Hamburg

Versuche mit der Gemütlichkeit

Im Urlaub gibt es ein schönes Motto: Versuch’s doch mal mit Gemütlichkeit. Funktioniert auch ganz gut, wenn man an den Gestaden des Gardasees bei 38 Grad im Schatten herumlümmeln darf. Funktioniert weniger gut, wenn sich zur Gluthitze die Weißglut gesellt – weil ein Dreijähriger auf dem Zenit seiner Trotzphase beschließt, das riesige Camping-Areal auf eigene Faust zu erkunden. Der Klassiker: Da sitzt man vor seinem Zelt, eine Flasche eiskaltes Birra Moretti in der Hand, vor sich das brutzelnde Grillgut, man fühlt sich großartig urlaubig. Bis der Sohnemann davonzischt, wie eine Rakete mit Nuklearantrieb. Die bis dahin tiefenentspannten Zelt-Nachbarn werden Zeugen eines sich wiederholenden, vergeblichen Appells (oder Spektakels): „Junge! Komm zurück! Sofort!“ Nur ist der Junge längst außer Hör- und blöderweise auch außer Sichtweite. Vielleicht will er gar nicht hören, auf dem Campingplatz stehen schließlich überall diese Automaten mit dem ebenso teuren wie unnützen Krimskrams drin. Da heißt es: Alles stehen zu lassen und hinterherzuhetzen. Während die kleinen Beine arbeiten wie die Kolben eines Schiffsmotors, stakst man selbst im Scherenschnitt schnaufend hintendrein.

Gut zu wissen, dass nicht nur wir vom Temperament renitenter Kleinkinder geplagt werden. Dass es so viele Ausreißer gibt – die Riekes, die Finns und die Leons –, die allabendlich von ihren Eltern mit hochroten Köpfen und einer Lautstärke nahe dem Überschallknall verfolgt werden. Irgendwann laufen einem die Streuner ohnehin in die Arme. Das Bier ist da längst auf Badesee-Temperatur. Und der Kleine? Fragt ganz treuselig: „Papi, kaufst du mir ein Eis?“