Altona

Wie die Holsten-Quartiere zur grünen Stadtoase werden

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Oliver Schirg
So sieht der Siegerentwurf des Wettbewerbs aus

So sieht der Siegerentwurf des Wettbewerbs aus

Foto: moka-studio

Der Hamburger Architekt André Poitiers siegt im städtebaulichen Wettbewerb. Er will die Natur zurückholen. 2000 Wohnungen entstehen.

Hamburg.  Von der Neuen Mitte Altonas über die Holsten-Quartiere bis hin zum Rathaus Altona durch einen Park spazieren können. Diese zentrale Idee des Hamburger Architekten und Stadtplaners André Poitiers zur Gestaltung der künftigen Quartiere war so faszinierend, dass die Preisrichter diese am Freitag zum Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs erklärten. Auf dem Grundstück der Holsten-Brauerei sollen bis zu 2000 Wohnungen entstehen.

„Wichtig war die Schaffung eines großen Parks. Es ging mir aber auch um den Erhalt der historischen Bausubstanz der ehemaligen Holsten-Brauerei“, sagte Poitiers nach der Verkündung der Juryentscheidung dem Abendblatt. Ihm schwebe ein Ensemble aus unterschiedlich genutzten Freiräumen vor. Neubauten und historische Gebäude würden gleichberechtigt nebeneinanderstehen.

Im Zentrum der neuen Quartiere solle ein zentraler Park, die sogenannte Holstenwiese, geschaffen werden, in dem die Menschen sich erholen könnten. Zugleich könne die Anlage eine Achse zum Walther-Kunze-Park bilden und dadurch das Nachbarquartier anbinden. Die Holsten-Quartiere würden dadurch mit bestehenden Grünflächen im angrenzenden Wohnviertel Altona-Nord zusammengeführt, sagte Poitiers.

Das gut 8,6 Hektar große Holsten-Areal, auf dem die inzwischen zum dänischen Carlsberg-Konzern gehörende Holsten-Brauerei seit dem Jahr 1879 Bier braut, gilt als ein sogenanntes Filetstück bei der innenstädtischen Entwicklung. Bis zu 2000 Wohnungen sollen hier – nur einen Steinwurf von der Neuen Mitte Altona entfernt – entstehen, wenn das Brauereiunternehmen vom Jahr 2019 an seine Produktion nach Hausbruch verlegen will.

Barrierefreiheit als Standard

Bevor es zum Verkauf des Grundstücks kam, hatten die Stadt Hamburg und Carlsberg sich auf einen Rahmen geeinigt, der ein gemischtes Wohngebiet verspricht. Wie bei allen großen Neubauprojekten bildet der sogenannte Drittelmix die Grundlage. Jeweils zu einem Drittel werden Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen entstehen. Zudem ist Barrierefreiheit Standard, und 20 Prozent der Wohnfläche gehen an Baugemeinschaften.

Im Unterschied zur Neuen Mitte Altona und anderen Wohnquartieren soll das Wohnen in den Holsten-Quartieren allerdings nicht 90 Prozent der Flächen, sondern lediglich 80 bis 85 Prozent umfassen. Demnach sind auch ein Hotel, eine Schule, Geschäfte, Gastronomie, Arztpraxen und Büros geplant. Sogar ein Gewerbehof für kleine Handwerksbetriebe soll entstehen.

Den Zuschlag für das Areal hatte die Düsseldorfer Gerchgroup AG erhalten. „Uns war es vor allem wichtig, dass die Identität des Areals in der neuen Konzeption der Holsten-Quartiere wiedererkennbar ist und trotzdem ein moderner und lebendiger Stadtteil definiert wird“, erklärte Mathias Düsterdick, Vorstandsvorsitzender der Gerchgroup AG und Projektentwickler der Holsten-Quartiere. „André Poitiers hat das perfekt umgesetzt.“

Jetzt steht Konkretisierung an

Der Siegerentwurf zeigt nach den Worten von Altonas Bezirksbürgermeisterin Liane Melzer (SPD), dass auf dem Gelände der Holsten-Brauerei im Zentrum Altonas ein neues und lebendiges Quartier entstehen wird. Der Entwurf biete die große Chance für eine vielseitige Nutzung. Zugleich deutete die Bezirkschefin Nachbesserungsbedarf an. „Der Entwurf wird jetzt in weiteren kons­truktiven Gesprächen mit allen Beteiligten, auch hinsichtlich der zu realisierenden Masse, zu konkretisieren sein.“

Jürgen Overath, Geschäftsführer der SG Development GmbH und Deutschlandchef der SSN Group AG, hob die Gestaltung des künftigen Holstenhofs hervor. Dieser inszeniere den Juliusturm, den Holstenturm und das alte Sudhaus und bilde damit einen weiteren zentralen Platz. Hier würden auch die Erlebnisbrauerei und ein Hotel entstehen. Der Juliusturm solle zur Akzentuierung des Objekts transparent aufgestockt werden.

„Mit der Vision von André Poitiers wird eine optimale Synergie zwischen historischer und neuer Bebauung geschaffen“, erklärte Overath. Die SG Development GmbH ist eine gemeinsame Tochtergesellschaft der SSN Group AG und der Gerchgroup AG und als Projektentwickler für die Holsten-Quartiere verantwortlich.

Wunsch nach Oasen

„Das von Grün durchzogene Areal ist die logische Weiterentwicklung eines Konzepts, das Grünflächen nicht als Dekoration oder auflockerndes Element betrachtet“, sagte André Poitiers, der bereits maßgeblich an der Gestaltung der Neuen Mitte Altona beteiligt war. Er nehme „den Wunsch der Menschen nach grünen Stadtoasen“ ernst.

Eine Wunschvorstellung hatte Investor Düsterdick bereits vor einigen Monaten formuliert. „Hip und urban“ solle das Viertel werden, keine Monostruktur etwa nur für junge Familien aufweisen. Am Ende gehe es insbesondere um Vielschichtigkeit.

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