Sternschanze

Kita statt Krawall – Petition gestoppt

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Hamburger sammelt Stimmen für Flora-Umnutzung. Drohungen führen zum Abbruch

Sternschanze.  Fast 6000 Unterstützer hatte die Idee schon. Für knapp 24 Stunden schien es, als könnte aus dem autonomen Zentrum Rote Flora eine Kita werden. Zumindest hätte bei anhaltender Unterstützung über diesen Nutzungsvorschlag diskutiert werden müssen. Denn eine entsprechende Petition erhielt enorm schnell enorm viel Zuspruch. „Kreative Idee“ oder „Das wäre doch mal was. Die neuen Bewohner wären bei ähnlichem Reifegrad ungleich friedlicher“ lauteten die Kommentare der Befürworter. Bis der Initiator der Petition sein Anliegen zurückzog, „aus persönlichen Gründen“, wie es auf der Plattform change.org heißt.

Initiator war Alexander Tebbe. Er hatte am Montag den Stein ins Rollen gebracht, stellte seinen Vorschlag online zur Abstimmung: Aus dem Treffpunkt der Autonomen im Schanzenviertel, „linksextreme Keimzelle“ der Gewaltexzesse während des G20-Gipfels, sollte ein Kindergarten oder eine Grundschule werden. Nach Ansicht des Hamburger Unternehmers, er gründete die Reederei Auerbach, sollte der Treffpunkt geschlossen und radikal neu genutzt werden. So zöge die Gesellschaft wieder Nutzen aus der Einrichtung im Schanzenviertel. Bis zum frühen Dienstagmorgen hatte die Petition mehr als 2000 Unterstützer; als Tebbe die Abstimmung stoppte, waren es exakt 5972. Augenscheinlich fanden viele Hamburger die Idee charmant, das ehemalige Theater, seit 1989 besetzt, einer neuen Bestimmung zuzuführen.

Initiator wurde in den sozialen Netzwerken angefeindet

Doch aus „Schwerter zu Pflugscharen“ oder in diesem Fall „Pflastersteine zu Pusteblumen“ wird vorerst nichts. Grund für den Rückzug ist, dass der Initiator über soziale Netzwerke diffamiert worden ist, wie er dem Abendblatt bestätigte. „Angefeindet stimmt wohl“, so Tebbe. Auch Zuschriften mit der Drohung, er solle sich in Zukunft lieber etwas vorsichtiger bewegen, haben ihn erreicht und zum Umstimmen bewegt. Für Tebbe war damit nach nur einem Tag als Petitionsurheber das Maß voll. „Das möchte ich alles nicht, nicht wegen einer Kindergarten-Idee.“ Gegenüber dem Abendblatt sagte er: „Für mich möchte ich an dieser Stelle die Notbremse ziehen.“

Nahezu gleichzeitig wurde bei change.org eine neue Petition zur Zukunft der Roten Flora ins Leben gerufen. „Dieser Ort muss zukünftig friedlich genutzt werden. Ich bin für die Räumung der Roten Flora und die Anlegung eines Parks, der an die pure Gewalt dieser Tage erinnert“, heißt es dort. Dazu ein Foto von einem brennenden Auto. Auch bei openpetition.de gibt es eine Petition zur Schließung der Roten Flora. Beide Aufrufe hatten aber nur zweistellige Zustimmungszahlen.

Die Bürgerschaft muss sich bei offiziellen Volkspetitionen, die mehr als 10.000 gültige Unterschriften von wahlberechtigten Hamburgern haben, mit deren Thema befassen.

( nib )

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