Lebensmittel

Online-Supermarkt Amazon Fresh im Abendblatt-Test

| Lesedauer: 7 Minuten
Bob Geisler
Ein Amazon-Mitarbeiter
verpackt eine
Lieferung im
Berliner Depot

Ein Amazon-Mitarbeiter verpackt eine Lieferung im Berliner Depot

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Nun kann man auch in Hamburg frische Lebensmittel über den US-Konzern bestellen. Wie gut ist die Qualität?

Hamburg.  Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch bequem nach Hause schicken lassen: Mit seinem neuen Lebensmittel-Lieferdienst Fresh will der Onlinekonzern Amazon den deutschen Supermärkten das Fürchten lehren. Doch wie gut ist der Dienst tatsächlich? Wie frisch sind die Lebensmittel, die der Internethändler von Berlin aus nun auch in die Hansestadt liefert? Der Abendblatt-Test.


Die Anmeldung
Normale Amazon-Kunden müssen sich zunächst für den Abo-Dienst Prime und den neuen Dienst Fresh registrieren. In den ersten 30 Tagen ist beides kostenlos, danach fällt jedoch eine Jahresgebühr von 69 Euro für Prime und von 9,99 Euro monatlich für Fresh an. Nutzen können das Angebot nur Hamburger, die in den Bezirken Mitte, Altona, Eimsbüttel, Nord und Wandsbek wohnen. Im Fall dieses Tests, in dem die Lebensmittel an eine bereits hinterlegte Adresse in Ottensen geliefert werden sollen, akzeptiert Amazon die Bestellung problemlos.

Die Bestellung

Die Auswahl der Lebensmittel erfolgt bei Amazon wie bei anderen Artikeln auch. Es gibt Unterteilungen wie Obst, Gemüse, Fleisch oder Tiefkühlprodukte, die wie gewohnt in einen Warenkorb gelegt werden können. Stöbern wie im Supermarkt funktioniert aber nicht, man muss wissen, was man einkaufen möchte. Für den Test ordern wir vor allem frische Produkte: eine Forelle von Deutsche See (3,99 Euro/290 Gramm), ein Rinderhüftsteak aus der Bioland-Öko-Metzgerei Bühler (5,99 Euro/200 Gramm), Landkost Bio-Eier (1,99 Euro für sechs Stück), Cherry-Rispentomaten (1,83 Euro/330 Gramm), Biokoriander (0,93 Euro/15 Gramm), deutsche Erdbeeren (2,99 Euro/500 Gramm), Bio-Paprika-Mix (1,03 Euro/400 Gramm) und Gutendörfer Rinderhackfleisch (2,59 Euro/500 Gramm), Beim Almblütenkäse (2,49 Euro/125 Gramm) lässt sich die Dicke der Scheiben zwischen hauchdünn, dünn und etwas dicker wählen. Wir nehmen die Voreinstellung hauchdünn. Auch Tegut-Mineralwasser (1,14 Euro pro Sechserpack 1,5 Liter) und Bio-Reismilch von Alnatura (1,25 Euro/Liter) landen im Einkaufskorb.

Insgesamt kommen wir auf 26,22 Euro plus 1,50 Euro Pfand und eine Liefergebühr von 5,99 Euro, weil der Wert der Waren unter 40 Euro liegt. 33,71 Euro zahlen wir insgesamt. Insbesondere die Ausweisung von Pfand und Liefergebühr ist dabei eher unübersichtlich, weil diese zunächst ohne Umsatzsteuer angegeben werden und erst in einer Extrarechnung als PDF, die unsinnigerweise aus zwei Teilen besteht, mit ihren endgültigen Werten erscheinen.

Für die Lieferung gibt Amazon jeweils zweistündige Zeitfenster zur Auswahl. Eine Zustellung am selben Tag ist im Moment der Bestellung am Mittwoch gegen 11.30 Uhr nicht mehr möglich. Wir wählen eine Zustellung am Donnerstag zwischen 8 und 10 Uhr.


Die Lieferung
Gegen 8.40 Uhr am Donnerstag kämpft sich ein DHL-Bote mit zwei großen, grünen Amazon-Fresh-Taschen die Treppen zum vierten Stock in einem Ottensener Altbau hinauf. Die Taschen hat er am Morgen in der Zustellbasis in Billbrook abgeholt, wo sie über Nacht aus der Amazon-Fresh-Basis in Berlin angekommen sind. Eine Unterschrift auf dem elektronischen Beleg – und schon ist der Bote wieder weg. Die Transporttaschen lässt er da, sie können bei der nächsten Bestellung abgegeben werden.

In der ersten Tasche liegen all jene Produkte, die kühl gehalten werden müssen. Eine Extra-Isolierung und neun Eispacks schützen die Artikel. Ganz oben liegen Erdbeeren, Koriander und der Käse, darunter der Fisch, das Steak und das Rinderhack. Die zweite Tasche hat keine gesonderte Kühlung. Hierin finden sich Eier, Tomaten, Paprika, Reismilch und das Mineralwasser. Alle Produkte sind angekommen, es gibt sogar eine Probe Landrahm als Zugabe.


Die Produktqualität

Alle Artikel machen auf den ersten Blick einen frischen und weitgehend unversehrten Eindruck. Das Haltbarkeitsdatum ist in keinem Fall überschritten. Bioprodukte sind auf den Verpackungen mit dem Ökosiegel der EU gekennzeichnet. Die Erdbeeren in einer großen Plastikschale sind kühl, knackig und aromatisch. Zwei Früchte sind vom Transport etwas mitgenommen, sonst gibt es nichts zu meckern. Paprika und Tomaten sind ebenfalls frisch und fest. Der Koriander ist in seiner Kunststoffverpackung etwas welk geworden, lässt sich aber noch verwenden. Die Bio-Eier haben den Weg von Berlin nach Hamburg unversehrt überstanden.

Der Almblütenkäse ist wie versprochen hauchdünn und offenbar frisch geschnitten. Die Scheiben stecken nicht in Plastik, sondern in Papier, wie man es von der Frischetheke im Supermarkt kennt. Der Käse schmeckt herzhaft und verströmt einen starken Duft, der dank der Kühlung aber nicht auf andere Produkte übergegriffen hat. Fleisch und Fisch sind besonders kritisch beim Transport, weil hier die Kühlkette exakt beachtet werden muss.

Maximal plus zwei Grad beim Fisch und maximal plus vier Grad beim Fleisch sind erlaubt. Die Messung mit einem Kühlschrankthermometer ergibt, dass Amazon diese Grenze eingehalten hat. Optisch macht die luftdicht verpackte Forelle einen guten Eindruck, die Augen sind klar, sie verströmt kaum Geruch. Auch das Steak und das Rinderhack haben eine rosige Farbe und riechen neutral, graue Stellen sind nicht erkennbar. In der Pfanne gebraten hat das Steak einen herzhaften Geschmack, es tritt kein Wasser beim Zubereiten aus.


Das Fazit

Amazon ist in der Lage, Lebensmittel nach Hamburg zu liefern, die in Frische und Qualität mit denen im Supermarkt um die Ecke mithalten können. Kritische Produkte wie Fleisch oder Fisch kamen ausreichend gekühlt in der Hansestadt an. Die Lieferung war pünklich und vollständig, es gar sogar ein kleines Extra.

Die Preise der einzelnen Produkte bewegen sich auf Supermarkt-Niveau, einige Waren wie das bestellte Mineralwasser sind sogar ausgesprochen günstig. Allerdings kommen zu den eigentlichen Produktpreisen noch die Abokosten für Prime und Fresh hinzu, die es so bei keinem anderen Wettbewerber gibt. Bei Bestellungen unter 40 Euro kommt noch die recht happige Liefergebühr von 5,99 Euro obendrauf. Das Angebot rechnet sich daher für den, der mehrmals im Monat für jeweils mehr als 40 Euro bei Amazon Fresh einkauft. Wer nur sporadisch bestellt, fährt vermutlich mit dem Online-Service von Rewe besser, bei dem je nach Länge des zeitlichen Lieferfensters zwischen 2,90 Euro und 5,90 Euro pro Bestellung anfallen, aber keine dauerhaften Gebühren.

Umweltfreundlich ist sicher keines der bestehenden Angebote, weil die Lieferung frischer Lebensmittel mit einem hohen Aufwand für Transport, Verpackung und Kühlung einhergeht. Insbesondere Bioprodukte sollten Kunden aus ökologischer Sicht lieber im Markt in der Nachbarschaft kaufen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg