroffenen haben deshalb das Bundespresseamt verklagt. In drei Fällen kam es wohl zu Namensverwechslungen.