Koffer-Chaos in Hamburg

Airport: Feuerwehr verteilt Getränke, Gepäck verschollen

Am Sonnabend warteten Fluggäste am Hamburger Flughafen teils drei Stunden auf ihr Gepäck

Am Sonnabend warteten Fluggäste am Hamburger Flughafen teils drei Stunden auf ihr Gepäck

Foto: imago/Stefan Zeitz

Fluggäste warteten am Sonnabend drei Stunden auf Koffer. Gepäck aus Barcelona-Maschine ist noch nicht wieder aufgetaucht.

Das Gepäck-Chaos am Hamburger Flughafen nimmt immer groteskere Züge an: Am Sonnabendnachmittag mussten Fluggäste des Ryanair-Fluges FR 5501 aus Bergamo nach der verspäteten Landung um 15.19 Uhr knapp drei Stunden auf ihr Gepäck warten.

Die Italien-Urlauber scheinen nicht die einzigen gewesen zu sein, die sehr lange auf ihre Koffer warten mussten. "Als wir in die Halle mit den Gepäckbändern kamen, sahen wir eine Menschentraube um ein Band herumstehen", erzählt ein Fluggast des Ryanair-Fluges dem Abendblatt. "Plötzlich applaudierten die Leute, weil offenbar erste Gepäckstücke zu sehen waren", so die Frau. "Wir haben uns noch gewundert, weshalb applaudiert wird."

Einsatzkräfte der Feuerwehr verteilten Getränke

Als ihr Gepäck nach drei Stunden dann endlich auch auf dem Kofferband erschien, verstand sie schließlich den Beifall. Während der drei Stunden, in denen die Fluggäste nach ihren Koffern Ausschau hielten, hätten Einsatzkräfte der Feuerwehr Getränke verteilt. "Die Wartenden waren aber alle sehr genervt."

Flughafensprecherin Janet Niemeyer bestätigt die enorm langen Wartezeiten am Sonnabend. Als Grund nennt sie eine enge Personaldecke und einen hohen Krankenstand bei den Be- und Entlade-Dienstleistern. Davon gibt es laut Niemeyer zwei am Hamburger Flughafen. Bei einem der Dienstleister handele es sich um eine Tochterfirma des Airports. Die Einsätze der Mitarbeiter seien in den Ferienzeiten besonders eng getaktet. "Um den Passagieren die Wartenzeiten wenigstens ein bisschen angenehmer zu gestalten, haben wir am Sonnabend Gutscheine für Getränke ausgegeben." Die Feuerwehr habe die Flughafen-Mitarbeiter unterstützt.

Flughafen investiert in neue Gepäckanlage

Erst vor wenigen Wochen hatte Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler angekündigt, dass man gegen die Personalengpässe beim sogenannten flughafeneigenen Bodenverkehrsdienst, die Mitarbeiterzahl um 30 bis 40 auf rund 870 Beschäftigte aufgestockt habe. Für den Herbst sei eine weitere Einstellungsoffensive vorgesehen, um künftig auf rund 900 Mitarbeiter in diesem Bereich zu kommen.

Ob die Kampagne Erfolg hat, bleibt abzuwarten: "Der Arbeitsmarkt in diesem Bereich ist in der Region Hamburg leergefegt", sagt Janet Niemeyer am Sonntag. Es sei derzeit schwer, Mitarbeiter zu finden, die die flughafenspezifischen Sicherheitsanforderungen erfüllten und auch körperlich in der Lage seien, am laufenden Band 20 Kilogramm schwere Koffer zu heben.

Parallel zur Einstellungsoffensive würde der Hamburger Flughafen ab Ende 2018 bis 2023 rund 190 Millionen Euro in eine neue Gepäckanlage für verbesserte Abfertigung investieren, so Eggenschwiler.

Gepäck des Vueling-Flugs noch immer verschollen

Unterdessen warteten die Fluggäste des Vueling-Flugs von Freitag aus Barcelona am Sonntag weiterhin auf ihre Koffer. Der Pilot hatte wegen der Wartezeit auf die Hamburger Ladegruppe, die das Gepäck aus der Maschine holen sollte, am Freitagnahmittag entnervt entschieden, wieder nach Barcelona zurückzufliegen – mit neuen Passagieren, aber den Koffern für Hamburg. Um 15.20 Uhr hob er am Freitagnachmittag mit seinem A320 wieder ab.

Ein Fluggast hatte sich beim Hamburger Abendblatt gemeldet und über den vorläufigen Höhepunkt des berüchtigten Koffer-Chaos' am Hamburg Airport berichtet. Nach Angaben dieses Fluggastes vergingen zwei Stunden, bis die Reisenden von Mitarbeitern von Lost & Found erfuhren, dass sie ihr Gepäck am Freitag nicht mehr wiedersehen würden. Die Koffer sollten dann mit dem Vueling-Flug am Sonnabend aus Barcelona in Hamburg eintreffen. Bis heute ist das Gepäck verschollen.

Hamburg Airport bestätigt Vorfall

Auch für diesen Vorfall nannte Flughafensprecherin Janet Niemeyer bereits am Freitag als Gründe personelle Engpässe und die hohe Auslastung des Flughafens in der Ferienzeit. Deshalb sei die Ladegruppe nicht rechtzeitig zu der Maschine gekommen. Das Zeitfenster zum Ent- und Beladen habe etwa 30 Minuten betragen – ein üblicher Wert.

Vueling war auch am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ob das Gepäck der Fluggäste, die am Freitag von Hamburg nach Barcelona ohne ihre Koffer an Bord flogen, inzwischen auf dem spanischen Flughafen eingetroffen ist, ist nicht bekannt.