AltstadT

Ballindamm – mehr Fußweg, weniger Straße

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Ulrich Gassdorf

Sechs Millionen Euro werden in die Neugestaltung investiert. Ein Fahrstreifen und 73 Parkplätze fallen weg. Kritik von der Opposition

AltstadT. Der Ballindamm an der Binnenalster gehört zu den exklusivsten Geschäftsadressen der Stadt. Jetzt soll die Straße auch für Fußgänger und Radfahrer deutlich aufgewertet werden und Charakter einer Promenade erhalten.

Sechs Millionen Euro werden nach Informationen des Abendblatts in die Neugestaltung investiert, die Mittel stellt die Bürgerschaft zur Verfügung. Der Umbau ist für kommendes Jahr geplant und soll laut Falko Droßmann (SPD), Bezirksamtsleiter in Mitte, innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden. „Die Umgestaltung ist ein Gewinn für alle Verkehrsteilnehmer. Bislang war es eigentlich nur eine Straße für die Autofahrer, nun wird hier auch die Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer enorm gesteigert“, sagte Droßmann dem Abendblatt.

Sieben Meter breiter Fußweg auf der Wasserseite

So soll auf der Wasserseite ein mehr als sieben Meter breiter Fußweg entstehen, auf der Häuserseite wird dieser etwa sechs Meter breit. Auf beiden Straßenseiten sollen großzügige Radwege entstehen. „So wird auch mehr Platz für Außengastronomie geschaffen“, sagte Mittes Grünen-Fraktionschef Michael Osterburg. Vor allem in der Abendsonne werde der Ballindamm ein neuer Anziehungspunkt sein. Osterburg zeigte sich erfreut darüber, dass die Straße „endlich“ angepackt werde. Wie viele Menschen den Weg an der Binnenalster täglich zu Fuß oder mit dem Rad nutzen, würde zeigen, wie wichtig die Umgestaltung sei, so Osterburg weiter.

Auch SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf und Mittes SPD-Fraktionschef Arik Willner, die die Pläne am Donnerstag mit Osterburg und dem Grünen-Bürgerschaftsabgeordneten Farid Müller dem Abendblatt vorstellten, sind überzeugt von den Plänen: „Viel Platz für Fußgänger und Radfahrer sowie eine sinnvollere Straßenführung für den Autoverkehr sind die geeigneten Maßnahmen“, sagte Willner. Und Kienscherf ergänzte: „Wir wollen die öffentlichen Flächen in der Innenstadt attraktiver gestalten. Der Ballindamm ist dabei ein Baustein.“

Ziel sei es, dass sich die Hamburger und die Touristen in der City wohlfühlen, so Kienscherf weiter. In den nächsten Jahren sollen auch der Georgsplatz und der Gerhart-Hauptmann-Platz durch eine Neugestaltung aufgewertet werden.

Allerdings geht die Umgestaltung am Ballindamm zulasten der Autofahrer: Einer der Fahrstreifen in Richtung Innenstadt wird wegfallen, ebenso wie die Parkplätze auf dem Mittelstreifen. Insgesamt soll deren Anzahl von 106 auf 33 reduziert werden. Stadtauswärts werde es aber weiterhin eine überbreite Fahrspur geben, so Bezirksamtschef Droßmann.

Auch die Busparkplätze auf der Wasserseite fallen weg. Stattdessen werde es auf der anderen Seite Ein- und Aussteigemöglichkeiten geben, so Droßmann. Zusätzlich werden Ladezonen geschaffen.

Pläne sind mit den Anliegern abgesprochen

Kritik kommt vom CDU-Verkehrsexperten Dennis Thering: „Schon heute ist der Ballindamm viel befahren und Parkraum im gesamten Innenstadtbereich Mangelware.“ Durch die Umbaupläne würde hier vorsätzlich der nächste Stauinfarkt provoziert, um die „rot-grüne Verkehrserziehung“ mit der Brechstange zu erzwingen.

Noch deutlicher wird Wieland Schinnenburg, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion: „Das ist verkehrspolitischer Irrsinn. Sechs Millionen Euro sollen so für ideologische Verkehrspolitik zum Fenster rausgeschmissen werden, nur um die grüne Seele zu streicheln.“ Schinnenburg forderte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Verkehrssenator Frank Horch (Grüne) auf, dieses „peinliche rot-grüne Sommertheater sofort zu beenden“.

Unterdessen verteidigte Grünen-Politiker Osterburg die deutliche Reduzierung der Parkplätze: „In der Umgebung gibt es zahlreiche Parkhäuser, deshalb ist es vertretbar, dass zugunsten der Fußgänger und Radfahrer auch Parkplätze wegfallen.“

Allerdings müssen im Zuge der Neugestaltung auch 23 Bäume weichen – als Ausgleich sind nur zwölf Neupflanzungen geplant.

Die Umbaupläne seien mit den Anliegern und Grundeigentümern abgesprochen worden, so Bezirksamtsleiter Droßmann. Es soll zudem auch Überlegungen der Grundeigentümer geben, ein Business Improvement District (BID) zu gründen. „Dadurch würde noch mehr Geld zur Verfügung stehen, um die Attraktivität des Ballindamms zu steigern“, sagte Droßmann. „Außerdem könnten die Grundeigentümer dann auch ihre eigenen Wünsche in die Gestaltung der Straße mit einbringen.“

Der Ballindamm, der seinen Namen dem deutschen Reeder Albert Ballin verdankt, ist der Sitz der Reederei Hapag-Lloyd. Auch zahlreiche Privatbanken sind hier ansässig. Außerdem wurde am Ballindamm im Jahre 2006 die Europa-Passage mit mehr als 120 Geschäften eröffnet.

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