Hammerbrook

Großbrand in Lagerhalle – elf Männer schliefen dort

Ob die Südosteuropäer in dem Gebäude in Hammerbrook geduldet oder sogar aktiv untergebracht worden waren, wird ermittelt. Auch die Ursache für das Feuer ist noch unklar

Hammerbrook. Ein Großbrand in einer Lagerhalle an der Sorbenstraße hat in der Nacht zu Freitag über Stunden die Feuerwehr beschäftigt. Bei den Löscharbeiten stellten Einsatzkräfte fest, dass die Gewerbeimmobilie auch von mindestens elf Südosteuropäern als Quartier genutzt wurde. Der Großbrand hat damit womöglich ein Problem offenbart. In Hamburg leben zahlreiche EU-Bürger aus Südosteuropa in nicht zum Wohnen freigegebenen Behausungen. Um kurz vor drei Uhr nachts war der Brand in dem Gewerbegebiet bemerkt worden. Passanten hatten Rauch aus der rund 2000 Quadratmeter großen Lagerhalle aufsteigen sehen. Als die Feuerwehr vorfuhr, brannte sie bereits lichterloh. „Den Einsatzkräften kamen beim Eintreffen mehrere Personen entgegen“, sagte Feuerwehrsprecher Jan Ole Unger. Weitere seien aus dem Gefahrenbereich gebracht worden. Elf Menschen konnten das Gebäude unverletzt verlassen. Sie wurden nach einer Sichtung durch Notfallsanitäter von der Polizei in einem HVV-Bus betreut.

Mit Wasserwerfern und über ein Hubmastfahrzeug wurden die Flammen bekämpft. Der Zugang zum Brandort selbst war schwierig. „Die Halle ist von einer Eigentümergemeinschaft angemietet worden und wird von verschiedenen Nutzern belegt“, sagte eine Polizistin. Von dem Feuer betroffen war ein etwa 400 Quadratmeter großer Bereich. „Dieser wurde als Fahrzeugwerkstatt mit darüberliegender Lagerstätte genutzt“, sagte Feuerwehrsprecher Unger. Weil der Bereich verschlossen war, musste die Feuerwehr Zugänge gewaltsam mit Trennschleifern öffnen. Der Einsatz im Gebäude war gefährlich. „Die kräftezehrende Brandbekämpfung musste immer wieder verändert werden, da sich neue Gefahrenstellen für die Einsatzkräfte ergaben“, sagte Unger. „So mussten an der einen Stelle Gasflaschen aus dem Gefahrenbereich gebracht werden, zeitgleich mussten sich Trupps aus dem Inneren zurückziehen, da sich eine Einsturzgefahr ergab.“

Mithilfe eines Kleinbootes wurden zudem Öl absorbierende, schwimmende Barrieren auf der Kanalseite des Gebäudes ausgebracht, um Kraftstoffe, die durch Löschwasser in den Südkanal eingetragen wurden, sofort zu binden. Durch die starke Rauchentwicklung kam es in den umliegenden Stadtteilen zu einer Geruchsbelästigung, die Bevölkerung wurde mithilfe von Rundfunkdurchsagen und durch die Warn-App Katwarn dazu aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Ein Anfangsverdacht, dass der Brand von den in Sicherheit gebrachten Bewohnern verursacht worden sei, konnte ausgeräumt werden. Mit dieser These hatte sich die Polizei zunächst beschäftigt. Auch, weil etwa zwei Stunden vor dem Feuer ein Polizeieinsatz in der Sorbenstraße stattgefunden hatte, bei dem es um einen Streit zwischen zwei Bulgaren ging. Der Grund für den Streit konnte nicht herausgefunden werden, weil beide Männer zu betrunken für eine Aussage waren.

Brandermittler rücken kommende Woche erneut an

Was das Feuer in der Lagerhalle auslöste, war am Freitag noch unklar. Zwar waren am Vormittag Brandermittler des Landeskriminalamts angerückt. Diese konnten jedoch keine umfangreiche Spurensicherung durchführen. „Es ist zu gefährlich“, sagte Polizeisprecherin Heike Uhde. So flammten immer wieder Brandnester auf. Der Brandort ist beschlagnahmt, kommende Woche sollen die Brandermittler wieder anrücken.

Unklar ist auch noch, ob die Südosteuropäer – zumeist Bulgaren, aber auch ein Rumäne – in der Lagerhalle geduldet oder sogar aktiv untergebracht und möglicherweise auch dort beschäftigt waren. Am Freitag konnten noch nicht alle Nutzer der Halle kontaktiert werden. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen.

Rumänen und Bulgaren können als EU-Bürger problemlos nach Deutschland kommen. Anspruch auf soziale Leistungen haben sie nicht. Eine Neuregelung sieht vor, dass EU-Ausländern, die nicht bereits in Deutschland arbeiten oder gearbeitet haben, in den ersten fünf Jahren keine Sozialleistungen zustehen. „Viele kommen dennoch in der Hoffnung, Arbeit zu finden, hierher“, sagt Harald Krüger, Geschäftsführer des DRK in Harburg. Wer sich jedoch bei der Behörde meldet, würde in sein Heimatland zurückgeschickt. „Deshalb meldet sich auch kaum jemand“, so Krüger. Wie viele solcher Arbeitsuchenden in Hamburg leben, weiß niemand. In vielen Fällen kommen sie nicht allein, sondern bringen auch Frau und selbst Kinder mit. „Es gibt nur Schätzungen, die auch je nach Jahreszeit schwanken“, sagt Krüger. Diese liegen bei 3000 bis 5000 Personen.