Hamburg

Für Einkäufe und Co.: Haspa bietet nun auch Schließfächer an

Haspa-Mitarbeiterin
Sarah Teich und Jochen Friedrich (SinnerSchrader) stellen die Schließfächer vor

Haspa-Mitarbeiterin Sarah Teich und Jochen Friedrich (SinnerSchrader) stellen die Schließfächer vor

Foto: Michael Rauhe / HA

Die Fächer können 24 Stunden lang kostenlos genutzt werden – auch von Nichtkunden. Start des Projekts in Eppendorf und Ottensen.

Hamburg.  Ein an die plattdeutsche Mundart angelehnter Name, eine Möwe im Logo – die neue App wirkt ganz so, als sei sie das Produkt einer Start-up-Firma, die auf den Trend zur Lokalität setzt. Die beiden Funktionen der „kiekmo“-App haben auf den ersten Blick auch nichts mit dem Geschäftsmodell einer Bank zu tun: Der Nutzer erhält laut Kiekmo-Eigendarstellung „täglich Wissenswertes und Geschichten aus der Nachbarschaft“ auf das Smartphone, außerdem kann er damit kostenlos Schließfächer reservieren, um zum Beispiel Einkäufe oder eine Sporttasche zwischenzulagern Die Schließfachschränke sind allerdings in Haspa-Filialen installiert, und tatsächlich ist es die Sparkasse, die hinter Kiekmo steht.

Bisher hat die Haspa solche Schließfächer in neun ihrer Zweigstellen – vier in Eimsbüttel und fünf in Ottensen – aufgebaut. Weil sie sich in den SB-Zonen befinden, sind sie rund um die Uhr zugänglich. Mit der App kann man eines der jeweils elf Schließfächer für 30 Minuten reservieren und dann 24 Stunden lang kostenlos nutzen. Wenn man den Öffnungscode, eine vierstellige Zahl, einer anderen Person schickt oder mitteilt, kann diese auch ohne die App das Fach öffnen. Auf diese Weise ist es möglich, etwa einen Hausschlüssel für Angehörige zu hinterlegen oder eine ausgeliehene Bohrmaschine dem Besitzer wieder zukommen zu lassen.

Echte Innovation

Der neue Service ist ausdrücklich nicht daran gebunden, dass jemand Kunde der Sparkasse ist. Er steht aber eindeutig im Zusammenhang mit der vor wenigen Wochen gestarteten Umgestaltung der Filialen. „Wir wollen der regionale Partner sein, ein Treffpunkt für die Menschen im Viertel“, sagt dazu Sarah Teich, Projektleiterin bei der ­Haspa, zur Vorstellung des neuen Angebots in der Filiale an der U-Bahn-Station Osterstraße. „Mit Kiekmo wollen wir das auch in digitaler Form umsetzen.“ Wenn der Schließfachservice während der Pilotphase bis Jahresende gut angenommen werde, sei vorgesehen, ihn im kommenden Jahr in fast allen Haspa-Filialen zur Verfügung zu stellen.

„Das Schließfachsystem ist eine echte Innovation, nach unseren Informationen gibt es in Deutschland bisher nichts Vergleichbares“, sagte Jochen Friedrich, Produktmanager bei der Hamburger Internetagentur SinnerSchrader. Sie hat Kiekmo gemeinsam mit der Haspa entwickelt; ein Kernteam aus fünf Personen hat daran gearbeitet. Die Kooperation zwischen der Sparkasse und SinnerSchrader im Zusammenhang mit dem neuen Filialkonzept begann bereits im November 2015. Wie auch Stadträder und Mietwagen folgten die Kiekmo-Schließfächer der Idee einer „Sharing Economy“, also der Ökonomie des Teilens, heißt es von der Haspa.

Für die Technik hat man einen renommierten Hersteller ins Boot geholt: Lieferant der Schließfachschränke ist die nordbayerische Firma LockTec, die unter anderem auch die DHL-Packstationen fertigt. Nutzer der App müssen sich nach Angaben der Haspa mit dem Namen und der Adresse anmelden. Denn sollte jemand das Schließfach nach Ablauf der 24 Stunden Nutzungsdauer nicht wieder freigegeben und sich nach mehrfacher Aufforderung nicht gemeldet haben, erhält er den Inhalt des Fachs kostenpflichtig zugeschickt.

Dem neuen Ziel der Haspa, einen „Beitrag für eine aktive Nachbarschaftskultur in Hamburg“ zu leisten, soll außer den Schließfächern auch die Nachrichten-Funktion der Kiekmo-App dienen. „Wir wollen neue Gesichter, Geschäfte und Einrichtungen aus dem jeweiligen Stadtteil vorstellen“, erklärte Sarah Teich. Das können „tolle Handwerker“, Künstler, ein Pop-up-Store mit exklusiven Angeboten oder das neue Programm des Sportvereins sein.

Filiale Osterstraße 125 wird modernisiert

Vorgesehen sind zudem Hinweise auf Veranstaltungen und Tipps zu Umleitungen im Fall von Baustellen. Für die Inhalte sorgt ein eigenes Redaktionsteam, wobei auch Beiträge von Medienpartnern wie den „Eimsbütteler Nachrichten“ und dem Stadtmagazin „Szene Hamburg“ einfließen. In einer späteren Ausbaustufe soll daraus den Angaben zufolge ein digitales „Schwarzes Brett“ entstehen, mit dem sich die Anwohner noch besser vernetzen könnten. Zum Start gibt es Kiekmo-Nachrichten für die Stadtteile Eimsbüttel und Ottensen.

Von der Idee her verfolgt die App das gleiche Ziel wie die Umgestaltung der Haspa-Filialen, die Ende Juni mit der Neueröffnung der ersten nach diesem Konzept umgebauten Niederlassung in Niendorf-Nord begann. Dort gibt es nun eine „Stadtteilwand“ mit einem großen Touchscreen installiert, auf dem man regionale Nachrichten abrufen kann, außerdem präsentieren sich in der Filiale Einzelhändler, Handwerker und Vereine aus der Nachbarschaft.

Regionale Verankerung

„Damit machen wir die regionale Verankerung der Haspa noch erlebbarer“, hatte Harald Vogelsang, der Chef der Sparkasse, bei der Eröffnung gesagt. Rund 30 Millionen Euro investiert die Haspa in die Modernisierung des Filialnetzes, die Kosten für Kiekmo sind darin enthalten. Bis 2020 sollen alle Zweigstellen – aktuell sind es 148 – umgestaltet sein. Der Planung zufolge wird die Filiale an der Osterstraße 125 noch in diesem Herbst umgebaut.

Wohl für jüngere Nutzer der neuen App und für Neu-Hamburger erläutert das Kiekmo-Team im Internet übrigens, woher der Name eigentlich kommt: „Auf Platt sagt man ,kiek mol‘. wenn man etwas zeigen möchte, also ,schau mal‘“. Und auch für den Vogel im Logo liefern die Kiekmo-Macher eine Erklärung: In puncto Navigation mache der Möwe kaum jemand etwas vor. „Außerdem steht sie für Hamburg, das Meer und die Neugier.“