Hamburg

Drohnen dürfen wieder über die Elbe fliegen

Verbot gilt in Hamburg nicht. Doch Zahl der Unfälle mit Fluggeräten steigt rasant an. Ermittlung nach Zusammenstoß mit Elbphilharmonie

Hamburg. Die Taufe eines Kreuzfahrtschiffes mitten im Hamburger Hafen ist ein spektakuläres Ereignis. Da möchte manch einer gern so nah wie möglich dabei sein. Einem Drohnen-Besitzer wurde das im vergangenen Sommer zum Verhängnis: Sein Fluggerät stieß samt Kamera gegen das Schiff und stürzte in den leeren Pool auf dem Oberdeck. Ergebnis: Drohne und Kamera beschädigt, dazu 500 Euro Strafe. Kaum besser erging es dem Drohnen-Freund, der mit seinem „fliegenden Auge“ im März gegen die Elbphilharmonie stieß – gegen ihn ermittelt noch die Staatsanwaltschaft. Der Flugkünstler, der mit seiner Drohne im April in schwindelnder Höhe auf dem stillgelegten Fernsehturm „landete“, hat hingegen schon den Strafbefehl: 400 Euro – plus Bergungskosten.

Das sind nur drei der spektakulärsten Fälle, in denen die unbemannten Flugobjekte die Polizei beschäftigten – und die Zahl steigt ebenso rasant wie die der Drohnen selbst. Von den bundesweit mindestens 400.000 Drohnen dürften rechnerisch etwa 10.000 in Hamburg unterwegs sein. Während es nach Polizeiangaben im ganzen Jahr 2016 nur fünf „Vorfälle“ gab, waren es 2017 schon 20. Auch daher hat die Wirtschaftsbehörde am Dienstag mahnend darauf hingewiesen, was in der bundesweit gültigen „Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“ steht und welche Hamburger Besonderheiten es gibt.

Und da gab es zunächst eine gute Nachricht für Drohnen-Besitzer in der Hansestadt: Sie dürfen ihre kleinen Fluggeräte nun doch an oder sogar über der Elbe fliegen lassen. Das in der Bundesverordnung seit April festgeschriebene Verbot, wonach zu Bundeswasserstraßen wie dem Hauptstrom der Elbe ein Abstand von 100 Metern gehalten werden muss, gilt in der Hansestadt nicht mehr. Stattdessen hat die Hamburg Port Authority (HPA) festgelegt, dass die Drohnen nur zu zivilen Schiffen 50 Meter seitlichen Abstand und in Fahrtrichtung des Schiffes 200 Meter Abstand halten müssen.

Die Wirtschaftsbehörde wies allerdings auch mit mahnenden Worten darauf hin, welche Regeln noch gelten. Ein Auszug: Zu Menschenansammlungen, Unglücksorten, Katastrophengebieten, Industrieanlagen, Justizvollzugsanstalten, militärischen Einrichtungen, Anlagen der Energieerzeugung (inklusive Hochspannungsmasten!), Bundesfernstraßen und Eisenbahnanlagen, dem Rathaus, Bundes- und Landesbehörden sowie Konsulaten müssen mindestens 100 Meter Abstand gehalten werden. Da das Überfliegen von reinen Wohngebäuden ebenfalls tabu ist – jedenfalls wenn die Drohne mehr als 250 Gramm wiegt oder Fotos machen kann, was für die meisten gilt –, gibt es in Hamburg nur wenige Orte, an denen dem Aufstieg einer Drohne nichts im Weg steht.

Für einige Drohnen braucht man einen „Führerschein“

Hinzu kommen weitere Regeln: Außerhalb der Sichtweite des Steuerers zu fliegen, ist verboten. Vom 1. Oktober an brauchen Betreiber von Drohnen, die mehr als zwei Kilogramm wiegen, einen „Führerschein“ – wer den ausstellt und wie man ihn bekommt, kann beim Luftfahrtbundesamt (www.lba.de) erfragt werden. Ohnehin müssen Drohnen-Steuerer eine spezielle Haftpflichtversicherung für die Geräte mit einer Deckungssumme von mindestens einer Million Euro haben. Und: In der „Kon­trollzone“ des Flughafens, die rund 80 Prozent des Stadtgebietes abdeckt, dürfen die Geräte nur maximal 50 Meter hoch fliegen (sonst 100 Meter). Nicht in dieser Zone liegen nur Teile der Bezirke Harburg und Bergedorf sowie Teile von Rissen und Rahlstedt.

Grundsätzlich gilt: Eine Erlaubnis für den Start braucht ein Drohnen­besitzer nur dann, wenn das Fluggerät mehr als fünf Kilogramm wiegt, einen Verbrennungsmotor hat oder näher als 1,5 Kilometer an Flugplätzen fliegen soll – in der Regel also nicht. Die Zahl solcher „Einzelerlaubnisse“ hat sich von 2013 (152) bis 2016 (678) vervierfacht. Ausgestellt werden sie von der Luftaufsicht in der Wirtschaftsbehörde. Nähere Informationen gibt es dazu unter
www.hamburg.de/bwvi/drohnen/ oder unter der Telefonnummer 040/ 507 52 60.

Das zunehmende Gewimmel am Himmel sorge in einem Ballungsgebiet wie Hamburg für „ein hohes Gefährdungspotenzial“, sagte Wirtschafts-Staatsrat Rolf Bösinger. „Bereits jetzt häufen sich Fälle, bei denen Drohnen der bemannten Luftfahrt gefährlich nahekommen.“ Auch der Schutz der Privatsphäre sei ein Problem. Dennoch warnte seine Behörde vor Selbstjustiz: Wer eine Drohne genervt vom Himmel hole, müsse gegebenenfalls für die Folgen haften, wenn dabei Menschen oder Sachen zu Schaden kommen.

Die Niederlande haben für solche Fälle eine elegantere Lösung gefunden: Sie haben Adler abgerichtet, die Drohnen in der Luft abfangen können.