Neustadt

Attacke im Gerichtssaal: 39-Jähriger angeklagt

Staatsanwaltschaft wirft Chris Z. versuchten Mord vor. Der Prozess soll im September beginnen

Neustadt. Der Angriff geschah in einem besonders geschützten Bereich: In einem Gerichtssaal, während seines Prozesses, attackierte der Angeklagte Chris Z. plötzlich seine Ex-Freundin mit einer Waffe und verletzte auch den Staatsanwalt. Der Fall sorgte für Schlagzeilen. Jetzt wurde wegen des Vorfalls vom 31. Januar dieses Jahres Anklage gegen den 39-Jährigen erhoben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hamburger versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Der Prozess vor dem Schwurgericht wird am 15. September beginnen. Fortsetzungstermine sind bis in den Dezember geplant.

Zwölf Jahre hat Chris Z. bereits im Gefängnis gesessen, weil er im Suff den neuen Partner seiner Ex-Freundin erschossen hatte. Nach seiner Entlassung aus der Haft attackierte der Mann seine frühere Freundin nach einem Streit in deren Wohnung und griff auch Polizeibeamte an. Der Einsatz von Pfefferspray blieb gegen den tobenden Mann erfolglos. Erst durch einen Schuss in die Beine war er zu stoppen. Wegen dieser Tat wurde Chris Z. vom Amtsgericht zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt.

In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht dann der Eklat: Während seine Bekannte als Zeugin aussagte, stürzte sich der 39-Jährige plötzlich auf sie. Laut Anklage schnitt er der Frau mit einem selbst gebastelten Schneidwerkzeug in den Hals. Anschließend habe er begonnen, sie zu würgen. Staatsanwalt und Verteidiger eilten dem Opfer zu Hilfe. Dann drehte er sich, so die Vorwürfe weiter, in Richtung des Anklägers und verletzte ihn mit der Schneide am Ohr. Die messerähnliche Waffe war demnach aus einer Rasierklinge und dem Griff eines Einwegrasierers gebastelt. Außerdem hatte Chris Z. noch einen angespitzten Zahnbürstenstiel dabei. Schon Monate vor dem Angriff auf seine Freundin soll der 39-Jährige angekündigt haben, sie umbringen zu wollen.

Umso mehr sorgte für Unverständnis, dass Chris Z. an jenem Prozesstag lediglich von einer Justizbeamtin im Saal begleitet wurde. Später wurde der Hamburger stets von vier Männern bewacht. Zudem musste er Fußfesseln tragen.

In seinem nächsten Prozess wird es für Chris Z. voraussichtlich auch um die Frage gehen, ob bei ihm neben einer Haftstrafe auch die Sicherungsverwahrung in Betracht kommt. Auch eine Unterbringung in der Psychiatrie wäre denkbar. Laut einem Gutachten, das ein Sachverständiger im März erstattet hatte, hat der Angeklagte massive psychische Probleme. Nicht nur, dass er früher Drogen genommen hat. Vor allem reagiere er aggressiv, wenn er von einer Partnerin verlassen werde. Seine Steuerungsfähigkeit ist dann offenbar eingeschränkt. Oder, wie der Anwalt der Ex-Freundin es formulierte: „Er ist wie eine Waffe. Er ist brandgefährlich.“