Verkehr

Stadt sieht Verfall von Hamburgs Straßen gestoppt

| Lesedauer: 4 Minuten
Oliver Schirg

Bessere Noten für den Straßenzustand seit Langem. Kosten für Sanierung verdoppeln sich auf mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr.

Altstadt.  Hamburgs Autofahrer können sich freuen: Der seit Jahren fortschreitende Verfall der Hauptverkehrsstraßen ist, zumindest nach Einschätzung der Wirtschaftsbehörde, durch größere Investitionen in das Straßennetz vorerst gestoppt worden. Dieses Zwischenziel habe man zwei Jahre früher als versprochen erreicht, sagte Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) am gestrigen Dienstag im Rathaus. Allerdings sei das kein Grund, bei der Reparatur und der Sanierung des rund 4000 Kilometer langen Hamburger Straßennetzes nachzulassen. „Das Fieber ist immer noch hoch, aber es sinkt“, sagte der Staatsrat.

Rieckhof hob damit auf den sogenannten Substanzwert der Hauptverkehrsstraßen ab, der sich in den vergangenen gut zehn Jahren verschlechtert und erst im vergangenen Jahr wieder verbessert hatte. Der „Sub­stanzwert“ wird dabei in Form einer Zustandsnote dargestellt. 2016 lag diese bei 2,78 – nach 2,84 im Jahr 2014. Die Werte aus den Jahren 2008 (2,4) und 2012 (2,59) verdeutlichen, dass über die Jahre der Verfall der Hamburger Straßen zugenommen hat.

Die Noten reichen von eins bis fünf. 1,0 bis 1,5 bedeutet „tadelloser Zustand“ nach einem Neubau oder einer Grundinstandsetzung. Die Zustandsnote 1,5 bis 3,5 verdeutlicht, dass „kein spezieller Beobachtungsbedarf“ besteht – die Straße ist also in Ordnung. Wird die Note 3,5 bis 4,5 vergeben, muss der Straßenabschnitt beobachtet und weitergehend analysiert werden. Dabei werden zumeist mittelfristige Sanierungsarbeiten festgelegt. Bei der Zustandsnote 4,5 bis 5,0 herrscht Alarm, und es wird die umgehende Einzelprüfung sowie – in der Regel – rasche Reparatur empfohlen.

Jede Straße wird in 20-Meter-Abschnitte geteilt

Um die Zustandsnote festlegen zu können, werde jede Hamburger Straße in 20 Meter lange Abschnitte eingeteilt, sagte Käthe Fromm vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer. Die Ebenheit der Fahrbahn jeder dieser Abschnitte werde durch an einem Messfahrzeug angebrachte Sensoren auf seine Eigenschaften hin untersucht. Gibt es Längsprofile, Querprofile, Risse oder Aufbrüche? Ein Kamerasystem mache zudem alle zehn Meter hochauflösende Bilder von der Oberfläche des Straßenabschnitts. Anschließend würden die Daten automatisch und durch Ingenieure ausgewertet. Mithilfe eines komplizierten mathematischen Verfahrens werde zu guter Letzt die Bewertungs­note berechnet.

Staatsrat Rieckhof ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass noch bis weit in das kommende Jahrzehnt hinein umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig sind, um einen durchweg guten Zustand der Straßen zu erreichen.

SPD: CDU-Senate hätten Straßen „sträflich vernachlässigt“

So gilt trotz der jüngsten Verbesserungen der Zustand von fast jeder vierten Hauptverkehrsstraße in Hamburg als schlecht. Laut Rieckhof gab Hamburg im vergangenen Jahr 105 Millionen Euro für den Erhalt und den Neubau von Straßen aus. Nicht enthalten sind dabei die Autobahnen und die Straßen im Hamburger Hafen. Damit liege die Investitionssumme seit 2014 bei mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr. 2011, im Jahr des Regierungswechsels, waren lediglich 50 Millionen Euro in diesen Bereich geflossen. Rieckhof rechnet damit, dass in diesem Jahr rund 174 Kilometer Straße saniert beziehungsweise neu gebaut werden.

Die Opposition reagierte unzufrieden auf die Äußerungen von Rieckhof. Die vorgelegten Zahlen seien keine Erfolgsmeldung, im Gegenteil, erklärte der FDP-Politiker Wieland Schinnenburg. Nach vielen Jahren hoher Ausgaben seien lediglich zwei Parameter minimal besser geworden. Der CDU-Abgeordnete Dennis Thering verwies darauf, dass der Anteil der Hauptverkehrsstraßen in schlechtem Zustand zwischen 2014 (24 Prozent) und 2016 (23,9 Prozent) unverändert geblieben sei.

Die SPD-Abgeordnete Martina Koeppen­ sagte, unter den CDU-geführten Senaten kurz nach der Jahrtausendwende sei der Erhalt der Infrastruktur „sträflich vernachlässigt“ worden. Jetzt habe man den Verfall stoppen und einen besseren Zustand erreichen können.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg