Neues Programm "Shift"

Studium abgebrochen – und was dann?

Besser eine Ausbildung machen? Viele Studierende brechen ihr Studium vor dem Bachelorabschluss ab

Besser eine Ausbildung machen? Viele Studierende brechen ihr Studium vor dem Bachelorabschluss ab

Foto: Getty Images/iStockphoto

Hamburgs Beratungsstellen sollen besser kooperieren, um einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Zumal die Betriebe großen Bedarf haben.

Hamburg.  Jeder vierte Studierende in Hamburg wirft vor dem Bachelor-Abschluss hin. Die Suche nach einer Alternative dauere dann oft zu lange, so Bildungssenator Ties Rabe (SPD): „Es gibt zwar viele Beratungsstellen in der Stadt, trotzdem verliert der Einzelne leicht den Überblick“, sagte Rabe am Dienstag im Rathaus. Dort stellte er mit Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) das Programm „Shift“ vor, das der der Senat mit Partnern der Wirtschaft und den staatlichen Hamburger Hochschulen vereinbart hat.

Künftig sollen der neue Online-Wegweiser „www.shift-hamburg.de“ und eine bessere Vernetzung der Beratungsstellen dafür sorgen, dass Studienabbrecher in Hamburg rasch in eine Berufsausbildung hineinfinden. „Wer die Uni verlässt, sollte diese Entscheidung nicht als Scheitern, sondern als bewusste Wahl einer Initiative verstehen“, sagte Wissenschaftssenatorin Fegebank. Das Bundesbildungsministerium fördert das Programm mit 1,36 Millionen Euro bis Ende 2018.

Betriebe suchen händeringend Azubis – viele freie Stellen

Die Initiative kommt zu einer Zeit, in der Handwerk, Handel und Industrie händeringend nach Azubis suchen, die ihre Anforderungen erfüllen. In der Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern (www.ihk-lehrstellenboerse.de) etwa werden für Hamburg aktuell fast 1000 Ausbildungsplätze angeboten.

„Es gibt exzellente Fortbildungsmöglichkeiten, etwa zum Meister“, sagte Hjalmar Stemmann, Vizepräsident der Handwerkskammer Hamburg. Ein weiterer Anreiz sei, dass etliche Hamburger Unternehmen in den kommenden Jahren leitende Positionen in Ausbildungsberufen zu vergeben hätten. Grundsätzlich sollten Abiturienten eine Ausbildung nicht als Einbahnstraße sehen, sagte Stemmann. Nach dem Abschluss könne man immer noch studieren.

Run auf Hochschulen hält an

Trotz dieser Situation drängen immer mehr junge Menschen an die Hochschulen – obwohl ein Studium nach den Worten von Bildungssenator Ties Rabe „nicht für alle Abiturienten die richtige Wahl ist“. Das könne etwa soziale Gründen haben, erläuterte Sönke Knutzen, Vizepräsident der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Es könne aber auch an den Besonderheiten eines Faches liegen – ein Ingenieurstudium etwa ist ohne ein gutes Verständnis von Mathematik schwierig – oder auch damit zu tun haben, dass Studierenden der Praxisbezug fehle.

Mit etlichen Maßnahmen versuchen einige Hamburger Hochschulen, ihre Studierenden enger zu betreuen. „Gleichwohl tragen wir Verantwortung auch für diejenigen, die ihr Studium nicht erfolgreich abschließen“, sagte Knutzen. „Deshalb begrüßen wir Shift.“

Noch fehlt Hinweis auf "Shift"

Laut Senat haben sich zuletzt mehr als 30 Beratungsstellen in Hochschulen, Kammern und Verbänden abgesprochen. Deshalb könnten sie künftig Ratsuchende genauer vermitteln, hieß es.

Nach der Exmatrikulation werden Studierende bis auf Weiteres allerdings nicht direkt – etwa in einem Brief – auf „Shift“ hingewiesen, obwohl dies wohl wirkungsvoll wäre. Denn etliche Abbrecher suchen keine Beratungsstelle auf, in der sie von „Shift“ erfahren könnten. In der Exmatrikulationsbescheinigung stehen zwar Adressen von Beratungsstellen – „Shift“ wird dort zunächst aber nicht genannt werden. Dazu liefen jedoch Gespräche mit den Hochschulen, hieß es.

Ab Donnerstag sollen auch Plakate und Flyer in der Stadt auf „Shift“ aufmerksam machen. Und es gibt eine Facebookseite dazu: facebook.com/shiftHH