Importeur

Spirituosen-Legende Charles Hosie zurück in Hamburg

Rainer Hosie hat die vom Großvater
gegründete Firma wiederbelebt

Rainer Hosie hat die vom Großvater gegründete Firma wiederbelebt

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Der Importeur war einst einer der Großen in Deutschland, dann verschwunden. Jetzt betreibt der Gründer-Enkel das Geschäft.

Hamburg.  Bacardi-Rum, Gordon’s Dry Gin, Dewar’s Blended Scotch Whisky, Jack Daniels und Southern Comfort – als die Deutschen in den Wirtschaftswunderjahren die Welt der internationalen Spirituosen entdeckten, waren das einige der klangvollsten Markennamen der beliebtesten Alkoholika. Fast ebenso klangvoll war der Name des Unternehmens, das sie damals nach Deutschland importierte und hierzulande vertrieb: die Charles Hosie GmbH aus Hamburg.

Der Rum, der Gin, der Whisky sind heute Dutzendware und lösen bei Genießern eher Naserümpfen aus, Charles Hosie­ war zwischenzeitlich sogar vom Markt verschwunden. Doch nun – 99 Jahre nach der Gründung – ist die Firma an die Elbe zurückgekehrt.

Unternehmenshülle ohne Inhalt

„Irgendwann zieht es einen eben zurück in die Heimat“, sagt Rainer Hosie (64). Er ist der Enkel des Firmengründers und Namensgebers Charles Hosie, heute ist er der Inhaber des Unternehmens – und eigentlich Jurist mit dem Spezialgebiet Wirtschaftsrecht. Doch nun sitzt Hosie in seinem CoWorkingbüro an der Shanghaiallee in der HafenCity und von seinem Schreibtisch aus fällt der Blick auf ein Regal, in dem Flaschen voller Rum, Gin, Whisky, Wermut, Wodka oder Likör stehen. Ein knappes Dutzend Marken, um die 50 unterschiedliche Abfüllungen. Ganz bekannte Namen sind nicht darunter, aber die Charles Hosie GmbH ist der Alleinimporteur in Deutschland.

Als sein Vater und sein Onkel das Unternehmen 1983 an Bacardi verkauften, war Rainer Hosie ein aufstrebender Wirtschaftsanwalt in Rotherbaum. Zehn Jahre lang vertrieben die Rumhersteller von den Bermudas ihre Produkte in Deutschland noch unter dem Namen des alteingesessenen Importeurs, dann wurde die Bacardi Deutschland GmbH mit Sitz in Hamburg gegründet. Die Firma Charles Hosie existierte zwar weiter, war aber nur noch eine Unternehmenshülle ohne Inhalt.

Symbolischer Preis von einem Euro

Bis Rainer Hosie sie weitere gut zehn Jahre später zum symbolischen Preis von einem Euro zurückkaufte. „Im Grunde haben mich andere darauf gebracht, die sich mit Spirituosen auskennen. Fachhändler, frühere Kunden – ich wurde immer mal wieder auf meinen Nachnamen angesprochen. Menschen, die älter als 35, 40 sind, ist Hosie ja oft noch ein Begriff.“ Aus der Wirtschaftskanzlei stieg der Anwalt aus, zog mit seiner Frau nach Bayern – und brachte die Charles Hosie GmbH zurück ins Spirituosengeschäft. Nun ist er wieder dort, wo die Firmengeschichte einst begann.

Zum Sortiment gehören heute unter anderem aus Zuckerrohrsaft destillierter Damoiseau-Rum von der französischen Karibikinsel Guadeloupe, Blended Scotch der Marke St. Andrews, italienischer Mancino-Wermut, österreichischer Whisky, der Gin Pink 47. Der Hosie-Eigenmarken-Rum­ 3 Islands wird aus Rums von Martinique, Jamaika und Trinidad gemischt. Manches im Port­folio ist gut zum Mixen geeignet, aber auch ein zehn Jahre lang gereifter Rum gehört dazu, von dem eine Flasche im Fachhandel knapp 70 Euro kostet. Umsatzzahlen möchte Hosie nicht nennen. „Sie sind noch zu klein, als dass wir uns damit brüsten wollen“, sagt er.

Lieferung überwiegend an Fachgeschäfte

Das Unternehmen liefert überwiegend an Fachgeschäfte. „Bei Weinquelle Lühmann sind fast alle unsere Produkte im Sortiment.“ Der Chef ist viel auf Messen­ unterwegs, präsentiert seine Spirituosen und ist auch auf der Suche nach weiteren Marken, die er nach Deutschland bringen kann. „Ein Tequila würde gut passen“, sagt Hosie. Er hat Geschmack gefunden am Geschäft, das sein Großvater mit schottischen Wurzeln 1918 in Hamburg gründete. Der Enkel sagt, er wolle es noch mindestens zehn Jahre lang betreiben. „Ist doch viel besser als Rosen züchten oder Golf spielen­.“