Hamburg

Game of Thrones – Lehrfach an Hamburgs Uni

Staffel sieben von "Game of Thrones" startet - in Deutschland und Österreich bei Sky

Staffel sieben von "Game of Thrones" startet - in Deutschland und Österreich bei Sky

Foto: P4444/_Helen Sloan / obs

Mittelalterforscher Christoph Dartmann bietet ein Seminar zur extrem erfolgreichen Fernsehserie an. Fanshops melden Umsatzrekorde.

Hamburg.  Hunderte Millionen von Fans auf der ganzen Welt verfolgen derzeit den blutigen Endkampf um den Eisernen Thron. Es ist die US-Serie „Games of Thrones“ (GoT), die vor wenigen Tagen mit der 7. und vorletzten Staffel ins Finale einbog. Auf dem Pay-TV-Sender Sky können die Zuschauer in Deutschland derzeit erleben, wie die Schlacht um den Thron auf dem fiktiven Kontinent Westeros in der weltweit erfolgreichsten TV-Serie weitergeht – eine Fantasy-Story, die nicht zuletzt ein Bild des Mittelalters zeichnen will.

Die finale Begeisterung für dieses Epos, das auf dem Buch „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin basiert, hat längst Hamburg erreicht. Seit dem Beginn der 7. Staffel zieht der Verkauf von Fanartikeln kräftig an. Und selbst an der Universität ist das Werk mit der manchmal nackten Drachenprinzessin Daenerys Targaryen, dem wackeren Recken Jon Snow und der verschlagenen Cersei Lennister zum Seminarthema geworden. „Denn ,Game of Thrones‘ lässt viele aktuelle Themen anklingen“, sagt Professor Christoph Dartmann, Mittelalter-Forscher an der Universität Hamburg.

Gemeinsam mit der Kirchenhistorikerin Barbara Müller hat er im Sommersemester ein interdisziplinäres Blockseminar mit Studierenden der evangelischen Theologie und der Geschichte angeboten. Die Veranstaltung fand, passend zum Thema Religion, im Kloster Nütschau statt. Weil das Interesse bei den jungen Leuten so stark war, musste die Teilnehmerzahl auf 30 begrenzt werden.

Voraussetzung war, dass alle Studierenden auch die bisherigen Folgen gesehen hatten. Für überzeugte GoT-Fans ohnehin ein Muss. Der studentische Enthusiasmus für den Forschungsgegenstand war so groß, dass das Engagement „weit über das zwingend Geforderte hinausging“, freut sich Mediävist Dartmann.

Den Professor ärgern die Klischees über die Zeit

Zwar bot die Serie mit den Themen Flucht, Klimawandel, Religion und kulturelle Verschiedenheit genügend aktuellen Gesprächsstoff hinter den Mauern des Benediktinerklosters Nütschau. Die Studenten merkten aber schnell, dass sie viele Klischees populärer Mittelalter- und Fantasy-Formate verbreitet. „Ich“, sagte Dartmann in der Lehrveranstaltung, „finde es sehr unbefriedigend, dass alles Mögliche zu ,dem‘ Mittelalter zusammengerührt wird.“

Viele Settings seien besonders grausam und ex­trem schmutzig. „Sie sehen so aus, als würde es da schlimm stinken.“ Aber auch die beinahe durchgängige Demütigung von Frauen, die vordergründig zu schweigen und Kinder bekommen zu haben, gehöre zu den gängigen Mittelalterklischees. Den Experten stört an „Game of Thrones“ dieses eindimensionale Bild von einem Mittelalter als Gegensatz zur Moderne. „Das belastet die Wahrnehmung dieser Epoche seit mehr als 200 Jahren.“

Die beiden Uni-Professoren wollen die Seminarergebnisse nun im Rahmen eines Buches veröffentlichen. Die wahren Fans freilich strömen jetzt verstärkt in die Hamburger Europa-Passage am Ballindamm. Im Fanartikel-Shop Elbenwald können sie nicht nur „Star-Wars“-Produkte kaufen, sondern auch das Schwert von Jon Snow – jedenfalls als entschärfte Nachbildung. Der Artikel ist zum Preis von 379 Euro zu haben.

„Seit dem Start der 7. Staffel kommen noch mehr Besucher zu uns“, sagt Sanni Krüger von der Filialleitung in der „Europa-Passage“. „Es gibt einen neuen Hype. Denn wir haben 70 Prozent mehr Kunden als vorher.“ Gefragt seien neben GoT-T-Shirts (Preis: 19,90 Euro) vor allem die GoT-typischen Tassen und Minifiguren.

Viele Fans reisen sogar zu den Drehorten

Zu den Käufern zählten Zuschauer ab 16 Jahren, sagt Sanni Krüger, eine studierte Archäologin, die sich selbst für Fantasy-Geschichten begeistert. „Da entsteht ein ganz eigener, vielschichtiger und spannender Kosmos.“ Das Interesse sei bei Männern und Frauen übrigens nahezu gleich verteilt.

Die treuesten Fans reisen allerdings zu den Drehorten. Wer die Schauplätze kennenlernen will, ist beispielsweise beim Reisering Hamburg richtig. Dort werden Fahrten unter anderem ins kroatische Dubrovnik angeboten. In der historischen Altstadtkulisse mit den stolzen Festungen wurden frühere Folgen gedreht – unter dem Einsatz von 600 Sicherheitsleuten. Auch Kreuzfahrtreedereien wie TUI Cruises bieten auf ihren Törns ins östliche Mittelmeer spezielle Landausflüge an. Dubrovnik diente als Schauplatz für Königsmund, die Hauptstadt der 7 Königreiche der Fantasy-Insel Westeros.