Hamburg

Alpe d’Huez auf der Bundesstraße

Da fliegt schon wieder einer geradezu an mir vorbei. Okay, der liefert irgendein Essen irgendwohin. Der sitzt täglich auf seinem Rad und ist jung. Da macht der klobige Pizza-Rucksack nicht so viel aus. Natürlich fährt der schneller. Und wir sind ja hier auch nicht beim Streckenweltrekordversuch. Wir wollen ja nur von A nach B auf einer von Hamburgs schicken, neuen Fahrradrouten. Also gemach, kein falscher Ehrgeiz.

Die Bundesstraße hoch vom Isebek Richtung Dammtor ist wie ein persönliches Alpe d’Huez. Ein steter Anstieg, es zieht in den Oberschenkeln. Das Rad zieht mit, na ja, geht so. Mal wieder die Kette ölen? Kann ja nicht sein, dass diese junge Frau mit Flatterrock und Hollandrad auch einfach so vorbeirauscht. Irgendetwas stimmt doch da nicht.

Wirklich nicht – weil die beiden mittelalten Touristen auf den roten Leihrädern ... Ach, was sage ich? Gute Fahrt noch. Der Tritt wird immer schwerer, je mehr Alte, Junge, Dicke, Dünne, Sportliche, Unsportliche an mir mit Leichtigkeit vorbeischweben. Dabei auch gerne mal einen mitleidigen Blick rüberwerfen, wie neulich die Frau auf ihrem Liga-Klapprad mit Torpedo-Dreigang-Schaltung von 1975.

Es muss sich also dringend etwas ändern. Mit Gewicht und Fitness vielleicht, mehr Training? Mehr Radfahren? Und nicht nur, wenn die Temperatur zwischen 18 und 22 Grad liegt und die Luftfeuchtigkeit bei 60 Prozent. Sondern auch bei Wind und Regen und Bullenhitze. Echt etwas für die Umwelt und die Gesundheit tun, trainieren und sich danach nicht mehr als Zweiradschnecke lächerlich machen.

Oder ich kaufe doch erst einmal ein neues Rad ...